Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

15. Dezember 2010 Kommentare: 4

Es ist ein Ros(s) entsprungen…

Die Fälschung:
„Es ist ein Ros entsprungen – aus einer Wurzel zart, wie uns die Alten sungen, aus Jesse kam die Art. Und hat ein Blümlein bracht, mitten im kalten Winter, wohl zu der halben Nacht.“

Das Original: Eine Pferde-Liebesgeschichte.
Roswitha war ein rassiges Ross. Ihre goldene Mähne lag glatt auf ihrem Hals, ihre vollen Lippen entlockten noch dem grantigsten Stallburschen ein Zuckerstückchen und ihre schlanken Fesseln brachten jeden Hengst um den Verstand. Wäre da nicht ihre Mutter gewesen, die eifersüchtig über die Ordnung im Stall wachte. