Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

25. August 2011 Kommentare: 0

Triologie der Triebe dritter Teil: Geld

Ihr mittellosen Menschen
mit bescheidenen Wünschen
seid mir zuwider.
Ohne glitzerndes Gefieder
wird das Leben schal.
Konsum befriedigt banal.
Nicht jeder kann reich sein.
Die Eintrittskarte meines Vereins
ist auf keinem Markt erhältlich,
angeboren oder erschlichen, unentgeltlich.

Mein Banker gehorcht mir aufs Wort.
Steuern hinterziehen lautet mein Sport.
Ich horte Goldbarren und Aktien,
habe der Telekom verzieh’n.
Mein pralles Konto
bringt mich zum Grübeln,
gewährt mir Skonto,
wer könnt’s mir verübeln,
bei Händlern und Frauen.
Ich verlange exzellenten Service, pronto!
Übernehme lieber statt aufzubauen.

Ich bin eine gute Partie,
meine Kreditkarte schwächelt nie.
Ich habe eine Allergie
gegen finanzielle Bruchpiloten,
Loser und Steuern zahlende Idioten.
Ihr gehört gesetzlich verboten.
Altersvorsorge ist was für Angestellte,
buckelnde Verprellte,
mit Kleinbürger-Illusionen.
Ich selbst bin Millionär,
zähle die Nullen nicht mehr,
investierte Zeit muss sich lohnen.

Beim Einstieg ins Familienunternehmen
überließ ich den langen unbequemen
Weg denen, die eine Lektion brauchten,
mich tadelten oder anfauchten.
Im Job war ich top,
besprang hophop den Vorzimmer-Flop.
Ich bin ein Jetset-Dandy und nicht gaga.
Mir genügte ein Anruf bei Papa:
“Sie soll fortan zu Hause stöhnen,
sich rasch an Hartz VI gewöhnen!”

Mammon, Moos, Taler, Moneten,
Asche, Kohle, Heu, Riesen,
Money, Zaster, Bares, Penunsen,
Mäuse, Haie, Pulver, Euro-Unzen,
Öcken, Kies, Schotter, Devisen,
Cash, Tacken, Groschen, Kröten.
Ich kenne 23 Worte für Geld,
den einzigen Wert, der zählt in der Welt.

19. August 2011 Kommentare: 0

Liebe Krise,…

geht’s nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
Lässt Politiker den Paniktango tanzen,
verhagelst der Wirtschaft Bilanzen.
Viel schlimmer: Meine privaten Finanzen
ächzen unter Deinen Kapriolen,
würd’ gerne den Banker-Hintern versohlen,
dem ich mein Zertifikat verdanke.
Zero loss mit doppelter Schranke.
Deinetwegen machen wir alle Miese(n).
Ginge es nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
In Europa rücken Nord und Süd zusammen,
wann können wir mit den Transfers anfangen?
Wie wär’s mit soliden, selbst gerateten Eurobonds
als Überlebenshilfe für schwächelnde Hedge-Fonds?
Deutschland exportiert sich zu Tode.
Konsum bleibt das Allheilmittel, ist kommode.
Konjunkturprognosen, gefährdete Arbeitsplätze
treiben uns um wie die schlimmste Krätze.
In Afrika ist gerade Einiges los.
Ich blättere auf meinem iPad durch Fotos.
Der letzte Urlaub war vielleicht famos!
“Alle werden reich” lautete Deine Devise,
ging’s nicht etwas zurückhaltender, Du fiese?
Du hast immaterielle Billionenwerte vernichtet,
dass sie nie existierten, wird nicht berichtet.
Amerika, das einst gelobte Land,
versorgt die Weltfinanzmärkte mit Tand:
Glasperlen in Form von Tripple-A-Derivaten,
hochqualitativen Spekulationsfabrikaten.
Rendite ist der faulige Jahrtausend-Rum.
Alle sind berauscht, niemand kommt um.

Drum: Es ist gerade so schön ungemütlich mit Dir, liebe Krise. Willst Du nicht zum Abendbrot bleiben?

