Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

27. Mai 2010 Kommentare: 6

Gepflegte Langeweile in Berlin

Neulich in der Bahn wurde ich Zeuge einer Unterhaltung, die mich elektrisierte. Ein Mann und eine Frau, die keinen expliziten Körperkontakt suchten, tauschten sich aus. Mit der Zeit wurde ich hellhörig und schrieb in meinem Notizbüchlein mit.

(…)
Sie: “Bruno zieht jetzt auch nach Berlin.”
Er: “Ehrlich? Hat er es endlich begriffen?”
“Mache Dir keine Hoffnung, er hat es allein mit wirtschaftlichen Zwängen begründet.”
“Mein Reden, wer die Berliner Szene verpasst, wird abgehängt.”
“Naja, ihm ging es ums Drücken seiner Lebenskosten.”
“Na klar, arm und se-”
“Ich zitiere Bruno: “Arm und scheiße.” ”
“Ha-ha. Wer im Medienbereich absahnen will, hat keine Wahl.”
“Ich werde aggressiv, wenn ich Künstlerseiten im Internet studiere. Jeder Trottel wohnt mittlerweile in Berlin.”
“Von wegen Dummheit, dahinter stecken strategische Überlegungen. Stichwort Suhrkamp.”
“Leck geschlagenes, ehemaliges Flaggschiff der Literaturbranche”
“Stichwort Bildzeitung”
“Wer liest den Mist?”
“Stichwort Let’s dance, die vierte Staffel jetzt live aus Berlin”
“Niveauloses Herumgehüpfe mit clownesker Moderation. Und Kleider machen eben doch keine Leute.”
“Stichwort Hertha BSC Berlin”
Beide sahen sich an und prusteten los.
“Okay, die Tendenz besteht. Sicherlich gibt es Vorreiter, aber ein Großteil lässt sich unter Mitläufertum und Herdentrieb abhaken.”
“Du unterschätzt den Sog der Hauptstadt. Mutterstadt Berlin.”
“Und wer ist der Vater? Bonn oder doch Dr. Kohl? Und die Kinder? Die kleine (Pots)Dami und der putzige (Leip)Ziggi? Alles Boulevard-Gesülze.”
“Die Bühnenszene brodelt!”
“Theater kann mir gestohlen bleiben. Wie war das mit Helene und Konsorten?”
“Ein Einzelfall. Modelabels sprießen aus dem Boden!”
“Deren Fetzen kann eine normal gebaute Frau nicht tragen.”
“Renovierte Museen und wachsende Philanthropie.”
“Na klar, jeder Hartzer schmeißt einen Euro in die Kasse.”
“Berlins verjüngte Architektur nach der Wende!”
“Altbau, Burgen und Schlösser, der Rest stinkt.”
“Behörden und Regierung rücken zusammen.”
“Alle erfolgreichen Politiker sind Betrüger und Lügner.”
“Ich geb’s auf. Wann ziehst Du jetzt um?”
“Im Juni geht’s nach Moabit. Hättest Du am 12. morgens Zeit?”
“Solange die S-Bahnen nicht wieder streiken, wäre ich dabei.”

25. Mai 2010 Kommentare: 8

In eigener Sache: Es wird ernst äh geslammt…

Ein Jungpoet wagt sich aus der Deckung. Falls mich keine schwere Krankheit, entbrannte Leidenschaft oder unerwarteter Reichtum davon abhalten, werde ich mich Mitte Juni das erste Mal dem kritischen Publikum eines Poetry-Slams stellen. Vielleicht verirrt sich ja das eine oder andere bekannte Gesicht dorthin. Bei der Gelegenheit könnte auch vergammeltes Obst oder sonstiger Abfall an den dichtenden Mann gebracht werden…

Hier die Schlagzeile: Der Jungpoet im Stage Club am Freitag, 18. Juni 2010, ab 19.30 Uhr.

Details zum Slam Deluxe

22. Mai 2010 Kommentare: 2

Immer.

Den Schlaf will ich Dir nicht rauben,
doch Worte musst Du erlauben.
Ich will Dich an allen Tagen
nach Deinem Wohlbefinden fragen.
Geht es Dir gut, na wunderbar,
geht es Dir schlecht, so bin ich da.
Und bin ich selbst das Problem,
hilf Du mir, es zu versteh’n.

22. Mai 2010 Kommentare: 2

Nur gewinnen zählt?!

Diese Woche gibt es unter “Romanfortschritt” eine weitere Kurzgeschichte zu lesen, die ich erfolglosreich eingereicht habe. Ob es sich eher um einen technischen Fort- oder Rückschritt handelt, sei dahingestellt…

22. Mai 2010 Kommentare: 2

Eine Stadt wählt.

