Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

22. Mai 2010 Kommentare: 2

Eine Stadt wählt.

Der linke Vorderreifen des deutschen Kleinwagens schleuderte einen Tropfen des sich in der Fahrrinne ansammelnden Gemisches aus Regen und Schmutz auf das Plakat, dessen Rückseite an einem Straßenschild befestigt war. Der Tropfen landete mittig, rann langsam über die Lettern des Schriftzuges „Ole! Ihr alter und neuer Bürgermeister“ und die blonde Haartolle des lächelnden Mannes, den das Wahlplakat zeigte.
Christian blickte dem silbernen Opel Corsa mit dem HH-Nummernschild nach, der sich rasch entfernte. Im Seitenprofil hatten die langen braunen Haare und die Wangenlinien der Fahrerin sein Interesse geweckt. Er hätte ihr Gesicht gerne von vorne betrachtet, doch Hamburg war groß. Sie sähen sich nie wieder, dachte er, überquerte zwei weitere Straßen und hatte sie vergessen. Es war neunzehn Uhr am Freitagabend, ihm blieben knapp zwei Stunden und er verschickte eine Kontroll-SMS: „Hi Basti, von mir aus bleibt es bei 21 Uhr an der Station Sternschanze. LG, Chris“
Uringestank erfüllte den U-Bahn-Schacht und verband sich mit Nikotingeruch, der von den Zigaretten der auf der Treppe stehenden Halbstarken aufstieg. Christian kämpfte gegen den Impuls an, auf dass für alle Bahnhöfe geltende Rauchverbot hinzuweisen, und ging direkt zum Bahnsteig der U2. In der Wand war ein Bildschirm eingelassen, auf dem ein Werbefilm lief. „Werfen Sie Ihre Stimme nicht weg. Hamburg-Wahl 2008.“ Wenn es nur eine wählbare Partei gäbe, lachte Christian in sich hinein. Nach zwei Minuten schob sich die U-Bahn vor den Bahnsteig und Menschen eilten durch die geöffneten Türen, Anzugträger reihten sich an Fernreisende mit wuchtigen Koffern, Teenager, um die eine Parfümwolke waberte und deren Kopfhörer vor Musik dröhnten, drängten an Senioren vorbei, die stoisch auf das Abebben des Menschenstroms warteten. Was tat Daniela gerade? War sie nach ihren Tagesterminen direkt in ihr Hotel gefahren, saß sie in einem Café in der Düsseldorfer Altstadt oder belohnte sie sich mit einer kleinen Shoppingtour auf der Königsallee? Er schrieb ihr eine SMS: „Hi Dani, ich wünsche Dir einen schönen Abend. Bis Sonntag am Flughafen. Dein Crischi“. Christian stieg an der Station Osterstraße aus und wurde von der Menschenmasse auf dem Gehweg aufgesogen, die sich an den Geschäften der Haupteinkaufsstraße Eimsbüttels vorbeischob. Ständig wurden Überlebende in Geschäfte oder Häusereingänge ausgespien und neue Opfer aufgesaugt. Auf der Straße führten die Stoßstangen von Luxuskarossen, Lieferwagen und Hausfrauenzweitwagen den Tanz des Berufsverkehrs auf: Zwei Schritt vor, stopp, drei Schritt vor, stopp, keinen Schritt zurück, stopp, und abbiegen. Christians im Endstockwerk eines Altbaus an der Osterstraße gelegene Wohnung wachte wie ein Leitstand über das Treiben zu ihren Füßen. Im Flur ließ er die Ledertasche auf den Dielenboden fallen, warf seinen Mantel in die Ecke und lockerte sich die Krawatte. Im Spiegel der Geradrobe musterte ihn ein schlanker Yuppie, dem die Anstrengungen einer langen Bürowoche ins Gesicht geschrieben standen. Die erste Hälfte des kalten Bieres kippte er sich hinunter, um seinen Durst zu löschen, die zweite Hälfte, um die letzten Bürostunden der Woche zu vergessen. Das moderne Lagerfeuer flammte auf und die Tagesschausprecherin verlas die aktuellen Umfrageergebnisse zur Bürgerschaftswahl in Hamburg: CDU 40,2; SPD 33,7; FDP 4,7; Grüne Alternative Liste oder kurz GAL 6,8 Prozent. Christian wunderte sich nicht mehr, warum Hamburg eine Bürgerschaft statt einen Landtag besaß. Begriffe waren nebensächlich. Aber wo versteckte sich die CWP, Christians Wunschpartei, mit deren Inhalten er sich identifizieren konnte? Wählen um des Wählens Willen war lächerlich. Um zwanzig nach acht sprang er auf und tauschte die Anzughose gegen eine verwaschene Jeans. Leichter Regen hatte eingesetzt und legte sich wie ein Schleier über die in kleinen Gruppen oder alleine vor dem Ausgang der Station Sternschanze Wartenden. Christian gesellte sich zu ihnen. Er erkannte Basti, der sich mit seiner wallenden blonden Mähne wie ein stolzer Löwe bewegte, von weitem. Sie begrüßten sich wie unter Männern üblich mit Abklatschen und anfeuernden Rufen. Sie entschieden, die Bar Goldfischglas aufzusuchen, in der sich Studentinnen tummeln sollten. Die Türsteher wirkten eher wie Sportstudenten als kampfsporterfahrene Schränke, die vor dem Eingangsbereich vieler Läden auf Gäste lauerten. Ein Klangteppich aus Satzfetzen, Gläserklirren und wummernder Musik legte sich über ihre Ohren und der Duft des Nachtlebens umspielte ihre Nasen. Christians Blick glitt über die besetzten Sitzgruppen und Basti zeigte auf die freien Plätze an der Theke. Während sie mit dem ersten Bier anstießen, berichtete Basti über die neueste große Liebe seines Lebens und prüfte gleichzeitig die Figur jeder eintretenden Frau. Anna sehe umwerfend aus, sei eine Granate im Bett und sehr intelligent, leider war sie verheiratet und lebte mit dem Vater ihrer zwei Kinder zusammen. Ihre Treffen mussten immer außerhalb stattfinden und die Kommunikation gestaltete sich schwierig. Christian schmunzelte, Basti lebte nach seiner eigenen Fasson. Er war der Prototyp des modernen Menschen, nichts hatte für ihn Bestand. Alles ließ sich auf Sicht von drei Monaten revidieren, Bastis Wohnort, Freundin und Job wechselten spätestens alle zwei Jahre, manchmal häufiger. „Was ist denn aus Katharina geworden, hatte sie nicht extra für Dich ihren langjährigen Freund verlassen?“, fragte Christian. „Ja stimmt, aber weißt Du, wir haben uns dann doch nicht so gut verstanden und das Gerede über Hochzeit und Kinder hat mich genervt. Allein diese Blicke, falls uns im Café eine junge Mutter mit ihrem Kind gegenüber saß, schrecklich.“ Christian kannte diese Blicke von seiner Dani, mit der er seit fünf Jahren zusammen war. Seine Bierflasche war leer und er winkte der Bedienung zu. Plötzlich brüllte ihn Basti von der Seite an: „Lass mal woanders hingehen, die Mädels hier schocken einfach nicht.“ Er nickte seinem Freund zu und bezahlte. Christian folgte ihm nach draußen und sah im Gehen auf die Uhr, es war zehn. Auf dem Weg zur Sofabar schwankten ihnen angetrunkene Jugendliche entgegen, die mehr mit Zombies als den braven Auszubildenden und Schülern, die sie zu sein schienen, gemein hatten. Die Sofabar ähnelte einem Hühnerstall, in dem sich aufgeplusterte, zerzauste und abgekämpfte Exemplare drängten und in kleinen Gruppen vor sich hin schnatterten. Basti und Christian gelang es, an der Bar einen Stehplatz mit guter Sicht auf die überfüllten Sofas zu ergattern. Mit einem frischen Bier in der Hand begann das Taxieren der Anwesenden. „Die Typen haben es nicht drauf, nur der dahinten mit dem Kapuzenpullover und er hier vorne sind cool.“, sagte Basti. „Stimmt, die Mädels sind auch nicht viel besser. Entweder haben sie einen zu dicken Hintern oder einen Gehfehler.“ „Meistens beides, zu stramm sitzende Hosen und einen hässlichen Vogel an ihrer Seite.“ Christian zahlte das zweite, vierte und sechste Bier, Basti im Wechsel das dritte, fünfte und siebte. Alkohol, der große Gleichmacher, flutete Blutbahn und Hirn. Basti fasste einer Blondine, die sich dicht an ihm vorbeischob, auf den zu dicken Hintern und nahm ihre Ohrfeige klaglos hin, Christian rutschte raus, wie gerne es Dani von hinten mochte und dass er von einem Dreier mit ihr und ihrer besten Freundin träumte. Es wurde einer dieser Abende, an denen sich Vorfreude schnell in Reue umkehrte und man im Halbschlaf per Taxi nach Hause gelangte, durch Poltern im Treppenhaus die Nachbarn aufweckte und mit dreckigen Zähnen im Bett in eine unruhige Nacht wegdämmerte.