Dein Jungpoet

8. August 2011 Kommentare: 2

Hörprobe: Emanzipation

Link: Sonning Strauß liest “Emanzipation”.

27. Juli 2011 Kommentare: 2

Hörprobe: Nachgedacht

Link: Sonning Strauß liest “Nachgedacht”.

19. Juli 2011 Kommentare: 2

Verreisen

Ich bin überarbeitet, sollte ‘mal ‘raus
hinaus zu fernen Orten in der Welt,
normalerweise bleibe ich zu Haus,
keine Sorge, es liegt nicht am Geld.

Skandinavien ist schön, ohne Frage,
da verbringt man ungestörte Tage,
doch als Kind wurde ich dorthin verschleppt,
jedes Jahr von meinen Eltern gekidnappt,
drei Wochen Langeweile,
entspannen, ausruhen, bloß keine Eile.
Ich war jung, wollte ‘was erleben,
das hat ein Dänemark-Trauma ergeben.

Frankreich, Sehnsuchtsland für viele,
weckt in mir keine großen Gefühle,
verstehe die Sprache nicht,
habe kein französisches Lieblingsgericht.
Ja, ich weiß, wir Nachbarn sind Treiber der Integration,
auf dem Weg zu einer europäischen Nation.
Aber das sollen die Politiker machen,
ich will in den Urlaub und über sie lachen.
Mein Fazit zur Cote d’Azur,
da bin ich eher gegen als für.

In Italien war ich auf Klassenfahrt,
wem blieb das erspart?
Pizza esse ich jede Woche,
falls ich nicht gerade Penne koche.
Italiener haben Stil und gute Laune,
dunkle Haare und ‘ne zu beneidende Bräune.
“Ich kenne dort alles”, kommt mir in den Sinn,
da fahre ich nicht in den Urlaub hin.

Spanien oder Portugal,
ist eigentlich egal.
Für mich klingen beide Sprachen ähnlich,
Bettenburgen am Strand finde ich dämlich.
Mallorcas schöne Seiten sollen andere entdecken,
an den Stränden der Algarve kann man sich auch nicht ausstrecken.
Nee, nee, Südeuropa ist nicht meine Sache
und in Griechenland steht jetzt der Pleitegeier Wache.

Die Lage im Nahen Osten und auf dem Balkan,
erscheint mir als Zeitungsleser zu verfahr’n.
Außerdem habe ich alles von Karl May gelesen,
bin überzeugt, so ist es gewesen.

Osteuropa, hm, wie wäre es mit Polen?
Wurde mir von einem Freund empfohlen,
doch dann hat man meinen Prospekt gestohlen.
Bulgarien, Rumänien, Tschechien, keine Ahnung,
Urlaub heißt für mich gute Planung.
Ich kapituliere aus Unwissenheit,
tut mir für all die tollen Reiseziele leid.

Benelux, Du bist eine Krux,
Holländer locken mit Kiffen im Wohnwagen,
Belgier mit traumhaften Schokoladen,
Luxemburg will sich nur mit reichen Säcken abplagen.
Ich verzichte, um mein Gewissen nicht zu beladen.

Russland ist teilweise zu gefährlich und wild,
da werden Schreiberlinge wie ich noch gekillt.

Die Türkei hat Probleme mit sich und anderen Staaten,
muss deswegen auf meine Reisebuchung warten,
futtere stattdessen extra scharfe Döner für die ganz Harten.

Die USA oder Südamerika sind mir zu weit weg,
bewege mich zu Hause auch kaum vom Fleck.

Afrika und der mittlere Osten sind unsicheres Terrain,
ich bin ängstlich und fürchte mich nicht gern.

Asien beunruhigt und fasziniert mich zugleich,
mit himmelschreienden Gegensätzen zwischen arm und reich.
Jahrtausende alte Kulturen,
fremde Religionen und ihre Spuren.
Ach lieber nicht, nachher werde ich Opfer von Industriespionage
oder ende als lüsterner Greis in einer Thai-Oase.