Der linke Vorderreifen des deutschen Kleinwagens schleuderte einen Tropfen des sich in der Fahrrinne ansammelnden Gemisches aus Regen und Schmutz auf das Plakat, dessen Rückseite an einem Straßenschild befestigt war. Der Tropfen landete mittig, rann langsam über die Lettern des Schriftzuges „Ole! Ihr alter und neuer Bürgermeister“ und die blonde Haartolle des lächelnden Mannes, den das Wahlplakat zeigte.
Christian blickte dem silbernen Opel Corsa mit dem HH-Nummernschild nach, der sich rasch entfernte. Im Seitenprofil hatten die langen braunen Haare und die Wangenlinien der Fahrerin sein Interesse geweckt. Er hätte ihr Gesicht gerne von vorne betrachtet, doch Hamburg war groß. Sie sähen sich nie wieder, dachte er, überquerte zwei weitere Straßen und hatte sie vergessen. Es war neunzehn Uhr am Freitagabend, ihm blieben knapp zwei Stunden und er verschickte eine Kontroll-SMS: „Hi Basti, von mir aus bleibt es bei 21 Uhr an der Station Sternschanze. LG, Chris“
Uringestank erfüllte den U-Bahn-Schacht und verband sich mit Nikotingeruch, der von den Zigaretten der auf der Treppe stehenden Halbstarken aufstieg. Christian kämpfte gegen den Impuls an, auf dass für alle Bahnhöfe geltende Rauchverbot hinzuweisen, und ging direkt zum Bahnsteig der U2. In der Wand war ein Bildschirm eingelassen, auf dem ein Werbefilm lief. „Werfen Sie Ihre Stimme nicht weg. Hamburg-Wahl 2008.“ Wenn es nur eine wählbare Partei gäbe, lachte Christian in sich hinein. Nach zwei Minuten schob sich die U-Bahn vor den Bahnsteig und Menschen eilten durch die geöffneten Türen, Anzugträger reihten sich an Fernreisende mit wuchtigen Koffern, Teenager, um die eine Parfümwolke waberte und deren Kopfhörer vor Musik dröhnten, drängten an Senioren vorbei, die stoisch auf das Abebben des Menschenstroms warteten. Was tat Daniela gerade? War sie nach ihren Tagesterminen direkt in ihr Hotel gefahren, saß sie in einem Café in der Düsseldorfer Altstadt oder belohnte sie sich mit einer kleinen Shoppingtour auf der Königsallee? Er schrieb ihr eine SMS: „Hi Dani, ich wünsche Dir einen schönen Abend. Bis Sonntag am Flughafen. Dein Crischi“. Christian stieg an der Station Osterstraße aus und wurde von der Menschenmasse auf dem Gehweg aufgesogen, die sich an den Geschäften der Haupteinkaufsstraße Eimsbüttels vorbeischob. Ständig wurden Überlebende in Geschäfte oder Häusereingänge ausgespien und neue Opfer aufgesaugt. Auf der Straße führten die Stoßstangen von Luxuskarossen, Lieferwagen und Hausfrauenzweitwagen den Tanz des Berufsverkehrs auf: Zwei Schritt vor, stopp, drei Schritt vor, stopp, keinen Schritt zurück, stopp, und abbiegen. Christians im Endstockwerk eines Altbaus an der Osterstraße gelegene Wohnung wachte wie ein Leitstand über das Treiben zu ihren Füßen. Im Flur ließ er die Ledertasche auf den Dielenboden fallen, warf seinen Mantel in die Ecke und lockerte sich die Krawatte. Im Spiegel der Geradrobe musterte ihn ein schlanker Yuppie, dem die Anstrengungen einer langen Bürowoche ins Gesicht geschrieben standen. Die erste Hälfte des kalten Bieres kippte er sich hinunter, um seinen Durst zu löschen, die zweite Hälfte, um die letzten Bürostunden der Woche zu vergessen. Das moderne Lagerfeuer flammte auf und die Tagesschausprecherin verlas die aktuellen Umfrageergebnisse zur Bürgerschaftswahl in Hamburg: CDU 40,2; SPD 33,7; FDP 4,7; Grüne Alternative Liste oder kurz GAL 6,8 Prozent. Christian wunderte sich nicht mehr, warum Hamburg eine Bürgerschaft statt einen Landtag besaß. Begriffe waren nebensächlich. Aber wo versteckte sich die CWP, Christians Wunschpartei, mit deren Inhalten er sich identifizieren konnte? Wählen um des Wählens Willen war lächerlich. Um zwanzig nach acht sprang er auf und tauschte die Anzughose gegen eine verwaschene Jeans. Leichter Regen hatte eingesetzt