Christians Hand fuhr über Danis rechte Pobacke und mit einem Klaps fachte er ihre Lust an, sie stöhnte auf. Plötzlich stampften im Nebenzimmer Füße auf und Stimmengewirr erhob sich. Er schreckte aus seinem Traum hoch und sah sich im Halbdunkel seines Schlafzimmers um. Ein dumpfer Schmerz hatte sich in seinem Kopf eingenistet, drei eilig in der Küche heruntergestürzte Glaser Wasser halfen nicht. Im Minutentakt trampelten Füße durch das Treppenhaus, schwere Gegenstände schlugen gegen das Treppengeländer und Verständigungsrufe schallten hinauf. Zwei Stunden wälzte sich ein junger Mann in seinem Bett, wurde Dutzende Male aus dem Schlaf gerissen und schlurfte dann unter die Dusche. Der Blick aus dem Fenster offenbarte einen Kleintransporter, der die rechte Fahrspur blockierte und alle Fahrzeuge zum Ausscheren zwang. Schwerer Regen fiel auf die Menschen in den Straßen, die mit verkniffenen Gesichtern Besorgungen erledigten. Christian beschleunigte seinen Schritt. Auf dem kleinen Marktplatz Ecke Heußweg leuchtete das Rapsfeld der Parteienlandschaft, ein FDP-Stand, dessen Betreuer jeden Passanten ansprachen. Christian entfuhr ein „Lasst mich in Ruhe“, während er auf seinen Biobäcker zusteuerte. Dani legte Wert auf gutes Brot im Haus und sollte morgen nicht enttäuscht werden. Ob es an seinen betäubten Geschmacksnerven oder der industriellen Zubereitung lag, die Pizza aus dem Backofen war geschmacklos und sättigte ihn nicht. Er rollte sich wie ein Hund auf der Couch zusammen und schlief ein. Am späten Nachmittag hatte der Regen nachgelassen und das schlechte Gewissen drückte. Christian zog seine Laufklamotten an, schnürte die Schuhe stramm und trippelte vor der Haustür los. Die lange Runde um die Binnenalster täte ihm gut. Vereinzelt segelten Blätter von den Laubbäumen, die die Gehwege der Straßen säumten, zu Boden und Christians Fuß rutschte mehrfach ab. Viele Fahrradfahrer und Läufer nutzten die regenfreien Minuten. Als ein Uferstück der Binnenalster in Sicht kam, schöpfte Christian neue Kraft. Er schloss sich dem Heer der Läufer und Spaziergänger an, welches die Wasserscheibe zu jeder Tag- und Nachtzeit umkreiste. Er prüfte die Figur der Frauen in seinem Alter, solange es keiner auffälligen Verrenkungen bedurfte, und beschleunigte seinen Schritt, falls jemand ihn überholen wollte. In einer Dreiergruppe erspähte Christian einen Blondschopf mit Kinderwagen, der ihm bekannt vorkam. Er verlangsamte sein Tempo, um den Mann fixieren zu können. Es war Ole von Beust, der amtierende Bürgermeister, ein bekennender Schwuler, der lässig einen Kinderwagen schob und sich angeregt mit einem Mann mittleren Alters unterhielt. Scheint sich um die bescheiden hanseatische Art des Wahlkampfs zu handeln, dachte Christian. Plötzlich glitt seine Ferse auf einer Baumwurzel ab und er strauchelte. Mit einer gesprungenen Seitbewegung wich er dem Bürgermeister aus, streifte einen älteren Herrn und fand zurück in seinen Laufrythmus. Wieder zu Hause hämmerte er sich ein, spätestens um zehn Uhr ins Bett zu gehen und morgen den Urnengang zu absolvieren, bevor er Dani abholte. Gegen halb zwölf kroch er von der Fernsehcouch ins Schlafzimmer und erwachte nach tiefem Schlaf. Die Nachwirkungen der Sauftour mit Basti waren abgeklungen, um elf Uhr stand Christian hinter Kirchgängern und Senioren in der Schlange des Wahllokals. Je näher er den Wahlkabinen rückte und je mehr Wähler ihm mit verklärtem Gesichtsausdruck entgegen kamen, desto unruhiger wurde er. Die FDP und SPD schieden aus, über die Kandidaten der Grünen hatte er sich nicht informiert und von der CDU kannte er nur Ole von Beust, seit gestern persönlich. Für die Auswahl des passenden Handytarifs, der Suche nach dem perfekten Automodell oder die Urlaubsplanung nahm man sich viele Stunden Zeit. Über die zur Wahl stehenden Politiker informierte man sich selten länger als ein paar Minuten. Der ältere Herr mit Halbglatze reichte Christian seinen Wahlzettel und wies auf die linke der drei Wahlkabinen. Hinter der Sichtschutzwand klappte er das Papier auf und setzte sein Kreuz bei den Grünen. Christian faltete erleichtert den Wahlzettel zusammen und warf ihn in die an eine Mühltonne erinnernde Wahlurne. Auf dem Nachhauseweg gönnte er sich ein Schokocroissant vom Bäcker und freute sich auf den restlichen Tag mit Dani. Nachdem er sich ihre Reisegeschichte angehört haben würde, stünden die Chancen auf Sex am Nachmittag gut.

