Ich bin überarbeitet, sollte ‘mal ‘raus
hinaus zu fernen Orten in der Welt,
normalerweise bleibe ich zu Haus,
keine Sorge, es liegt nicht am Geld.
Skandinavien ist schön, ohne Frage,
da verbringt man ungestörte Tage,
doch als Kind wurde ich dorthin verschleppt,
jedes Jahr von meinen Eltern gekidnappt,
drei Wochen Langeweile,
entspannen, ausruhen, bloß keine Eile.
Ich war jung, wollte ‘was erleben,
das hat ein Dänemark-Trauma ergeben.
Frankreich, Sehnsuchtsland für viele,
weckt in mir keine großen Gefühle,
verstehe die Sprache nicht,
habe kein französisches Lieblingsgericht.
Ja, ich weiß, wir Nachbarn sind Treiber der Integration,
auf dem Weg zu einer europäischen Nation.
Aber das sollen die Politiker machen,
ich will in den Urlaub und über sie lachen.
Mein Fazit zur Cote d’Azur,
da bin ich eher gegen als für.
In Italien war ich auf Klassenfahrt,
wem blieb das erspart?
Pizza esse ich jede Woche,
falls ich nicht gerade Penne koche.
Italiener haben Stil und gute Laune,
dunkle Haare und ‘ne zu beneidende Bräune.
“Ich kenne dort alles”, kommt mir in den Sinn,
da fahre ich nicht in den Urlaub hin.
Spanien oder Portugal,
ist eigentlich egal.
Für mich klingen beide Sprachen ähnlich,
Bettenburgen am Strand finde ich dämlich.
Mallorcas schöne Seiten sollen andere entdecken,
an den Stränden der Algarve kann man sich auch nicht ausstrecken.
Nee, nee, Südeuropa ist nicht meine Sache
und in Griechenland steht jetzt der Pleitegeier Wache.
Die Lage im Nahen Osten und auf dem Balkan,
erscheint mir als Zeitungsleser zu verfahr’n.
Außerdem habe ich alles von Karl May gelesen,
bin überzeugt, so ist es gewesen.
Osteuropa, hm, wie wäre es mit Polen?
Wurde mir von einem Freund empfohlen,
doch dann hat man meinen Prospekt gestohlen.
Bulgarien, Rumänien, Tschechien, keine Ahnung,
Urlaub heißt für mich gute Planung.
Ich kapituliere aus Unwissenheit,
tut mir für all die tollen Reiseziele leid.
Benelux, Du bist eine Krux,
Holländer locken mit Kiffen im Wohnwagen,
Belgier mit traumhaften Schokoladen,
Luxemburg will sich nur mit reichen Säcken abplagen.
Ich verzichte, um mein Gewissen nicht zu beladen.
Russland ist teilweise zu gefährlich und wild,
da werden Schreiberlinge wie ich noch gekillt.
Die Türkei hat Probleme mit sich und anderen Staaten,
muss deswegen auf meine Reisebuchung warten,
futtere stattdessen extra scharfe Döner für die ganz Harten.
Die USA oder Südamerika sind mir zu weit weg,
bewege mich zu Hause auch kaum vom Fleck.
Afrika und der mittlere Osten sind unsicheres Terrain,
ich bin ängstlich und fürchte mich nicht gern.
Asien beunruhigt und fasziniert mich zugleich,
mit himmelschreienden Gegensätzen zwischen arm und reich.
Jahrtausende alte Kulturen,
fremde Religionen und ihre Spuren.
Ach lieber nicht, nachher werde ich Opfer von Industriespionage
oder ende als lüsterner Greis in einer Thai-Oase.
Also geht’s jedes Jahr an die Ostsee,
im Auto erfreuen mich Rapsfelder und ein vorbei hüpfendes Reh,
am Strand schneidet mir eine Miesmuschel in den großen Zeh,
im Wasser brennt die Wunde wie Feuer und tut höllisch weh,
bin abends froh, wenn ich lebend das Hotelzimmer seh‘,
Wieder im Büro lobe ich meine Ferienreise über den Klee.
2011 erspare ich mir die Aufregung
und brutzele in Balkonien bei guter Verpflegung.
Jaja, die Klassenfahrten nach Italien, mit dem Zug über die Alpen nach Venedig und Florenz… da werden Erinnerungen wach ;-)
@ Inga
Und nach der Ankunft erst einmal spucken - herrlich!