Draußen beglückt uns der Winter. Meine Heizung ist kaputt. Die Temperatur in meinem Bad nähert sich dem Gefrierpunkt. Dort, wo mein erkaltetes Herz schon seit langem angekommen ist. Ein Grund, Leserinnen und Leser mit Tristesse zu erfreuen…
In der Schule trug ich den peinlichsten Ranzen,
an der Uni war ich Profi im hinter Büchern verschanzen
und in den Club gehe ich aus Freude am Tanzen.
Ehe ich Dich finde, lernen Steine sich fortzupflanzen.
Wenn ich nachts aufwache und mich kratze,
erhellt Mondlicht das Vakuum auf meiner Matratze.
Eine flüchtige Stunde fremder Wärme reichte den Gliedern.
Morgens im Bad verzichte ich auf Katzenwäsche und Rasur,
wenn schon Single, dann bitte Natur pur,
soll es andere ruhig ekeln oder anwidern.
In der Bahn studiere ich Dekolletés und weibliche Haut,
treibe es in Gedanken mit der Brünetten vor mir, ziemlich heftig und laut.
Im Büro flirtete ich mit meiner süßen Kollegin,
wähnte uns an der großen Liebe Beginn.
Erst mit Blumen und Komplimenten verrannt,
dann erkannt, der Platz an ihrer Seite war doch nicht vakant.
Urlaub verheimliche ich aus Angst vor inquisitorischem Nachfragen,
im Notfall kommen meine Eltern als Begleiter zum Tragen.
Eins sei klargestellt: Alleine Zelten am Plöner See macht echt Spaß!
Für den Ein-Mann-Fernsehabend ordentlich rausputzen
und an den spannendsten Stellen ungestört die eigenen Nägel stutzen.
Abends, wenn ihr Süßholz raspelt, kuschelt oder Sex habt,
rede ich mit meinem Meerschweinchen, streichele es oder mich,
wenn ihr herumalbert, etwas unternehmt, Euch an der Zweisamkeit labt,
schreibe ich ein blödes Gedicht oder lerne die Fugen der Wand auswendig.
Sonntags belausche ich meine Nachbarn beim fröhlichen Dinieren,
beobachte Pärchen beim durch Küsse unterbrochenen Spazieren
und darf als Krönung des Abends mit Mama telefonieren.
Ich habe wirklich alles versucht,
bis auf Import aus Thailand, ist mir zu verrucht.
Im Single-Tanzkurs traf ich die dicke Doris aus meiner Firma,
war ja klar, solch Mist passiert nur mir und eigentlich immer.
Vor kurzem hatte ich ein Internet-Date,
sie erschien mir auf dem Foto dünner, but it was too late.
Unser Gespräch hakte bis sie mir sagte:
„Du hast ziemlich wenig Haare auf dem Kopf“,
„Mehr Oberweite könnte Dir auch nicht schaden“, parierte ich Tropf.
Sie schwieg, schrie, weinte und ging,
ganz klar fehlende Wellenlänge, hysterische Frauen sind nicht mein Ding.
Nun haben wir doch etwas gemeinsam, wir sind beide wieder einsam.
Eine andere z.B. war schön, schlau und hörte auf den frischen Name Janne,
musste leider weg, das Auto ihrer Freundin gestrandet mit ‘ner Panne.
„Ich rufe Dich an“, hauchte sie mir zu zwischen Teetasse und –kanne.
Drei Tage aß, schlief und schiss ich mit der Hand am Telefon,
dreckige Klamotten und wenig Schlaf waren mein Lohn.
Sie meldete sich nicht, aber das wisst ihr schon?!
Die Betreiber der Datingseiten bieten mir Geld, damit ich fernbleibe,
und mit Engel-Stern-Augen-Vergleichen nicht die letzten Frauen vertreibe.
In der Obst- und Gemüseabteilung gehöre ich zum Inventar,
aber irgendwie kaufst Du immer woanders ein als bei meinem Spar,
einmal hat man mir Almosen in Form von Kohlköpfen und Möhren gegeben,
zu Hause kochte und fraß ich alles auf als ging‘s um mein Leben.
Mir wurde schlecht – ab ins Krankenhaus, Verdacht auf Gemüsevergiftung,
nach meinem Tod erbte kein Kind, sondern eine zu gründende Stiftung.
Untergebracht im 8er Zimmer, natürlich als einzige Belegung,
Maschinen und Schwestern kontrollierten jede Regung,
sie heilten mich per zärtlicher Magenspiegelung,
nur mein hungriges Herz blieb ohne Verpflegung.
Meine Fernbeziehung heißt Susi, sobald wir uns sehen, fallen wir übereinander her,
sie hat vier Beine sowie ein wuscheliges Fell und fehlt mir sehr.
Das letzte Mal Händchen gehalten habe ich mit der Betreuerin der Schlittschuhbahn,
sie rief „lass los und fang‘ endlich an, ohne meine Hilfe zu fahr‘n!“.
Öffentliches Knutschen mit meinem Rad hat mir böse Blicke eingebracht,
seit einem One-Day-Ride mit einem Citybike sind wir jetzt verkracht.
Zum Ausgehen hülle ich mich in heit‘res Schwarz,
im Knauf meines schicken Zierdolchs stecken Onyx und Quarz.
Hochzeiten und Doppel-Geburtstage (sie 28, er 33) scheinen mein Los,
mime an Junggesellentisch oder Essenstafel den tragischen Trauerkloß,
ein toller Handel: Stiche ins Herz im Tausch gegen ‘ne Menge Moos.
Beim Pärchen-Abend mime ich das glückliche Reserverad,
rätsele fünf Stunden, worüber reden die gerad‘?
Auf Partys versauere ich als DJ ohne Tänzer oder spiele Skat,
trinke zu viel und übergebe mich auf dem Salat,
das Singleleben schmeckt entweder bitter nach Galle oder fad.
Zu Hause heißt‘s Sieger im Spiel fünf gegen Willi bleiben,
sprich sich selbst zum Höhepunkt zu reiben,
ist ungefähr so toll wie Kamasutra für einen.
Ein geistreicher Mensch hat in gänzlicher Einsamkeit,
an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung.
von Arthur Schopenhauer
@ Inga
Wohl wahr, aber manchmal sehnte ich mich auch an die Gedanken und Phantasien der trauten Zweisamkeit. ;)
Die dicke Doris…
In solchen Phasen ist halt eine gewisse Selbstdistanz gefragt, wenn schon der Rest der Welt Distanz hält. ;-)
@ TRS
Mehr Distanz als mich geht doch kaum.