11. März 2010 Kommentare: 4

München in 24 Stunden - Wettbewerbsbeitrag

Ich fühlte mich wie ein platonischer Auftragskiller, der auf die Auslöschung von Freundschaften spezialisiert war. Sebastian, einer meiner Kommilitonen aus Kieler Tagen, und ich hatten uns auseinander gelebt. An diesem Wochenende wollte ich einen Schlussstrich ziehen, um mir die eine Reise pro Jahr nach Süddeutschland zu ersparen. Der ICE flog dahin und durchschnitt verschneite Täler und Wälder. Er schwebte über zugefrorene Flüsse und rauschte durch verlassen wirkende Bahnhöfe namenloser Städte. Fünf Stunden Fahrt steckten den in Hamburg eingestiegenen Passagieren, also auch mir, in den Knochen und ich dämmerte zwischen diffusen Gedanken und Halbschlaf vor mich hin. Das ältere Ehepaar mir gegenüber frotzelte miteinander im bayerischen Zungenschlag. Gab es wahre Liebe im Alter? Junge Menschen, die keinen Sitzplatz gefunden hatten, ließen sich auf dem Boden des Ganges nieder. Wie Flamingos stakten vom Harn oder Hunger Getriebene zwischen den Gepäckstücken und menschlichen Hindernissen umher. Es sollte mein erster und letzter Besuch in München werden, die Stadt interessierte mich ohnehin nicht. Die Spitzenpositionen in Städterankings konnte man nicht ernst nehmen, ganz oben in den Musikcharts landete schließlich meist auch Schrott. Ich nickte ein und schreckte hoch, als die sonore Stimme des Zugführers „in Kürze erreichen wir München Hauptbahnhof, unsere Endstation“ verkündete. Auf dem Bahnsteig begrüßten sich Paare, die sich auf ein gemeinsames Wochenende zu freuen schienen, Eltern schlossen ihre Kinder in die Arme und mit viel Gepäck beladene Reisende schleppten sich in Richtung des Ausgangs. Die Bahnhofshalle hätte genauso gut in Hannover stehen können, eins zu null für Hamburgs Wandelhalle im direkten Stadtvergleich.

Sebastian zwängte sich durch die Menge und drohte mit seiner zerbrechlichen Gestalt zerquetscht zu werden. Es bedurfte noch ein paar hundert Maß Bier und Haxen, um sich äußerlich dem klischeehaften Bayer anzunähern. Wir fielen uns in die Arme und verharrten in dieser Haltung kürzer als unter guten Freunden üblich. Auf dem Weg zur U-Bahn tauschten wir uns über Belanglosigkeiten aus, Fahrt war gut, Wetter mäßig und Westerwelle hatte gegen die Hartz IV – Empfänger nachgelegt. Die U4 schob sich an den Bahnsteig und ich musterte nach dem Einsteigen alle Fahrgäste. Ein alter Mann mit stechenden Augen lieferte sich mit mir ein Blickduell, welches er verlor, davon abgesehen hatten wir ein friedliches Abteil erwischt. In Münchener U- und S-Bahnen musste man vorsichtig sein. Längsstreifen in Brauntönen an den Wänden und rote Sitzpolster verströmten einen Siebziger Jahre – Charme, den ich aus meiner Heimatstadt nicht gewohnt war. München glich aus. Speckiges Licht beleuchtete die Gänge der Station Böhmerwaldplatz, an der wie ausstiegen. Sebastians Wohnung lag an einer von Supermärkten gesäumten Hauptverkehrsstraße, die sich genauso gut in Düsseldorf-Flingern oder Berlin-Kreuzberg hätte befinden können. Kleiner Flur, zwei Zimmer, gefliestes Vollbad, praktische Küche und das Wohnglück des Großstadtsingles war perfekt. Eine Leere breitete sich von der Magengegend auf meinen Unterleib aus und ich nötigte Sebastian an den Herd. Eine bayerische Spezialität als Abendessen hätte mich interessiert, obwohl man mich mit Leberkäse oder fettem Fleisch jagen konnte. Wahrscheinlich aßen mehr Touristen als Einheimische die traditionellen Gerichte, Labskaus und oder Birnen, Bohnen und Speck kochte meine Mutter auch nie. Stattdessen gab’s Nudeln mit Tomatensoße, den globalisierten Klassiker der kochenden Massen. Nachdem der letzte Bissen von unseren Tellern verschwunden war, gähnte ich ausgiebig und ließ fallen, ob wir es nicht für heute gut sein lassen wollten. Sebastian nickte, räumte ab und baute das Schlafsofa für mich auf. In der Nacht weckten mich einige auf der Straße vorbei bretternde Autos, die Münchener fuhren ja wie die Henker!

