geht’s nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
Lässt Politiker den Paniktango tanzen,
verhagelst der Wirtschaft Bilanzen.
Viel schlimmer: Meine privaten Finanzen
ächzen unter Deinen Kapriolen,
würd’ gerne den Banker-Hintern versohlen,
dem ich mein Zertifikat verdanke.
Zero loss mit doppelter Schranke.
Deinetwegen machen wir alle Miese(n).
Ginge es nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
In Europa rücken Nord und Süd zusammen,
wann können wir mit den Transfers anfangen?
Wie wär’s mit soliden, selbst gerateten Eurobonds
als Überlebenshilfe für schwächelnde Hedge-Fonds?
Deutschland exportiert sich zu Tode.
Konsum bleibt das Allheilmittel, ist kommode.
Konjunkturprognosen, gefährdete Arbeitsplätze
treiben uns um wie die schlimmste Krätze.
In Afrika ist gerade Einiges los.
Ich blättere auf meinem iPad durch Fotos.
Der letzte Urlaub war vielleicht famos!
“Alle werden reich” lautete Deine Devise,
ging’s nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
Du hast immaterielle Billionenwerte vernichtet,
dass sie nie existierten, wird nicht berichtet.
Amerika, das einst gelobte Land,
versorgt die Weltfinanzmärkte mit Tand:
Glasperlen in Form von Tripple-A-Derivaten,
hochqualitativen Spekulationsfabrikaten.
Rendite ist der faulige Jahrtausend-Rum.
Alle sind berauscht, niemand kommt um.
Drum: Es ist gerade so schön ungemütlich mit Dir, liebe Krise. Willst Du nicht zum Abendbrot bleiben?
Dein Jungpoet