und legte sich wie ein Schleier über die in kleinen Gruppen oder alleine vor dem Ausgang der Station Sternschanze Wartenden. Christian gesellte sich zu ihnen. Er erkannte Basti, der sich mit seiner wallenden blonden Mähne wie ein stolzer Löwe bewegte, von weitem. Sie begrüßten sich wie unter Männern üblich mit Abklatschen und anfeuernden Rufen. Sie entschieden, die Bar Goldfischglas aufzusuchen, in der sich Studentinnen tummeln sollten. Die Türsteher wirkten eher wie Sportstudenten als kampfsporterfahrene Schränke, die vor dem Eingangsbereich vieler Läden auf Gäste lauerten. Ein Klangteppich aus Satzfetzen, Gläserklirren und wummernder Musik legte sich über ihre Ohren und der Duft des Nachtlebens umspielte ihre Nasen. Christians Blick glitt über die besetzten Sitzgruppen und Basti zeigte auf die freien Plätze an der Theke. Während sie mit dem ersten Bier anstießen, berichtete Basti über die neueste große Liebe seines Lebens und prüfte gleichzeitig die Figur jeder eintretenden Frau. Anna sehe umwerfend aus, sei eine Granate im Bett und sehr intelligent, leider war sie verheiratet und lebte mit dem Vater ihrer zwei Kinder zusammen. Ihre Treffen mussten immer außerhalb stattfinden und die Kommunikation gestaltete sich schwierig. Christian schmunzelte, Basti lebte nach seiner eigenen Fasson. Er war der Prototyp des modernen Menschen, nichts hatte für ihn Bestand. Alles ließ sich auf Sicht von drei Monaten revidieren, Bastis Wohnort, Freundin und Job wechselten spätestens alle zwei Jahre, manchmal häufiger. „Was ist denn aus Katharina geworden, hatte sie nicht extra für Dich ihren langjährigen Freund verlassen?“, fragte Christian. „Ja stimmt, aber weißt Du, wir haben uns dann doch nicht so gut verstanden und das Gerede über Hochzeit und Kinder hat mich genervt. Allein diese Blicke, falls uns im Café eine junge Mutter mit ihrem Kind gegenüber saß, schrecklich.“ Christian kannte diese Blicke von seiner Dani, mit der er seit fünf Jahren zusammen war. Seine Bierflasche war leer und er winkte der Bedienung zu. Plötzlich brüllte ihn Basti von der Seite an: „Lass mal woanders hingehen, die Mädels hier schocken einfach nicht.“ Er nickte seinem Freund zu und bezahlte. Christian folgte ihm nach draußen und sah im Gehen auf die Uhr, es war zehn. Auf dem Weg zur Sofabar schwankten ihnen angetrunkene Jugendliche entgegen, die mehr mit Zombies als den braven Auszubildenden und Schülern, die sie zu sein schienen, gemein hatten. Die Sofabar ähnelte einem Hühnerstall, in dem sich aufgeplusterte, zerzauste und abgekämpfte Exemplare drängten und in kleinen Gruppen vor sich hin schnatterten. Basti und Christian gelang es, an der Bar einen Stehplatz mit guter Sicht auf die überfüllten Sofas zu ergattern. Mit einem frischen Bier in der Hand begann das Taxieren der Anwesenden. „Die Typen haben es nicht drauf, nur der dahinten mit dem Kapuzenpullover und er hier vorne sind cool.“, sagte Basti. „Stimmt, die Mädels sind auch nicht viel besser. Entweder haben sie einen zu dicken Hintern oder einen Gehfehler.“ „Meistens beides, zu stramm sitzende Hosen und einen hässlichen Vogel an ihrer Seite.“ Christian zahlte das zweite, vierte und sechste Bier, Basti im Wechsel das dritte, fünfte und siebte. Alkohol, der große Gleichmacher, flutete Blutbahn und Hirn. Basti fasste einer Blondine, die sich dicht an ihm vorbeischob, auf den zu dicken Hintern und nahm ihre Ohrfeige klaglos hin, Christian rutschte raus, wie gerne es Dani von hinten mochte und dass er von einem Dreier mit ihr und ihrer besten Freundin träumte. Es wurde einer dieser Abende, an denen sich Vorfreude schnell in Reue umkehrte und man im Halbschlaf per Taxi nach Hause gelangte, durch Poltern im Treppenhaus die Nachbarn aufweckte und mit dreckigen Zähnen im Bett in eine unruhige Nacht wegdämmerte.