Ich schlief wieder ein und erwachte bei Tagesanbruch. Der Neuschnee knirschte unter meinen Füßen und die Straßen waren wie leer gefegt. Der Bäcker sprach gebrochenes Deutsch mit türkischem Akzent und war unfreundlich. Auf dem Rückweg erspähte ich kleine Holzständer an einer Straßenecke, unter deren Glasscheiben sich Zeitungen und ein Münzschlitz verbargen. Ich warf 75 Cents ein und angelte mir eine Abendzeitung, wohl die Münchener Inkarnation des lokalen Käseblatts: Dieter Bohlens ledriges Gesicht grinste mir neben der Schlagzeile „Deutschland sucht den Superstar – die fiesen Geheimverträge“ entgegen. Diese Show schien das Land umzutreiben. Die Zeitungskästen rissen es für München nicht heraus, Spiegel und Zeit unterstützt von der Morgenpost und Coupé schlugen Süddeutsche, Fokus, Abendzeitung und Bunte. Zwei zu eins für Hamburg nach subjektivem Pressevergleich. Während Sebastian das Bad aufsuchte, blätterte ich im Regionalteil. „Ein Denkmal für Michael Jackson beim Bayrischen Hof.“ Keine Ahnung, wo der lag, aber klang richtig. „Eine Münchener Filmtechnikfirma heimste den fünfzehnten so genannten Technik-Oskar ein.“ München war keine Filmhochburg, wie mir einfiel. Babelsberg stach (Versuch einer kurzgeschichteninternen Verlegung nach München gescheitert, Anm. der Red.) Fatih Akin obsiegte und glich verschlimmerte die papierne Schmach aus. „Gastro-Boom im Glockenbachviertel“. Laut einem Interview sei Schwabing tot, Glockenbach boome jetzt und München-Westend bringe sich in Stellung. Aha. Der Stadt fehle es jedoch an einer Amüsiermeile. Ich rang mich durch, Sankt Pauli als Hamburger Trumpf zu zählen und auf drei zu zwei im Stadtvergleich zu erhöhen. Auf dem Frühstückstisch türmten sich Plastikpackungen irischen und englischen Cheddar-Käses, daneben stapelten sich Semmeln im Brotkorb. „Wo sind die Weißwürste?“, stieß ich hervor. Sebastian überging meine Äußerung und sprach die Tagesplanung an. Er wohnte seit zwei Monaten hier und kannte sich nicht aus. Diese Unwissenheit einte uns. Mir entfuhr ein „Schau’n mer mal“. Es ging auf zum Karlsplatz oder Stachus, kaum ein Mensch zeigte sich. Ich löcherte meinen Begleiter mit Fragen: Wieso Karlsplatz? Warum Stachus? Er hatte keine Ahnung und zierte sich, sein iPhone zu bemühen. Die Münchener und Touristen schienen den Samstagvormittag anderweitig zu nutzen, nur die im in der Mitte des Platzes gelegenen Brunnen treibenden Eisschollen leisteten uns Gesellschaft. Stolz reckten sich zwei halbkreisförmige, um den Platz angeordnete Bauten im mediterranen Stil in die Höhe. In eisernen Lettern prangte Osram an der Fassade und mich durchfuhr industrielle Wehmut. München beherbergte die Machtzentren von Siemens, Infineon, Linde oder BMW. Kreischender Stahl, endlose Fertigungshallen und sterile Labore. Ein Pluspunkt. Durch das Zinnen bewehrte Karlstor betraten wir die Neuhauser Straße, zugleich Fußgängerzone und Haupteinkaufsstraße. Ein Gebäude mit historischer Front reihte sich an das nächste, in hundert Jahre altem Stein verankerte Leuchtreklamen gängiger Filialketten von Esprit bis Saturn verschandelten das Bild. Entzückt erblickte ich das Oberpollinger, Karstadts hiesigen Edelableger. Ob dieser Konsumtempel wohl die Konzerninsolvenz überlebte? Die Kaufingerstraße, welche ihrem Name alle Ehre machte, schloss sich an: H&M, Douglas, Deichmann und Konsorten. Endlich öffneten sich die Straßenzüge vor uns und die Weiten des Marienplatzes erinnerten uns daran, dass wir uns nicht in der Dortmunder Innenstadt, sondern in München befanden. Demütig gruppierten sich die kleineren Gebäude um das Neue Rathaus, das die Vorherrschaft über den Platz errungen hatte. Das alte Rathaus war an den Rand verdrängt worden. Der Geist der Jahrhunderte streifte mich, aber Sebastian blieb um genauere Fakten verlegen. Ein Hugendubel-Buchhändler versorgte die Innenstadt mit Literatur, wie in Berlin schien es auch in München vor dieser Kette kein Entkommen zu geben. Die Auslage spendete mir Trost: Helmut Schmidt, der standhafte Hanseat, sinnierte mit Fritz Stern über ihr Jahrhundert. Beim letzten Rundblick schoben sich mehrere, rund um den Marienplatz aufragende Kirchtürme in mein Blickfeld, deren Namen ich mir später zusammensuchte. Frauenkirche, St. Peter und Heilig Geist. Imposant, doch wir bogen rechts ab und erreichten den Viktualienmarkt. In Dutzenden Pavillons und Ständen warteten Händler mit Bergen von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Käse sowie Leckereien und waschechten Schmankerln auf Kundschaft. Bei Namen wie „Café Nymphenburg“, „Exoten Müller“ oder „Bäckerliesl“ schäumte mir schier das Herz über, endlich München pur! Durch Plastikplanen erspähte ich Menschen mit Weißwürsten und Brezeln in der Hand, während Sebastian Papayagelee für seine Mutter kaufte. Nur ein weißer, wie ein gestrandetes Ufo wirkender Nordseestand missfiel mir. Ein Minuspunkt für Hamburg als Flaggschiff des Nordens, das seine Truppen nicht unter Kontrolle hatte. Das Areal Nähe Reichenbachstraße und dem Rondell des Gärtnerplatzes umwehte ein Hauch von Kunst und Kommerz, der Vergleich mit den Hamburger Szenevierteln St. Georg und Schanzenviertel war unausweichlich. München verlor. Sebastian und ich diskutierten derweil über die Finanzkrise, Platzhirsche wie die BayernLB hatten sich nicht mit Ruhm bekleckert, aber hatte nicht jede deutsche Großstadt ihre eigene Skandalbank zu bieten? Wenigstens blieb es still um die Allianz und Münchener Rück, seit neuestem Munich RE. Ein Hoch auf die Globalisierung! Plötzlich knurrte mein Magen so laut, dass wir verstummten und das nächstbeste Lokal betraten. Das Wassermann Ecke Fraunhoferstraße wirkte von außen halbwegs urig, innen empfing routinierte Sachlichkeit. Auf den Tischen anderer Gäste dampfte der Alibi-Kaiserschmarrn neben klassischen Frühstückstellern vor sich hin. Ich bestellte einen Flammkuchen, Sebastian nichts, stattdessen berichtete er von der Oktoberfestplanung seiner Kollegen. Schlappe neun Monate im Voraus hatten sie gebucht und an einen Platz in den Festzelten war nicht zu denken gewesen. Ich sah mich mit Fremden zu Volksmusik schunkelnd auf einer Bank sitzen, einen Humpen in der Hand haltend und jeder drallen Kellnerin in den Ausschnitt stierend. Es gab Schlimmeres als die Wiesn!

Nach dem Essen setzten wir unsere Begehung fort und zwei Straßenkreuzungen später rumpelte die erste Tram an uns vorbei. Ich liebte Straßenbahn fahren, ein Bonuspunkt für München. Wir gelangten zur Uferpromenade eines Isararmes, dessen Fluten dahin rauschten und alle Geräusche der Stadt übertönten. Zwei Norddeutsche auf Abwegen schritten stumm voran und genossen die Stille. Der Englische Garten tastete sich als schmaler Grünstreifen bis in die Innenstadt vor und ließ normale Stadtparks weit hinter sich. Sebastian freute sich schon, hier den ersten Frühlingstag mit einem guten Buch zu verbringen. Nach einigen Fußminuten schlängelte sich der Weg hinauf zu einer Anhöhe, die von einem kolossalen Bauwerk eingenommen wurde: Dem Bayerischen Landtag. Wenn man vom Chauffeur her kutschiert worden und mit einer komfortablen Abgeordnetenmehrheit ausgestattet war, ließ sich der Allmachtsanspruch manches CSU-Landespolitikers erahnen. Nicht nur München lag einem von dort oben betrachtet zu Füßen. Wir stiegen wieder herab in die Niederungen der Metropole und passierten kleine Gässchen, in denen Trachtengeschäfte an unseren Sinn für Kitsch und Tradition appellierten. Leider konnte ich Sebastian nicht zum Betreten eines Ladens bewegen. Ich hätte ihn gerne in Lederhosen und mit blanken Waden gesehen. München punktete in meinen Augen erneut, da der Norden arm an traditionellen Gewändern war. Wir durchquerten den verschneiten Hofgarten, der im Sommer sicherlich beeindruckender war und ignorierten das Haus der Kunst genauso wie die Vielzahl der Ausstellungen und Museen, mit denen die Stadt aufwartete. Ein unscheinbares Schild mit der Aufschrift P1 wiegte sich im Wind und beflügelte meine Fantasie. 24 Stunden waren zu knapp bemessen, um sich einen Eindruck vom Nachtleben zu verschaffen, doch es hätte mich gereizt. Vor uns breitete sich ein größerer Abschnitt des Englischen Gartens aus, auf den verschneiten Wegen tummelten sich Spaziergänger und Läufer trabten umher. München war aufgewacht. Zu Füßen des Chinesischen Turms zog ein Langläufer seine Bahnen, vielleicht wollte er der älteste Teilnehmer der Olympischen Winterspiele München 2018 werden? Die Funktionäre und Stadtvertreter warfen sich gerade in Vancouver für ihr innerstädtisches Eis-Cluster und das Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau umfassende Schnee-Cluster ins Zeug. Hamburg war mit seiner Bewerbung für den Olympischen Sommer 2012 kläglich gescheitert, München witterte Morgenluft und hatte die Chance, sich zukünftig einen Pluspunkt im Ringen der Metropolen zu sichern. Der Blick auf die Uhr verriet, dass meine Zeit in München zu Ende ging. Nach einem letzten Schlenker über das Akademieviertel sollte es gut sein. Wuchtige Gebäude aus der Jahrhundertwende flankierten die Ludwigsstraße bis hin zum Siegestor. Großstädte wie München besaßen keine Campusuni, sondern sich vom Haupthaus in alle Richtungen verteilende Ableger und Institute. Dafür glänzte die LMU mit einem guten Ruf, München legte nach.