Also geht’s jedes Jahr an die Ostsee,
im Auto erfreuen mich Rapsfelder und ein vorbei hüpfendes Reh,
am Strand schneidet mir eine Miesmuschel in den großen Zeh,
im Wasser brennt die Wunde wie Feuer und tut höllisch weh,
bin abends froh, wenn ich lebend das Hotelzimmer seh‘,
Wieder im Büro lobe ich meine Ferienreise über den Klee.

2011 erspare ich mir die Aufregung
und brutzele in Balkonien bei guter Verpflegung.

14. Juli 2011 Kommentare: 0

Triologie der Triebe zweiter Teil: Fleisch

Heute gab’s Chili con carne…

Ich liebe totes Fleisch,
am liebsten blutig und heiß.
Egal, ob knusprig oder weich,
meine Ernährung ist eiweißreich.
Die Tageszeit ist mir gleich,
morgens, mittags und abends gibt’s Fleisch.
Ich bin ein eingesperrtes Tier
und stille meine Gier
mit speckigem Steak bei billigem Bier.
Ich will kräftig zubeißen,
mundgroße Brocken rausreißen
und später genüsslich scheißen.
Ich möchte ja nicht prahlen,
doch meine Kiefer zermahlen
alles vom Knorpel bis Knochen,
zartem Kalb bis zähem Rochen.
Ich schlinge alles herunter,
vergesse dabei mitunter
Hunger, Anstand und Manieren.
Mit Fleisch im Mund kann man sich nicht blamieren.
Ob Hähnchen, Schwein oder Rind,
Alttier oder dreimonatiges Kind,
was interessiert mich Euer Leben?
Was zählt ist mein Streben
nach umfassender Sättigung.
Futtern zur Selbstbestätigung.
Ich bin ein leidenschaftlicher Jäger
und kein Hobby-Tierpfleger.
Wenn ich nicht die Truhe leer fege,
erlege ich meine Beute an der Theke.
An frostigen Tagen
wärmt mich mein Pelzkragen.
Ich trage gerne Leder,
wo’s herkommt, weiß doch jeder.
Bin weder postmoderner Salatblatt-Vermesser
noch gedanklicher Weltverbesserer,
sondern ein archaischer Fleischfresser.

Als höchster aller Säuger,
bezwang ich meine Verfolger,
errang die Krone der Schöpfung,
besiegte die Evolution,
wurde Meister der Schröpfung.
Die Spitze der Nahrungspyramide ist mein Thron.
Ich werde immer fetter,
hüte die Couch bei jedem Wetter.
Lebe in Saus und Braus,
wenn ich so weiter fresse,
stirbt noch die Milchkuh aus.
Man sagt „Liebe geht durch den Magen“,
da kann die Vernunft schon ‘mal versagen.

Mama, ich will Fleisch!

23. Mai 2011 Kommentare: 0

Halloween-Androhung

Letztes Jahr begab es sich, dass ich auf einer privaten Halloweenparty launige Gruselgeschichten las. Dieses Jahr wird das verbale Massaker von langer Hand geplant und dann eiskalt ausgeführt werden. Die blutrünstige Jenny und meine nicht minder morbide Wenigkeit werden an unserem ganz privaten Schauerabend am Montag, den 31. Oktober 2011, Angst und Schrecken verbreiten. Tieropfer, Flüche, Hexentänze, Sukkubusküsse, Massenmord, Geisterrituale, Vampire, Zombies, Werwölfe und ein unscheinbares Pony dienen uns als Stichworte.

Wir suchen noch hübsche Jungfrauen und willige Jünglinge als OpferMitwirkende und Zuhörer. Wo, wann und wie geben wir zur rechten Zeit bekannt. Bitte vormerken!