Christians Hand fuhr über Danis rechte Pobacke und mit einem Klaps fachte er ihre Lust an, sie stöhnte auf. Plötzlich stampften im Nebenzimmer Füße auf und Stimmengewirr erhob sich. Er schreckte aus seinem Traum hoch und sah sich im Halbdunkel seines Schlafzimmers um. Ein dumpfer Schmerz hatte sich in seinem Kopf eingenistet, drei eilig in der Küche heruntergestürzte Glaser Wasser halfen nicht. Im Minutentakt trampelten Füße durch das Treppenhaus, schwere Gegenstände schlugen gegen das Treppengeländer und Verständigungsrufe schallten hinauf. Zwei Stunden wälzte sich ein junger Mann in seinem Bett, wurde Dutzende Male aus dem Schlaf gerissen und schlurfte dann unter die Dusche. Der Blick aus dem Fenster offenbarte einen Kleintransporter, der die rechte Fahrspur blockierte und alle Fahrzeuge zum Ausscheren zwang. Schwerer Regen fiel auf die Menschen in den Straßen, die mit verkniffenen Gesichtern Besorgungen erledigten. Christian beschleunigte seinen Schritt. Auf dem kleinen Marktplatz Ecke Heußweg leuchtete das Rapsfeld der Parteienlandschaft, ein FDP-Stand, dessen Betreuer jeden Passanten ansprachen. Christian entfuhr ein „Lasst mich in Ruhe“, während er auf seinen Biobäcker zusteuerte. Dani legte Wert auf gutes Brot im Haus und sollte morgen nicht enttäuscht werden. Ob es an seinen betäubten Geschmacksnerven oder der industriellen Zubereitung lag, die Pizza aus dem Backofen war geschmacklos und sättigte ihn nicht. Er rollte sich wie ein Hund auf der Couch zusammen und schlief ein. Am späten Nachmittag hatte der Regen nachgelassen und das schlechte Gewissen drückte. Christian zog seine Laufklamotten an, schnürte die Schuhe stramm und trippelte vor der Haustür los. Die lange Runde um die Binnenalster täte ihm gut. Vereinzelt segelten Blätter von den Laubbäumen, die die Gehwege der Straßen säumten, zu Boden und Christians Fuß rutschte mehrfach ab. Viele Fahrradfahrer und Läufer nutzten die regenfreien Minuten. Als ein Uferstück der Binnenalster in Sicht kam, schöpfte Christian neue Kraft. Er schloss sich dem Heer der Läufer und Spaziergänger an, welches die Wasserscheibe zu jeder Tag- und Nachtzeit umkreiste. Er prüfte die Figur der Frauen in seinem Alter, solange es keiner auffälligen Verrenkungen bedurfte, und beschleunigte seinen Schritt, falls jemand ihn überholen wollte. In einer Dreiergruppe erspähte Christian einen Blondschopf mit Kinderwagen, der ihm bekannt vorkam. Er verlangsamte sein Tempo, um den Mann fixieren zu können. Es war Ole von Beust, der amtierende Bürgermeister, ein bekennender Schwuler, der lässig einen Kinderwagen schob und sich angeregt mit einem Mann mittleren Alters unterhielt. Scheint sich um die bescheiden hanseatische Art des Wahlkampfs zu handeln, dachte Christian. Plötzlich glitt seine Ferse auf einer Baumwurzel ab und er strauchelte. Mit einer gesprungenen Seitbewegung wich er dem Bürgermeister aus, streifte einen älteren Herrn und fand zurück in seinen Laufrythmus. Wieder zu Hause hämmerte er sich ein, spätestens um zehn Uhr ins Bett zu gehen und morgen den Urnengang zu absolvieren, bevor er Dani abholte. Gegen halb zwölf kroch er von der Fernsehcouch ins Schlafzimmer und erwachte nach tiefem Schlaf. Die Nachwirkungen der Sauftour mit Basti waren abgeklungen, um elf Uhr stand Christian hinter Kirchgängern und Senioren in der Schlange des Wahllokals. Je näher er den Wahlkabinen rückte und je mehr Wähler ihm mit verklärtem Gesichtsausdruck entgegen kamen, desto unruhiger wurde er. Die FDP und SPD schieden aus, über die Kandidaten der Grünen hatte er sich nicht informiert und von der CDU kannte er nur Ole von Beust, seit gestern persönlich. Für die Auswahl des passenden Handytarifs, der Suche nach dem perfekten Automodell oder die Urlaubsplanung nahm man sich viele Stunden Zeit. Über die zur Wahl stehenden Politiker informierte man sich selten länger als ein paar Minuten. Der ältere Herr mit Halbglatze reichte Christian seinen Wahlzettel und wies auf die linke der drei Wahlkabinen. Hinter der Sichtschutzwand klappte er das Papier auf und setzte sein Kreuz bei den Grünen. Christian faltete erleichtert den Wahlzettel zusammen und warf ihn in die an eine Mühltonne erinnernde Wahlurne. Auf dem Nachhauseweg gönnte er sich ein Schokocroissant vom Bäcker und freute sich auf den restlichen Tag mit Dani. Nachdem er sich ihre Reisegeschichte angehört haben würde, stünden die Chancen auf Sex am Nachmittag gut.