Auf dem Weg zu Sebastians Wohnung blendete der Bildschirm in der U-Bahn die Bundesligaergebnisse ein. Das Nord-Süd-Derby Bayern vs. HSV war 1:0 ausgegangen. Zum Glück interessierte mich Fußball nicht sonderlich. Spannender war, dass München im subjektiven Stadtduell gegen Hamburg mit 5:4 führte. Ich ertappte mich, wie ich von der Stadt zu schwärmen begann. So ein Mist, ich hatte meine beiden Ziele verfehlt. Sebastian und ich blieben Freunde und die Stadt hatte mich überrascht. „Wir werden uns wiedersehen“, schwor ich München - bei besserem Wetter und mit mehr Zeit…

5. November 2009 Kommentare: 2

Ein Monat = ein Roman

Der Anfang einer Novelle ohne Plan und Veröffentlichungsabsicht, allein dem “National Novel Writing Month” geschuldet:

Unser Blick fällt auf einen Flur, der als ein unbeschriebenes Blatt im räumlichen Sinne dienen soll. Ein gräuliches Etwas, welches sich bis zum Ende des Blickhorizonts erstreckte, der wiederum nach 100 Schritt ein jähes Ende an einer nicht minder grauen Wand fand. Einige Türen, natürlich geschlossen und in einem etwas dunklerem Grauton gehalten, der sich nur unwesentlich von der Boden- und Wandfarbe unterschied, waren zu erkennen und bei angestrengterem Hinsehen zeigten sich einige Bilder, die halbwegs gerade an den Wänden zwischen den Türen angebracht waren. Bei den Bildern handelte es sich um unspektakuläre Werke unbekannter, dass heißt nein, nur der Allgemeinheit und in der Kunst bewanderteren Geistern nicht bekannter Menschen, die gelegentlich und auch für ihre Freunde oder Verwandten sichtbar mit Farben, Stiften und Materialien arbeiteten, um Ereignisse zu reflektieren, Gefühle auf die Leinwand zu bannen und vielleicht sogar Betrachtern eine Freude zu bereiten.

Ein Bild zeigte die unverkennbare Handschrift eines Kleinkindes, welches eine weiße Fläche mit den zur Verfügung stehenden, also in Extremitätenreichweite des Kleinkindes befindlichen Stiften bemalt und sich noch keinem bildlichen Zwang unterworfen hatte. Linien in roter, blauer, grüner, gelber und schwarzer Farbe umschlangen sich eng wie ein frisch verliebtes Paar, das nicht voneinander lassen kann, und trennten sich dann nach einer Weile, in der die Leidenschaft verglüht gewesen sein könnte, und die hier durch einige verschlungene Zentimeter ihren Ausdruck durch die Hand des kindlichen Künstlers fand, der von diesen Dingen wenig gewusst haben dürfte, falls er oder sie nicht die leibliche Frucht einer solchen Weile war. Die in der rechten unteren Ecke prangenden Initialen kündeten davon wenig und so striff unser Blick weiter, glitt an einer der Türen vorbei und verharrte auf dem nächsten Bild, dessen eine Hälfte in ein Meerwasser in tropischen Gefilden gebührendes Blau und dessen andere Hälfte von einst farbhaltigem Wasser in das braun-grün eines im Hochsommer wie jedes Jahr umkippenden Teiches in einem Stadtpark getaucht worden war, an dem die Spaziergänger, stoisch und hinter vorgehaltener Hand über die Hässlichkeit der sich hier manifestierenden Natur wetternd, entlang flanierten.

Doch riss man sich von diesem Werk los und ignorierte die anderen, im Flur verstreuten Bilder, so offenbarte sich noch immer nicht, ob man sich gerade im Flur eines Krankenhauses, dessen abgelegener Trakt nicht ständig die Frage zwischen Tod und Leben mit beantworten musste, am für Besucher nicht geöffneten Freitag Nachmittag in der dritten Etage des Rathauses einer Stadt mit einer Einwohnerzahl irgendwo zwischen Elmshorn und Berlin oder im fünften und letzten Stock eines Altenheimes, dass die größten und komfortabelsten Wohnungen für die Bewohner in der Endetage bereit hielt, befand. An die Ohren drang ein zaghafter Laut, dem man nachspüren konnte, wenn man sich von einer zur nächsten Tür huschend durch den Flur bewegte und immer wieder kurz inne hielt, um den eigenen Gehgeräuschen nachzuhorchen, bis sie verklungen waren, und den vertrauten Ton erneut zu vernehmen. Ein leises Qietschen eroberte sich Stück für Stück die volle Breite und Länge des Flures wie ein langgezogener Laut, der ein einsames Tal zu erfüllen vermag. Wurden hinter den Türen Patienten von besorgten, in einer nach ersten Anlaufschwierigkeiten gewinnbringend laufenden Gemeinschaftspraxis organisierten Zahnärzten behandelt, die ihren Dienst an den Mündern der Nation behutsam und bestimmt verrichteten, hatten sich mehrere Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Begabung und Herkunft in den ihnen zugewiesenen Klassenräumen versammelt und lauschten den Ausführungen ihrer nicht mehr mit Kreide auf grünen oder dunkelbraunen Tafeln schreibenden, sondern mit Stiften sowie zugehörigen White Boards ausgerüsteten Lehrkräfte oder verrichteten Angestellte eines von der Wirtschaftskrise gebeutelten, dennoch laut dem seit vielen Jahren tätigem Management mit hervorragenden Zukunftsaussichten versehenem Unternehmen aus der Finanzdienstleistungsbranche unaufgeregt ihre Verwaltungsarbeit?

