Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

2. Juli 2010 Kommentare: 6

In eigener Sache: An alle Singer-Songwriter oder kleinen Bands

Ich suche eine(n) Singer-Songwriter(in) oder kleine Band idealerweise aus Hamburg(-Eimsbüttel) mit selbst geschriebenen deutschen Texten. Mein Ziel ist es, testweise Themenabende (z.B. Liebe/Gefühl oder Stress/Zeit) mit verschiedenen Textformen (Gedichte/Slamgeschichten/Kurzgeschichten/Songs) zu gestalten. Mir geht (und Dir/Euch sollte) es darum gehen, Bühnenerfahrung zu sammeln. Geld spränge am Anfang wohl für keinen von uns ‘raus. Die erste Lokation im Herzen Eimsbüttels hat nur Platz für 20 - 30 Zuschauer, wäre also sehr gut zum Üben geeignet. ;) Ich freute mich über Mails/Kommentare von Interessierten (gerne auch potenzieller Zuschauer bzw. von Leuten, die da jemanden kennen)!

P.S. Mittlerweile haben sich so viele Musiker gemeldet, dass ich weitere Interessenten vertrösten muss. Schreibt mir gerne, aber rechnet bitte nicht damit, schnell bei einem Abend dabei zu sein. Auf jeden Fall bin ich begeistert, wie viele Vollblut-Musiker sich gemeldet haben! ;)

1. Juli 2010 Kommentare: 8

Zwölf Monate später

Vor einem Jahr offiziell mein Leben geändert. Aus dem Alltag verabschiedet. Hunderte Kollegen verloren. Eine neue gewonnen. Nicht umgezogen. Keine Freunde in die Wüste geschickt. Alle Hobbys beibehalten. Versucht zu kochen. Mir eine Kantine gesucht. Unverändert lange vor’m Rechner gehockt. So viel Sport getrieben bis ich zum Arzt musste. Zehn Dates gehabt. Mit der Dichtermasche nicht wie erhofft gepunktet. Einen waschechten Dichter getroffen. Andere Schreiberlinge vergrauelt. Geld im Wert eines Kleinwagens verbrannt. Keinen Cent verdient. Höchstens einmal die Woche Anzug getragen. Keinen neuen gekauft. Am konzernfreien Glück geschnuppert. Die Uni hassen gelernt. Rund Hundert Bücher gelesen. Einen schlechten Roman verfasst und weggeschmissen. Mit dem guten noch nicht angefangen. Beim einzigen Auftritt untergegangen. Weder reicher noch berühmter geworden. Überlegt, diese Seite nach einem Jahr zu schließen. Dagegen entschieden. Dem alten Leben nie hinterher getrauert. Zufriedener geworden. Mich zwölf Monate später das erste Mal als richtiger Poet gefühlt.

23. Juni 2010 Kommentare: 6

Nach dem Slam ist vor dem Slam: Meine nächsten Auftritte

Ich werde mich in Zukunft häufiger dem kritischen Urteil des Publikums unterschiedlicher Veranstaltungen stellen:

Im Café Mathilde findet ein Themenslam zum, wie sollte es anders sein, Fußball statt, am Dienstag, den 06. Juli, ab 20.15 Uhr in der Bogenstraße 5. Es gibt allerdings nur eine offene Dichterliste - ich hoffe, mir durch rechtzeitiges Erscheinen einen Startplatz zu sichern:

Details zum Fußball-Themenslam

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich am nächsten acht Minuten - Slam der Bar Auster, d.h. am Freitag, den 30. Juli, ab 20 Uhr im Henriettenweg 1 teilnehmen.

Details zum acht Minuten - Slam

Auf jeden Fall trete ich einen Tag später beim Slam “Heimfeld ist Reimfeld” an, also am Samstag, den 31. Juli, ab 15 Uhr unter freiem Himmel im Harburger Stadtpark.

Details zu Reimfeld openair

Am 20. August werde ich mich dann höchstwahrscheinlich ab 20 Uhr wieder auf die Bühne des Stage Clubs drängen. Achtung, dieses Mal soll es ein erotischer Slam werden. Zeit, sich die schlüpfrigsten und perversesten Zeilen abzuringen, zu denen ich fähig bin…

Details zum erotischen Slam Deluxe

Ich freute mich über die Anwesenheit bekannter Gesichter!

Alle Termine auf einen Blick gibt’s hier:

Dein Jungpoet bei myslam.net

9. Juni 2010 Kommentare: 2

Jugend adé.

Mit schmerzenden Gliedern eingeschlafen. Genauso aufgewacht. Aufgehört, mir Gel in die Haare zu schmieren. Es war eh egal geworden. Auf die Waage gestellt. Gegen die in den Zwanzigern hinzugekommenen Kilos gewettert. Nur ein Stück des Jubilarkuchens gegessen. Den Rest weggeschmissen. Anrufer beruhigt. Mails liegen gelassen. Türklingeln ignoriert. Falten entdeckt. Mich bemitleidet. Die Barschaft geprüft. Statt ins Bordell zu Gino für drei Kugeln Eis mit Sahne gegangen. Grundlos herum gejammert. Gefragt, wie andere es aushalten. Die Antworten nicht verstanden. ‘Rausgeblickt. Den grauen Himmel verwunschen. Aus Trotz Shorts getragen. Ein Cabrio gemietet. Mich jung und potent gewähnt. Von ü30-Müttern bewundert worden. Arztbesuche aufgeschoben. Stumm gelitten. Mit schmerzenden Gliedern eingeschlafen. Genauso aufgewacht. Meiner Jugend adé gesagt. Werde ich die Vierzig erleben?