17. Mai 2010 Kommentare: 4

Wie ich zu meiner Milliardärsgattin kam…

Mein Cousin Tim war nach London gezogen, weil ihn das Kleinstadtleben in Paderborn gelangweilt hatte. Von der britischen Metropole versprach er sich Abwechslung und Glamour. Den Kick im Berufsverkehr, eingequetscht zwischen Wildfremden in der überfüllten U-Bahn. Das Überlebenstraining in dem WG-Zimmer, welches die Bezeichnung Loch verdiente. Die Jobsuche im umkämpften Arbeitsmarkt, bei der Tim aufgrund seiner schlechten Englischkenntnisse mit Heerscharen von Indern, Afghanen und einer Handvoll eingewanderter Franzosen konkurrierte. Im Ausland rotteten sich Landsleute oft zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Tim bewies Schläue und ging regelmäßig zu einem deutschen Stammtisch. Donnerstags um 20 Uhr fanden sich im Löwenbräu, einem Abklatsch des Hofbräuhauses, in dem jeden Abend Hunderte Maß Bier und andere bayerische Spezialitäten weggingen, Deutsche, die es nach London verschlagen hatte, ein. Zwei oder drei Stunden unterhielt sich der Yuppie mit deutschem Diplom und englischem Master mit dem Zivi im deutsch-englischen Kindergarten, die Praktikantin im Goethe-Institut mit meinem Cousin, dem Callboy der Herzen. Tim hatte Glück und bekam ihre Nummer saß eines Tages neben Andy, einem hemdsärmeligen Rheinländer Anfang Fünfzig, der seit zehn Jahren das Hostel Footprints betrieb und ständig Aushilfskräfte suchte. Ich möchte nicht verschweigen, dass Tim einige Wochen zuvor im Löwenbräu zur Probe gearbeitet hatte, was gründlich in die Hose gegangen war. Mehrere Liter verschüttetes Bier und ein knöchelhoher Scherbenhaufen sprachen für sich. Andy ahnte davon nichts und bot Tim an, sich eine Woche im Footprints zu beweisen. Tim griff nach diesem Strohhalm, strengte sich für seine Verhältnisse anscheinend an und wurde zu Andys Mädchen für alles. Tim blähte seine Verantwortung im Footprints in den Skype-Telefonaten mit seinen Eltern so sehr auf, dass sich die Lüge vom Erfolg in der Ferne mühelos aufrechterhalten ließ und meine Tante bei jeder Familienfeier schwärmte, wie gut sich Tim doch in London zurecht fände. Mit der Zeit verschwanden seine Gewissensbisse und er begann, Freunde und Verwandte in seine Wahlheimat einzuladen.

Nun hockte ich in der British Airways - Maschine nach London, mit den Knien an die Rückseite des Vordersitzes gepresst. Meine Vorfreude über die Reservierung eines Fensterplatzes und auf das Wiedersehen mit Tim wurde durch den Ausblick auf den Wolken verhangenen Himmel gedämpft. Meine Hand stieß vor und entwandte der Sitztasche vor mir das Fantasy-Taschenbuch, welches ich mir im Zeitschriftenladen am Düsseldorfer Flughafen gekauft hatte. Die Kotztüte und den Merkzettel zur Benutzung der Schwimmweste legte ich zurück. Beim Fliegen wurde mir nicht schlecht und die Wahrscheinlichkeit des Ertrinkens nach einem Flugabsturz war gleich null. Man starb für gewöhnlich schon in der Luft. Ich streckte meine Beine aus, da auf dem Mittelplatz ein Sitzgurt vereinsamte. Als vorletzter Passagier schritt eine große Frau mit schulterlangen blonden Haaren die Sitzreihen ab und stoppte auf Höhe der Reihe 23. Dort, wo ich mich gerade ausbreitete. Der Anzugträger links außen schnellte hoch und ich zog meine Beine ein. Die Frau hatte eine sehr gute Figur und musste vor zwanzig Jahren eine wahre Schönheit gewesen sein. Wir begrüßten uns kurz, dann blätterte ich den Anfang des Buches auf. Als ihr Sitzgurt einrastete, meldete sich unser Pilot im lupenreinen Oxford-Englisch zu Wort. Er berichtete von Regenschauern und Sturmböen, die London-Heathrow heimsuchten. Unser Abflug verzögere sich um mindestens eine Stunde. In einer Zeit, in der Vulkanaktivitäten noch nicht den ganzen europäischen Luftverkehr lahm legten, genügte eine so genannte Schlecht-Wetter-Front, um die eng gestrickten Flugpläne durcheinander zu wirbeln. In diesem Moment beging ich den Fehler des Tages und wer sich nicht für Monologe verrückter Menschen begeistern kann, sollte es mir nicht gleich tun. Wer sich den Glauben an das Gute im Menschen erhalten will, möge die folgenden Absätze überspringen.