Boden, Wände, Türen und Bilder schienen keinen Geruch zu verströmen, der auf irgendetwas hätte hindeuten können, unter den Türen krochen keine Düfte hervor, die auf Tätigkeiten zur Erhaltung oder Verbesserung des Lebens von Pflanzen, Tieren oder Menschen hindeuteten. Dieser Organismus gewordene Nicht-Raum, denn Flure wurden im allgemeinen nicht als Räume betrachtet, sobald findige Immobilienmakler mitmischten und vornehmlich im privaten Bereich hingegen schon, bewegte sich nicht und roch nicht, er war einfach da. Ein in der Ableitung und Assoziation erfahrener Mensch hätte jedoch ausschließen können, dass es sich um Privatwohnungen in einem gute Lebensqualität bietenden, aber nicht begeisterndem Mehrfamilien- oder Hochhaus handelte, da sich die auf die Markierung des einzelnen Reiches bedachten Menschen entsprechende Namenschilder und Verzierungen an den Türen aufgehängt hätten, und über die Anbringung von Klingeln wäre wohl ebenfalls nachgedacht worden. Bei aller Bedachtheit auf das in guter Nachbarschaft miteinander Auskommen, wäre nach spätestens sechs Monaten der erste Streit über das ein oder andere störende Bild entbrannt, welches doch bitte wo anders hängen solle. Aufgrund der Verschiedenheit der Menschen wäre eine alle Anwohnerparteien zufrieden stellende Bildaufhängungsordnung wohl unverhandelbar gewesen und ihr Fehlen hätte in nächtlichen Bildtauschaktionen gemündet, bei denen es freilich nicht geblieben wäre. Die beinahe biblische Frage, wer denn ohne Abstimmung das erste Bild umgehängt habe, hatte in anderen Fällen auf einem Eskalationspfad über verschiedene verbale und Gewaltausbrüche schon zu Mord und Totschlag geführt.

Nein, hier wohnten, geschweige denn lebten keine Menschen. Das am Rande des klinischen Todes anzusiedelnde Leben des Flurwesens schien sich aus blanker Not in der Einsamkeit eingerichtet und ein für den sensiblen Besucher spürbares Interesse an der Fortexistenz dieses Zustands entwickelt zu haben. Gerade wollten wir dem Flur diesen ersten, letzten und einzigen Gefallen tun, als sich eine der Türen öffnete und ein Mensch heraustrat. Er trug eine dunkle Stoffhose, deren Bund auf schwarzen Lederschuhen aufsaß und knapp oberhalb des Gürtels über einem eingesteckten Hemd endete. Entweder war die Frau an seiner Seite führend in den das Paar betreffenden Modefragen und hatte ihrem Liebsten diese Kleidungsstücke als dem Umständen entsprechend anempfohlen oder der Mann, der Mensch war nämlich männlichen Geschlechts, legte allenfalls halbwegs Wert auf Kleidung. Die Stoffhose hätte etwas enger am Gesäß sitzen können, das Hemd schlackerte ein wenig auf der Brust und die Füße konnten sich in ihrem Territorium recht frei bewegen. Wie dem auch sei, der Mann hieß Jonas und schenkte dem Flur keine Beachtung, mit schnellen Schritten überwand er die Entfernung zur Stirnseite des Flures und wir heften uns für eine Weile an seine Fersen…

7. Oktober 2009 Kommentare: 6

Der gehobene Teeliebhaber - eine weitere Kurzgeschichte

Ich musste mich ein wenig beeilen und hastete die letzten Schritte zum Café Geneva. Hoffentlich wartete Annika nicht schon auf mich. Endlich kam der geschnörkelte und wohl vertraute, auf der Caféscheibe prangende Schriftzug in Sicht. Ich entspannte mich leicht, obgleich ich Annikas zerbrechliche Silhouette nicht erblicken konnte.

Ich atmete durch, stürmte hinein in die heimelige Wärme des Cafés und tatsächlich, sie saß bereits am wackligen Tisch in der hinteren Ecke. Ihr langes Haar ruhte geordnet auf ihren Schultern und umspielte ein elegantes braunes Oberteil. Annikas Augen wanderten durch den Raum und richteten sich auf mich, den Neuankömmling. Ich trat zu ihr, versuchte mich an meinem charmantesten Lächeln, und konnte die recht hölzerne Begrüßung dennoch nicht entscheidend auflockern. Ich legte meine Sachen ab und setzte mich auf den freien Stuhl. Nun hockten wir uns gegenüber und ich durchbrach unser Schweigen:
“Tut mir leid, dass ich zu spät gekommen bin. Hoffentlich hast Du noch nicht lange gewartet.”
“Ist schon okay, jetzt bist Du ja da.”, antwortete sie und schenkte mir das erste ehrliche Lächeln dieses Nachmittags.
“Wisst Ihr schon, was Ihr trinken wollt?”, fragte die unbemerkt an unseren Tisch gekommene Bedienung. Ich musterte sie flüchtig und blieb weder an ihrer Kombination aus schwarzem Shirt und passender Hose noch ihrem Gesicht hängen.

Annika bestellte eines dieser neumodischen Kaffeemischgetränke, dessen Aussprache den meisten Deutschen Probleme bereitet, ihr hingegen nicht. Ich wusste ebenfalls, wonach mir der Sinn stand und es wäre ein Leichtes gewesen, meinen Bestellwunsch in gängige Worte zu kleiden. Wenn, ja wenn da nicht meine kleine Privatfehde mit der im Deutschen für diese selten kalt gereichte Erfrischungsmöglichkeit gebräuchlichen Bezeichnung gewesen wäre. Zudem wollte ich Annika beeindrucken und ihr beweisen, mit welchem weltgewandten Mann sie sich gerade traf. Ich hob an:
“Ich hätte gerne etwas von diesem dem Munde Geborgenheit schenkendem Blütenwasser und Kräutertrunk.”
“Äh, Entschuldigung, bitte was?”, entfuhr es der Dame in schwarz.
“Ich bin durstig und dachte daran, mir durchs Trinken des verbreiteten Pflanzengebräus Erleichterung zu verschaffen. Na, Du weißt schon, Blätter in einer erhitzten Flüssigkeit im Becher serviert…”, sprach ich, um ihr ein zweites Mal verbal die Hand zu reichen.

Sie legte ihre Stirn in Falten, schüttelte zaghaft den Kopf und aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie Annikas Miene langsam versteinerte. Es schien der erste Tag der Bedienung zu sein und ich unternahm einen dritten Anlauf:
“So schwierig ist es doch nicht. Bring mir einfach diese kochende Flüssigkeit mit Geschmack, dieses nicht kaffeehaltige englische Traditionsgetränk. Wohl temperiertes Nass und Erquickungsessenz in einem. Bis dato nicht, aber bald überall als wohl schmeckende Magenlotion verlangt. Ach, was rede ich, mir gelüstet es nach meinem Schmiermittel des Nachmittags, belebender Erkältungsmedizin auch für Gesunde, heißer Dichterluft in einem anderen Aggregarzustand!”
Verständnislos starrten mich die beiden Frauen an, sie schienen zu Komplizinnen des Moments geworden zu sein. Ich atmete tief ein und aus. Die Bedienung reagierte nicht und starrte mich weiter an. In meinem Verstand begannen sich derweil Buchstaben zu einem Wort zu formen, deren Aussprache ich bereuen würde. Doch ich war sehr durstig und bestrebt, Herr der verzwickten Lage zu bleiben und mich vor den Augen Annikas zu rehabilitieren.