25. Mai 2010 Kommentare: 8

In eigener Sache: Es wird ernst äh geslammt…

Ein Jungpoet wagt sich aus der Deckung. Falls mich keine schwere Krankheit, entbrannte Leidenschaft oder unerwarteter Reichtum davon abhalten, werde ich mich Mitte Juni das erste Mal dem kritischen Publikum eines Poetry-Slams stellen. Vielleicht verirrt sich ja das eine oder andere bekannte Gesicht dorthin. Bei der Gelegenheit könnte auch vergammeltes Obst oder sonstiger Abfall an den dichtenden Mann gebracht werden…

Hier die Schlagzeile: Der Jungpoet im Stage Club am Freitag, 18. Juni 2010, ab 19.30 Uhr.

Details zum Slam Deluxe

22. Mai 2010 Kommentare: 2

Immer.

Den Schlaf will ich Dir nicht rauben,
doch Worte musst Du erlauben.
Ich will Dich an allen Tagen
nach Deinem Wohlbefinden fragen.
Geht es Dir gut, na wunderbar,
geht es Dir schlecht, so bin ich da.
Und bin ich selbst das Problem,
hilf Du mir, es zu versteh’n.

15. Februar 2010 Kommentare: 10

Einsam.

Mich nachts nach der Wärme eines anderen Körpers gesehnt. Alleine aufgewacht. In aller Stille fertiggemacht und angezogen. Mich im Spiegel betrachtet und gedacht, an mir liegt’s nicht. Am Frühstückstisch gesessen und die Wand angeguckt. Das Lachen des Paares über mir gehört. Geschwiegen. Im Auto zur Arbeit gefahren und Trost durch’s eingeschaltete Radio gesucht. Unterwegs Händchen haltende Paare beäugt. Maske aufgesetzt und fröhlich die Kollegen im Büro begrüßt. In der Kantine verschämt nach der Hübschen aus der Buchhaltung umgesehen. Der Mittagsrunde und ihren Urlaubsplänen mit Partner gelauscht und nach zwanzig Minuten “haltet Eure Klappe, ich hasse Paargeschichten” geschrien. Nachmittags eine Einladung zu einem doppelten Geburtstag erhalten, sie wird 28, er 33. Auf dem Weg nach Hause an jeder Ampel halten müssen und Pärchen beim Knutschen zugeschaut. Im Treppenhaus die nette Nachbarin getroffen, deren Freund unter der Woche in einer anderen Stadt arbeitet. Der Witwe von gegenüber einen guten Tag gewünscht als sie aus dem Fenster schaute. Zu Hause geprüft, ob es neue Antworten der Frauen auf der Datingseite gab: Fehlanzeige. Mit der Bahn zum Sport gefahren, einen Viererplatz mit zwei Verliebten geteilt und in Kontaktanzeigen der Zeit geblättert (nur “junge” Frauen ab 40 oder zu dick). Beim Training die einzig gut aussehende Frau auf dem Stepper angestarrt und jedes Mal weggesehen, wenn sie in meine Richtung schaute. Auf der Rückfahrt die SMS einer Bekannten gelesen: Mich treffen und von ihren Männern voll jammern will sie, mit mir etwas anfangen nicht. Vor dem Schlafengehen erneut die Nachrichten der Datingseite geprüft: Eine unpersönliche Absage erhalten. Im Fernsehen eine schlechte Sexszene verfolgt. Im Bett mit mir selbst vergnügt und irgendwann eingeschlafen. Wenigstens redete mir keine(r) ein, dass Singleleben sei schön.

10. Dezember 2009 Kommentare: 8

Nachgedacht.