19. Februar 2011 Kommentare: 4

Nach dem Slam ist vor dem Slam: Meine nächsten Auftritte

In der Rubrik “Auftritte” finden sich jetzt die weiteren Termine des Slams Deluxe im Stageclub, den ich mindestens bis Ende 2011 moderieren werde. Ich beschränke mich nicht auf die Moderation, sondern dehne meine Redezeit deutlich durch das Vortragen eigener Texte aus. Es besteht also die Chance, mich in der Doppelrolle Künstler/Moderator zu erleben. Auf zwei der Veranstaltungen möchte ich besonders hinweisen:

Der nächste Slam Deluxe findet am 21. April statt, also mitten im beginnenden Frühling - für reichlich Frische auf der Bühne dürfte gesorgt sein und wie ich die Dichterinnen und Dichter kenne, werden die Frühlingsgefühle ebenfalls bedient werden…

Als Höhepunkt des Jahres wirft der Slam Deluxe “Erotik spezial” am 23. Juni bereits seinen Schatten voraus. Normalerweise sind die Dichterinnen leider in der Unterzahl, doch bei diesem Thema drängen sich die Damen scharenweise auf die Bühne und im Publikum ist das schöne Geschlecht ebenfalls in der Mehrzahl. Von Romantik über Fetisch bis hartem Sex wurde letztes Jahr alles in den Texten abgearbeitet. Der Saal tobte und die Zuschauer haben Tränen gelacht. Diesen an- und aufregenden Abend sollte sich niemand entgehen lassen…

Bitte nicht vergessen, die beiden Termine im Kalender grün oder rot anzustreichen!

14. Januar 2011 Kommentare: 6

Dichter und Geschichtenerzähler aus Hamburg und Umgebung gesucht!

Ich möchte einen freundlich-bestimmten Aufruf an alle Menschen richten, die im stillen Kämmerlein an Gedichten feilen, ihrem Blog oder Tagebuch Passagen anvertrauen, die Fremde aufmuntern, erheitern oder nachdenklich stimmen könnten. Diejenigen, die im Café ihr Notizbuch füllen, sich ihren Alltag von der Seele schreiben oder bisher nur in Gedanken aufgetreten sind. Meldet Euch bei mir und nutzt die Chance, unkompliziert Künstlerluft zu schnappen. Für den Poetry Slam Deluxe im Stage Club suche ich ständig nach Neulingen, die sich das erste Mal dem Publikum stellen, oder Wortkünstlern mit Bühnenerfahrung, die wieder einmal auftreten wollen.

Einzige Bedingung: Ihr tragt Eure eigenen Texte vor und nehmt das Leben mit Humor.

Ich selbst bin vor gut einem halben Jahr das erste Mal auf die Bühne gestolpert und kann nur jedem empfehlen, sich ebenfalls in der Unterhaltung Fremder zu üben. Bei dem Debüt klappt zwar meistens wenig wie geplant, aber mit der Zeit wird es besser…

13. Januar 2011 Kommentare: 2

Von der Bespaßung Hamburger Bühnen: Meine nächsten Auftritte

Januar
Künstlerpause.

Februar
Zwecks Umsetzung meines wichtigsten Vorsatzes 2011 will ich mir einige Frei-Croques sichern und werde daher Croque-Essern ihre Remoulade mit pikanten Texten würzen. Bevor den ausgemergelten Gestalten ihr halber Meter der Wonne überreicht wird, soll jeder Gast mit einigen Zeilen erfreut werden. Die Speisung der Geister und Leiber findet am 01. Februar abends im besten Croqueladen Eimsbüttels statt. Kleines P.S.: Es handelt sich um die Eröffnungsfeier des angeschlossenen Barbereichs…

Link zur Internetseite von “Croques & Crepes”

Am 17. Februar startet meine Kampagne für den Aufstieg zum Tagesschausprecher mit der Moderation des ersten Poetry Slam(s) Deluxe 2011 im Stageclub an der Neuen Flora. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, den Dichterinnen und Dichtern den Weg mit meinen Texten zu bereiten. Einlass ab 20 Uhr, Beginn um 20.30 Uhr.

Link zum Slam Deluxe am 17. Februar 2011