Meine Lippen begannen zu zucken und den unheilvollen Konsonanten zu formen. Ein Teil von mir sträubte sich und suchte einen anderen Ausweg. Er wurde nicht fündig und ehe ich mich versah, durchschnitt wie ein Pistolenschuss das “T” gefolgt von einem zwischen den Lippen hervor gepressten “eeeee!” den Raum. Hektisch sah ich mich um, zum Glück war das Café spärlich besucht und außer den beiden Frauen hatte niemand mein Missgeschick verfolgt. Die Bedienung nickte und verließ uns abrupt. Annika blickte mich vorwurfsvoll an und ich war den Rest des Nachmittags beschäftigt, sie wieder einigermaßen zu beruhigen und die Bedienung mit einer großzügigen Bestellung samt Trinkgeld zu besänftigen.

7. September 2009 Kommentare: 4

“Alltagsfantasien”, Beginn einer interaktiven Fortsetzungsgeschichte

Der September scheint ein Monat der lyrischen Experimente zu werden. Wie wäre es mit einer kleinen Fortsetzungsgeschichte (siehe unten), die Kraft der geneigten Leserinnen und Schreiberlinge dieser Seite eine ungeahnte Dynamik entwickelt? Als einzige “Regel” möchte ich den Vorschlag in den Raum stellen und mich ebenfalls daran halten, sich jeweils frühestens nach fünf fremden Kommentaren/Beiträgen wieder in den Fortgang der Ereignisse einzumischen. Ausnahmsweise gilt dieses Mal, dass viele Köche den Brei bereichern statt verderben!

Eruption der Erzählkunst oder poetischer Rohrkrepierer - wir werden sehen. Wohlan:

Georg versuchte sich zu konzentrieren. Angestrengt kniff er die Augen zusammen und fixierte zum wiederholten Male den Bildschirm. Seine Chefin hatte ihn extra darauf hingewiesen, dass der Bericht bis heute Abend fertig sein müsse. Und er wollte sie nicht enttäuschen, konnte ihrem Auftrag aber nicht recht nachkommen. Das ereignisreiche Wochenende steckte ihm in den Knochen und ständig schweiften seine Gedanken ab. Vorhin, als sich endlich ein zarter Arbeitsfluss eingestellt hatte, rief unpassenderweise Manuela aus der Buchhaltung an und brachte ihn mit einer Frage aus dem Konzept. Jetzt lag ihm das Mittagessen schwer im Magen und er hockte nutzlos auf seinem Platz. Seine Augen ruhten auf den ersten drei Zeilen des Berichts. Weiter war er bis dato nicht gekommen. Während er vor sich hin starrte, verschwamm sein Sichtfeld und ihm kam in den Sinn wie…

31. Juli 2009 Kommentare: 9

“Profanes Zeug” - mein Beitrag zum Wettbewerb der Schreibwerkstatt

Ich habe zwar noch keine Ahnung davon, wie man Kurzgeschichten schreibt, keine zündende Idee, viel zu wenig Zeit, finde das Thema „Traumtinte“ blöd und das Preisgeld ist mir verständlicherweise auch viel zu niedrig, aber anbei findet sich trotzdem mein in rund drei Stunden zusammengewurschtelter liebevoller Beitrag für den Kurzgeschichtenwettbewerb der Seite schreibwerkstatt.de mit der Themenvorgabe Traumtinte:

Klaus Randolf Schlingelheimer war mies gelaunt und das nicht ohne Grund. Er hatte das Gefühl, heute mit dem falschen Bein aufgestanden zu sein und dieser Eindruck hatte sich schon in den frühen Morgenstunden weiter verstärkt als er sich bei der Rasur im Badezimmer erst in den Hals schnitt, um beim anschließenden Frühstück gleich zweimal die üppig mit Marmelade bestrichene Brötchenhälfte auf den Boden fallen zu lassen. Zumindest hatte sie trotzdem gut geschmeckt. Normalerweise würde er versuchen, so einen Tag schnell herumzubekommen, um abends mit den Jungs in „Franzis Eck“ ein bisschen Karten zu kloppen und ein paar Bierchen zu zischen.

Pustekuchen, sein Anwalt, dieser aufgeblasene Fatzke, hatte ihn heute Morgen bereits angerufen, nebenbei unwissentlich für den zweiten Marmeladenunfall sorgend, und ihn erneut daran erinnert, endlich das für den Abschluss der leidigen Erbschaftsangelegenheit benötigte Schreiben zu verfassen und das Ganze bitte im amtsgängigen Deutsch und mit Tinte. „Und mit Goldrand und gewachstem Siegel“, fügte er missmutig am Schreibtisch hockend hinzu. Klaus mühte sich nun seit zwei Stunden ab und hatte bisher beachtliche oder eher jämmerliche drei Sätze zu Papier gebracht, wenn man die Anrede großzügig mitzählen würde. Aus einigen Schritt Entfernung beobachtet bot sich ein noch weitaus skurrileres Bild, wie ein Walross hatte er sich mit seinem beachtlichen Leibesumfang und der wuchernden Haarpracht an den viel zu kleinen Schreibtisch gezwängt und von Zeit zu Zeit schnaubende Geräusche von sich gegeben. Zurück zu Klaus, plötzlich versiegte sein ohnehin kaum festzustellender Schreibfluss völlig und die Feder kratzte knochentrocken über das Papier. „Schöne Scheiße, die Tinte ist alle!“ polterte er und schrie gleich hinterher „Rottraut, die Tinte ist alle!“. Nichts passierte, „Rottraut, wo biste, wenn man Dich braucht?“. Da fiel ihm siedend heiß ein, dass sich seine holde Gemahlin ja zum Tratschen mit Frau Müller verabredet hatte. „Son’n Mist, die Tinte is’ aus!“ grummelte er und durchwühlte unwirsch die Schreibtischschubladen, ohne fündig zu werden.

Er stemmte sich hoch, stapfte geladen zur Geraderobe und streifte seinen schon leicht speckigen Lieblingsmantel über, der das Walrosssinnbild aus der Ferne betrachtet perfekt abrundete. Mit verbissenem Gesichtsausdruck watschelte Klaus durch den Nieselregen hin zum Schreibwarengeschäft seiner Wahl, das heißt in seiner Kleinstadt blieb ihm keine Wahl, jeder hatte sich der Macht des örtlichen Schreibwarenmonopolisten zu beugen oder musste sämtliche Korrespondenzambitionen aufgeben. Klaus zwängte sich mühsam durch die enge Eingangstür des Rotklinkerbaus, ohne die Auslage in den Schaufenstern eines Blickes zu würdigen, denn sein ganzer Leib und Sinn schrie nach Tinte! Doch wo war Rottraut mit ihrem gefürchteten Kontrollblick, wenn er sie brauchte? „Wahrscheinlich gackert sie gerade wie ein Huhn über irgendeine blöde Geschichte dieser Frau Müller“ dachte er noch und schon war es so weit. In Anbetracht der präsentierten, schier end- und sinnlosen Papier- und Papp-, Bleistift- und Buntstift-, Textmarker-, Kugelschreiber-, Folien-, Verpackungs-, eben Schreibwarensachen- und nicht zu vergessen Füllerfülle fuhr ein Ruck durch Klaus’ Leib und er ging beinahe visuell überfordert in die Knie, erfreulicherweise verbat seine imposante Leibesfülle derartige akrobatische Einlagen und so klammerte er sich an ein bedenklich ins Trudeln geratendes Ordnerregal, um seine Fassung wiederzugewinnen.