Während der Pilot uns über die Wetterkapriolen informierte, kniff meine Sitznachbarin ihre Augen zusammen und schwenkte ihren Kopf hin und her. Ich deutete ihre Mimik als Hinweis auf ausbaufähige Sprachkenntnisse und fasste den Inhalt für sie in einfache deutsche Worte: Das Unwetter über Heathrow brocke uns mindestens eine einstündige Verspätung ein. Sie bedankte sich und begann zu erzählen: Ihre jüngere Tochter studiere seit einem Jahr BWL in London. Sie hätte sich zu einer so gut aussehenden und selbstbewusster Frau entwickelt. Bei den Anlagen der Mutter wurde ich hellhörig, vielleicht würde ich am Kofferband als der “sehr nette und verständnisvolle Herr Strauß” vorgestellt werden. Als Jugendliche habe die Tochter nämlich unter einem hormonellen Defekt gelitten. Ihre Eierstöcke hätten sich nicht richtig entwickelt gehabt. Sie sei schrecklich dick geworden und die Pubertät hatte nicht einsetzen wollen. Erst der zehnte konsultierte Arzt hatte die erlösende Diagnose gestellt. Wachsendes Entsetzen auf dem Fensterplatz 23F. Die Frau neben mir kannte zudem ein schwules Pärchen, die ein absolut angesagtes Restaurant in der Londoner City führten. Verspielte Einrichtung, experimentelle Küche und die High Society zu Gast. Ob nun unbedingt ein Mann mit einem Mann zusammenleben musste, da sei sie sich nicht sicher. Wenn ich nett Essen gehen wollte, sollte ich bei dem Laden anrufen und den Namen meiner Sitznachbarin nennen. Es sei allerdings etwas teurer. Geld spiele in ihrer Familie zum Glück keine Rolle. Ein Passagier in Reihe 23 passte wieder besser auf. Ihr Mann hatte damals von seinem Vater eine Fotokette geerbt, ausgebaut und an eine Supermarktkette verkauft. Die Fluglinie in Familienhand und die Skihalle Neuss wärfen Einiges ab. Sie persönlich stamme aus einfachen Verhältnissen und habe Glück gehabt ihn kennenzulernen. Leider hatte ihr Mann viel um die Ohren. Ein bisschen mehr Entspannung täte ihm gut, zwei Wochen Ski fahren pro Jahr reichten nicht. Sie persönlich liebte Yoga. Die Übungen waren gut für Körper und Geist, die Lehren klangen plausibel. Sie glaube zwar an eine höhere Kraft, die die Geschicke der Menschen lenke, mit Gott könne sie aber wenig anfangen. Ich hätte am liebsten “Herr, erbarme Dich mein!” geschrieen! Die Kraft der Sonne treibe doch alles an. Erde, Natur, Pflanzen auf dem Felde, Menschen in ihrem täglichen Tun und Tiere lasse sie auch nicht kalt. Ihr Hund, der mittlerweile sehr alt geworden sei und sein Hinterteil kaum noch bewegen konnte, blühte bei blauem Himmel und Sonnenschein auf. Tiere fühlten Dinge, die Menschen entgingen. Sie hätten eine Seele wie wir. Sie ernährten sich sogar gesünder. Unser Wasser aus Plastikflaschen sei verseucht. Feine Fäden lösten sich von der Flascheninnenseite ab und nisteten sich in unseren Mägen ein. Das Gemüse im Supermarkt strotzte vor Dünger- und Pflanzenschutzmittel-Resten. Vitamine suche man im Obst vergebens. Eigentlich könne man gar nichts mehr essen.

Jegliche Gegenwehr auf dem Fensterplatz 23F erlosch und ich ließ weitere 1 1/2 Stunden Schwachsinn, den ich mir nicht besser hätte ausdenken können, über mich ergehen. Wir kamen auf alle wesentlichen und unwesentlichen Themen, die Menschen jemals beschäftigt hatten, zu sprechen. Das heißt nein, sie erwähnte sie, versündigte sich Dutzende Male gegen den gesunden Menschenverstand und ich, das Opfer, hörte zu. Meine zwei Lehren aus dieser Tortur: Kein Wasser aus Plastikflaschen mehr trinken. Keine Fensterplätze mehr buchen und so barsch wie möglich im Flieger auftreten. Bis 30 die ersten Millionen scheffeln, um auch so eine tolle Frau an mich zu binden. Familiär begüterte Ehepartner bemitleiden, die jemand Attraktives aus einfachen Verhältnissen geheiratet haben. Und das Schlimmste Schönste am Kernteil dieser Geschichte ist, dass sie sich so zugetragen hat. Großes Schriftsteller-Ehrenwort.

4. Mai 2010 Kommentare: 6

Rien ne va plus, Monsieur S.

