25. August 2011 Kommentare: 0
Triologie der Triebe dritter Teil: Geld
Ihr mittellosen Menschen
mit bescheidenen Wünschen
seid mir zuwider.
Ohne glitzerndes Gefieder
wird das Leben schal.
Konsum befriedigt banal.
Nicht jeder kann reich sein.
Die Eintrittskarte meines Vereins
ist auf keinem Markt erhältlich,
angeboren oder erschlichen, unentgeltlich.
Mein Banker gehorcht mir aufs Wort.
Steuern hinterziehen lautet mein Sport.
Ich horte Goldbarren und Aktien,
habe der Telekom verzieh’n.
Mein pralles Konto
bringt mich zum Grübeln,
gewährt mir Skonto,
wer könnt’s mir verübeln,
bei Händlern und Frauen.
Ich verlange exzellenten Service, pronto!
Übernehme lieber statt aufzubauen.
Ich bin eine gute Partie,
meine Kreditkarte schwächelt nie.
Ich habe eine Allergie
gegen finanzielle Bruchpiloten,
Loser und Steuern zahlende Idioten.
Ihr gehört gesetzlich verboten.
Altersvorsorge ist was für Angestellte,
buckelnde Verprellte,
mit Kleinbürger-Illusionen.
Ich selbst bin Millionär,
zähle die Nullen nicht mehr,
investierte Zeit muss sich lohnen.
Beim Einstieg ins Familienunternehmen
überließ ich den langen unbequemen
Weg denen, die eine Lektion brauchten,
mich tadelten oder anfauchten.
Im Job war ich top,
besprang hophop den Vorzimmer-Flop.
Ich bin ein Jetset-Dandy und nicht gaga.
Mir genügte ein Anruf bei Papa:
“Sie soll fortan zu Hause stöhnen,
sich rasch an Hartz VI gewöhnen!”
Mammon, Moos, Taler, Moneten,
Asche, Kohle, Heu, Riesen,
Money, Zaster, Bares, Penunsen,
Mäuse, Haie, Pulver, Euro-Unzen,
Öcken, Kies, Schotter, Devisen,
Cash, Tacken, Groschen, Kröten.
Ich kenne 23 Worte für Geld,
den einzigen Wert, der zählt in der Welt.