Den Job hingeschmissen. Zwänge des Alltags abgestreift. Menschen, die ich einmal Freunde nannte, aussortiert. Ein Bild gemalt. Im Garten gearbeitet. Das Auto abgemeldet. Den Alkoholkonsum gedrosselt. Um Rat gebeten. In die Kirche gegangen. Den Fernseher in den Keller gebracht. Alle Geburtstagskinder angerufen. Bioobst verzehrt. Ein paar Wochen Balkonien eingeschoben. Oma besucht. Mit dem Partyrauchen aufgehört. Statt Schoki Möhrenstäbchen genascht. Jede Woche dreimal beim Sport geschwitzt. Klassischer Musik gelauscht. Unter der Woche zeitig ins Bett gegangen. Bei jeder Einladung erschienen und gute Laune aufgelegt. Vor dem Einschlafen zehn Seiten gelesen. Keine Mail geschrieben, während ich mit Mama telefonierte. Meine Freundin nicht betrogen, als sich die Gelegenheit bot (er hieß Michael). Selten gelogen. Nur vier Mal geschrien pro Monat. Mich nicht muksch im Zimmer eingeschlossen. Keine SMS geschickt, sondern pünktlich gewesen. Den Rechner eine Woche aus gelassen. Höchstens jeden dritten Tag Fleisch gegessen. Die Heizung über den Tag ‘runtergedreht. Keine Silvesterböller gekauft. Mir die eine DVD verkniffen. Alle zurückgerufen, die mir eine Nachricht hinterließen. Beim Zahnarzt gewesen. Beide Grippeimpfungen machen lassen. Nicht auf Toilette telefoniert. Das Licht nur in einem Zimmer angeschaltet gelassen. Härter gegen mich selbst und weicher gegen andere gewesen. Nicht am Steuer geflucht. Mit dem Fahrrad vorschriftsmäßig gefahren. Einen Tag lang keine Musik gehört. Alle meine Abos gelesen. So oft im Fitnessstudio gewesen, dass es sich rentierte. Die Wohnung geputzt. Zweimal am Wochenende gekocht. Die ausstehenden Bewertungen bei Ebay vorgenommen. Ehrlich meine Meinung gesagt. Alle Überweisungen erledigt. Nichts im Internet bestellt. Für die Prüfung gelernt. Die Hausarbeit beendet. Am Samstag nüchtern geblieben. Über mein Gehalt verhandelt. Nichts gekifft. Tagelang gesund ernährt. Niemand geschlagen. Fremde Menschen angelächelt. Punkte auf den gelben Zetteln abgehakt. Einen Brief verschickt. Mich beworben. Wohnungen angeguckt. Geweint. Mein Testament aufgesetzt. Den Organspendeausweis unterschrieben. Nicht auf Manager und Politiker geschimpft. Mich gesonnt. Jemanden umarmt. Mich täglich rasiert. Einen Monat kein Fastfood geschlabbert. Die Reise nach Berlin geplant. Nach dem Sport geduscht. Täglich die Unterwäsche gewechselt. Nichts Neues gekauft. Den Boden entrümpelt. Eine Jeans im Büro getragen. Den Kleiderschrank ausgemistet. Die Fotos sortiert und eingeklebt. Meine Papiere geordnet. Den Rechner neu gemacht. Nichts verschoben. Mit ihr ausgegangen. Ihn getroffen. Den Knopf angenäht. Die Reinigung aufgesucht. Das abgemeldete Auto in die Werkstatt gegeben. Vorhänge gewaschen. Ausgeschlafen. Im Bett gefrühstückt. Eine Städtereise unternommen. Geschwiegen. Nachgedacht. Dinge geändert. Versucht, glücklich zu sein…

7. Dezember 2009 Kommentare: 4

Zeitmangel

Morgens schlage ich die Augen auf,
der Terminwahnsinn nimmt seinen Lauf.

Ich erhebe mich, ziehe in die Welt,
den Zeiger stets im Blick, Zeit ist Geld.

Ich hetz’ von diesem zum nächsten Ort,
hake Dinge ab, als wäre es Sport.

Für’s Essen bleiben zehn Minuten,
nicht vergessen, ich muss mich sputen.

Tagsüber hab’ ich selten eine Wahl,
den Abend verwandle ich selbst zur Qual.

Momente der Ruhe werden verbaut,
Muße ist ein Fremdwort, mir unvertraut.

Fragt mich jemand, ob ich spontan bereit,
antworte ich, es tut mir wirklich leid,
bin wochenlang ausgebucht, keine Zeit.

Das Wochenende bricht, was es versprach,
selbst der Tag des Herrn liegt nicht mehr brach.

Urlaub schmeckt schal, wird fleißig durchgeplant
und mit Nützlichem und Pflichten verzahnt.

Schlechtes zieht sich, will nimmer vergeh’n,
Gutes eilt dahin, schwer zu versteh’n.

Zeit ist das, was ich nicht hab’!

3. September 2009 Kommentare: 4

Ode an die IT Teil II.

Aufgrund des gestern erst spät einkehrenden Schlafes besonderer Vorkommnisse habe ich noch einmal mit etwas besserem Rythmus nachgelegt:

O Du mächt’ges Gerät,
dass mir alles verrät.
Du bist mein Wissensquell,
weißt Rat, sekundenschnell.

Stehst mir bei zu aller Zeit,
gibst selbst nächtens das Geleit.
Klagst nie, verrichtest den Dienst,
obwohl Du gelangweilt schienst.

Ohne Dich bin ich hilflos,
stelle mich gnadenlos bloß,
kann weder recherchieren
noch kurz telefonieren.

Starrst mich an mit Deiner Fratze,
schnurrst dabei wie eine Katze.
Ich liebe und ich hasse Dich,
so ‘was endet selten glimpflich.

Gehorchst Du mir manchmal nicht,
brülle ich Dir ins Gesicht:
“Verdammt, wo ist Dein Problem,
wirst Du langsam zu bequem?”.

Ich rate Dir zur Vorsicht,
denn mit mir spaßt man nicht.
Wirst Du jemals noch kecker,
ziehe ich Deinen Stecker.