Der Frühling 2010 in Deutschland hielt Rückschläge für mich bereit. Wassermassen, die am Nachmittag vom jäh zugezogenen Himmel auf mich herabstürzten, während ich am Morgen über die kurze Hosen im unteren Fach meines Kleiderschranks gestrichen hatte. So nass war ich mit Klamotten seit Jahren nicht geworden. Schwimmbäder betrat ich nicht. Oder Hochzeitseinladungen, die Solisten wir mir besondere Freude bereiteten. Geld für ein Geschenk ausgeben, sich launige Zeilen für das Paar abringen und verzweifelt eine gescheite Karte suchen, um zur Belohnung einen halben Tag lang dreißig Pärchen Gleichaltriger und Angehöriger der Eltern- und Großelterngeneration beim Schmausen und Tanzen zuzusehen. Versauern am “Kuppeltisch” (Verhältnis Männer:Frauen 7:1; sie ‘ne “ganz Liebe” Typ Wuchtbrumme) wie die Auslegeware im Gemüseregal. Jeder guckt und fasst Dich an, aber keiner nimmt Dich mit nach Haus. Oder dieser unselige Lyrikwettbewerb, bei dem ich unbedingt teilnehmen wollte. Frische Reime zum Schlagwort Tagträume. Nach zwei Zeilen war mein Elan verpufft und das Reim-Fließband stockte. Im SPIEGEL war Ende April seitenlang über die Bedeutung des Titels für den Erfolg eines Buches fabuliert worden. Die Argumentation war nicht von der Hand zu weisen, doch entschieden nicht die ersten Zeilen, der erste Absatz über die Lesertreue bis zum bitteren Schluss? Oder das Autorenfoto im Klappentext? Der verklärte Blick mit leichtem Schmollmund half, bei Sachbüchern war eine Brille Pflicht. Frauen mit gebändigten Mähnen und Männer mit geföhnten Kämmen verkauften mehr. Von der Publikationsreife war ich weit entfernt, der Endreim in der zweiten Zeile hakte.