Erst jetzt wurde ihm bewusst, welch reger Betrieb in dieser veritablen Brutstätte des Kapitalismus’ herrschte. „Waren schwebende Erbschaftsangelegenheiten gepaart mit akutem Tintenmangel wie eine biblische Plage über die Menschheit gekommen, hatten die Leute keine Arbeit und versuchten der häuslichen Langeweile durch ein wenig Stöbern im Schreibwaren(bes)tand zu entrinnen oder gab es hier irgendwo etwas zum Essen?“, ging ihm in schneller Abfolge durch den Kopf. Sofort schoss ihm ein wenig Speichel in die Mund, doch seine kulinarisch geschärften Sinne konnten nichts zum Verkauf feil gebotenes und im Ansatz Essbares entdecken.

Mit aller Macht konzentrierte sich Klaus auf seine eigentliche Aufgabe, den von langer Hand geplanten Tintenkauf. Zu seiner Erleichterung erblickte er Frau Meyer, die bereits seit gefühlten 100 Jahren über die Tinten- und Füllerecke des Ladens herrschte und er setzte sich in ihre Richtung in Bewegung, um diesem Schreibwarenalptraum möglichst bald ein Ende zu bereiten. Er wähnte sich bereits am Ziel und musste doch erkennen, dass sich drei Damen zu einer lockeren, an der Füllertheke von Frau Meyer mündenden Schlange formiert hatten. Zu Dick und zu alt waren sie nach Klaus’ Geschmack alle, daher spitzte er neugierig die Ohren, um Einzelheiten der Gespräche zu erhaschen.

Die erste Frau flötete los: „Frau Meyer, ich muss Ihnen ein Kompliment machen – Ihre Empfehlung war goldrichtig. Sie hatten Recht, diese neue Tinte von Ihnen ist traumhaft, da gleitet der Füller wie von selbst über’s Papier. Heraus kommen wunderbare Zeilen, so etwas habe ich meinen Lebtag bisher nicht erfahren dürfen und mein Mann ist auch ganz begeistert - wenn sie verstehen, was ich meine.“
„Aber natürlich, Frau Baumann. Es freut mich sehr, dass Sie zufrieden sind. Darf’s denn dieses Mal gleich die Zehnerpackung in rot sein? Sie wissen ja, eine Patrone gibt’s dann obendrauf umsonst!“ antwortete Frau Meyer und prompt klingelte es gehörig in der Kasse.

Jetzt war die zweite Frau an der Reihe und geriet ebenfalls ins Schwärmen: „Also Frau Meyer, dass hätte ich wirklich nicht erwartet. Natürlich vertraue ich Ihrem Rat, aber ich kann nur sagen, traumhaft. Seit meine Kinder die Tinte in der Schule und für die Hausaufgaben benutzen, gibt es bei uns gar keinen Streit mehr.“
Sie kicherte ein wenig verlegen und flüsterte leicht verstohlen: „Frau Meyer, ich habe Ihren Geheimtipp tatsächlich befolgt und mich mit der Tinte jeden Abend eingerieben. Wirklich jeden Abend und es wirkt, ich hatte süße Träume und das etwas häufigere Waschen der Bettwäsche und längere morgendliche Verweilen im Bad nehme ich dafür gern in den Kauf. Georg hat seinen Füller auch schon mit der Tinte aufgeladen.“
Frau Meyer zwinkerte der zweiten Frau vergnügt zu, reichte Ihr die große Tintenpackung in schwarz und kassierte ab.

Leicht verunsichert lugte Klaus an der dritten Frau vorbei, um einen Blick auf die auffällig ausgestellte Ware zu erhalten. Blaue, schwarze, rote und grüne Kartons unterschiedlicher Größe waren kunstvoll auf der Füllertheke vor Frau Meyer gestapelt worden und schoben sich mutwillig in jedermanns Blickfeld. Sofort fiel ihm der in großen Lettern gedruckte Werbespruch auf, welcher jede Tintenpackung zu verzieren schien – Frau Meyers Traumtinte, für mehr Genuss in allen Lebenslagen und in vier Farben. Jetzt neu und nur exklusiv bei uns! Klaus schüttelte widerwillig den Kopf wie man es tut, wenn man einen unangenehmen Gedanken abschütteln will.

Unvermittelt drangen die Worte der dritten Frau an sein Ohr „…jeden Morgen vor dem Frühstück eine Patrone getrunken wie empfohlen. Das Sichtfeld verschwimmt im ersten Moment ein wenig, ein kurzweiliges Schwindelgefühl kommt auf, ein leicht bleierner Geschmack legt sich auf die Zunge und ein flaues Gefühl im Magen mit gelegentlichem Aufstoßen stellt sich ein, aber es wirkt. Ich gehe wie auf Wolken durch den Tag und alles geht mir wunderbar von der Hand. Täglich möchte ich mein Glück auf der Straße herausbrüllen und fremden Menschen zurufen. Nein, dass ist kein Traum mehr, sondern mein Leben!“.
Frau Meyer nickte der dritten Frau bestimmt zu: „Halten Sie nichts zurück, Frau Schulze und genießen Sie Ihr neues Leben. Einmal die große Packung in grün, nehme ich an?“.
Die dritte Frau nickte eifrig, zückte ihre Geldbörse und überreichte Frau Meyer den gewünschten Betrag, um Ihr Paket in Empfang nehmen zu können.

Klaus bemerkte jetzt erst den leichten Schweiß an seinen Händen und wie sich sein Herzschlag in den letzten Minuten beschleunigt hatte. Die Versuchung hatte sich langsam an ihn herangepirscht, nun war sie da und streckte gierig die Fänge nach ihm aus. Er blickte sich gehetzt um, doch die letzte Frau vor ihm wand sich zum Gehen und niemand
anderes war mehr vor ihm.

Er dachte noch, „Och nee, dann gibt’s nur wieder Ärger mit Rottraut!“ und dann war er an der Reihe. Barsch stieß er hervor: “Ich sitze äh nein wünschte, tief in der Tinte zu sitzen und denke nicht im Traum daran, Ihr Wundermittel zu kaufen – also her mit dem profanen Zeug in blau!“. Klaus bezahlte und ging.

Ein Kurzgeschichtenexperiment von Sonning Strauß

23. April 2009 Kommentare: 2

Es wird geschrieben, Baby!

robo

In dieser Rubrik gibt es dann ab der zweiten Jahreshälfte 2009 Fragmente des entstehenden Romandebüts zu lesen und wer weiß, vielleicht kann der geneigte Kommentator den Inhalt gar ein wenig beeinflussen…

P.S. Also beizeiten als Leser bitte ebenfalls fleißig in die Tasten hauen. ;)