af-reim

“Nie” reimte sich nicht sauber auf “-sie”. Gerade wollte ich mit einer Zeile auf “Knie” fortfahren, als das Telefon klingelte. Mails und Telefonanrufe betrachtete ich als meine persönlichen Sargnägel. Beim fünften Klingeln hob ich den Hörer ab.
“Vogelhaus-Manufaktur Strauß, mein Name ist Rico Müller, guten Tag!”
“Äh, hier ist Basti, Basti Mayer. Habe ich mich verwählt oder bist Du das, Sonning?”
“Tut mir leid, sie sind mit dem Büro der V-M Strauß verbunden. Einen Herrn Sonning haben wir hier nicht.”
“Oh, da muss ich mich verwählt haben. Dann noch einen schö-”
“Halt Basti, war ein Scherz. Natürlich bin ich am Apparat.”
“Äh, sehr witzig, fast wäre ich drauf ‘reingefallen…”
“Also bei unserem Modell für die ganze Rotkehlchen-Familie fiele kein Vogelkot von der Stange in das Futtergefäß. Spaß beiseite. Basti, alte Hütte, schön, dass Du anrufst. Was macht das Studium?”
“Läuft gut. Ich hätte allerdings eine andere Frage an Dich.”
“Die beantworte ich Dir gerne gleich. Aber vorher lass mich Dich ein wenig teilhaben an den Sinnesfreuden des Campus’. Kommen Deine Augen und Ohren auf ihre Kosten?”
“Ich bin nicht mehr an der Uni.”
“Och Mensch, warum das denn? Gerade im Sommer wird es doch erst richtig interessant, wenn Du verstehst, was ich meine.”
“Es gab da diesen Vorfall mit meinem Französischdozenten. Bei mir war es lange her und ich hatte Nachholbedarf bezüglich meiner Sprachkenntnisse. Die ersten Wochen musste ich wirklich kämpfen und irgendwelche halben Kinder, frisch aus der Schule an die Uni gestolpert, haben sich über mich lustig gemacht. Meine Aussprache - une catastrophe, meine Grammatik - merde! Wenn dazu ein Raum voller Mädels gackert, dann liegen die Nerven blank.”
“Kann ich mir vorstellen…”
“Auf jeden Fall habe ich den Dozenten gefragt, ob es eine Art Intensivkurs für Wiedereinsteiger gibt. Er war sehr hilfsbereit und bot mir an, sich nachmittags mit mir zu treffen. Er wohne in der Nähe der Uni und sei dieses Semester nicht ausgelastet. Ich war erleichtert und habe mir nichts dabei gedacht. Mein Herz pochte, als ich am nächsten Tag an der Tür des Wohnhauses klingelte. Ich stapfte hinauf in den vierten Stock, die Tür stand offen. Er begrüßte mich mit einer schnellen Umarmung und führte mich zum Wohnzimmertisch. Die Wohnung war sehr gediegen, Altbau, hohe Decken und alte Möbel. Den deutsch-französischen Smalltalk überstand ich irgendwie, dann zeigte er mir die Aufgaben des heutigen Tages. Ich machte mich an die Arbeit und kam gut voran. Er stand immer wieder auf, ging im Raum umher oder stellte sich hinter mich. Nur das Kratzen meines Kugelschreibers auf dem Papier und sein schweres Atmen füllte den Raum. Plötzlich legte er mir seine Hände auf die Schultern und begann mich zu massieren. Es war sehr angenehm. Ich sprang auf, drehte mich um und schüttelte seine Flossen ab. Entgeistert sah er mich an. Murmelte etwas von einem Missverständnis. Ich raffte meine Sachen und schlug die Tür hinter mir zu. Bei der Prüfung bin ich dann durchgefallen.”
“Wie damals unser Sportlehrer. Wie hieß er gleich noch einmal?”
“Weiß ich nicht mehr, wen meinst Du?”
“Egal. Hat man nicht jedes Mal zwei Versuche, um eine Prüfung zu bestehen?”
“Schon. Im zweiten Semester bot er denselben Kurs an, keine zehn Pferde kriegten mich wieder dahin. Und eine Madame Matiné offerierte die Alternativverantaltung. In ihrem Kurs versuchte ich mein Glück. Es haute nicht hin, dann hab ich’s sein gelassen.”
“Verstehe, Basti. Die französische Grammatik ist nicht ohne. In anderen Sprachfamilien findet man sich schwer zu recht.”
“Kann sein. Wenn es nur daran gescheitert wäre.”
“Hm, ‘raus mit der Sprache, gab es doch einen furioseren Abgang von Dir?”
“Naja, ich komme in den Kursraum, sage Salut! zu den Kiddies und plötzlich tritt meine Traumfrau ein. Lange dunkle Haare, super Figur, perfektes Gesicht. Wie Selbstverständlich schwebt sie zur Tafel und eröffnet den Kurs. Weder konnte ich mich an ihr satt sehen noch hören. Ich habe zu Hause gebüffelt als ob es um mein Leben gegangen wäre. Die Erfolge waren da, ich wurde besser und sie lobte mich. Gegen Ende des Semester hielt ich es nicht mehr aus. Ich verabredete mich mit ihr unter einem Vorwand und gestand ihr meine Liebe in einem Café. Um es kurz zu machen: Sie teilte meine Gefühle nicht. Aus Scham konnte ich danach den Campus nicht mehr betreten.”
“Äh ja. Klingt übel. Tut mir leid - sie war es einfach nicht wert! Welche Frage wolltest Du mir eigentlich stellen?”
“Genau, ich falle zwar mit der Tür ins Haus, aber könntest Du mir Geld leihen? Das Studium hat viel Geld gekostet und ich bin momentan knapp bei Kasse. So bald ich wieder verdiene, bekämest Du es zurück.”
“Hm, schwierig, so dicke habe ich es auch nicht. Ich dachte, dass Studentenleben sei erschwinglich? Hast Du etwa über Deine Verhältnisse gelebt, Du alter Achtelgrieche?”
“Bitte lass das aus dem Spiel. Ich habe Euch damals in der Schule im Rahmen meines Projektwochenbeitrags nicht meinen Stammbaum gezeigt, um bei allen erdenklichen Gelegenheiten unter die Nase gerieben zu bekommen, warum ich zu mir geworden bin. Ja, meine Urgroßmutter mütterlicherseits war Griechin. Ja, ein anderer Urgroßvater war Italiener und zeugte meine Oma mit dem Dienstmädchen. Nein, trotz ihres NS-Funktionärsstatus’ waren die anderen Mitläufer. Willst Du mir jetzt helfen oder nicht?”
“Von welchem Betrag sprechen wir?”
“1.000 Euro wären sehr gut.”
“Bist Du schon bei der Bank gewesen? Mit Deinem Hintergrund sollte es ein Leichtes sein, einen kleinen Konsumentenkredit aufzunehmen.”
“Ja, war ich. Nur weil ich irgendwo zwischen Studentenstatus und Erwerbslosigkeit hänge und den Dispo ausgereizt habe, will man mir nicht einmal ein neues Girokonto genehmigen.”
“Vielleicht solltest Du Dir schnell einen Job suchen.”
“Danke für den Hinweis. Hilfst Du mir jetzt oder nicht?”
Bei aller EU-Freundschaft Tut mir leid, soviel Geld habe ich nicht auf der hohen Kante. Ich muss jetzt zu meinem Yoga-Kurs. Ich drücke Dir die Daumen für die Job- und Geldgeber-Suche. Mach’s gut.”
Das abrupte Ende (einer Freundschaft?).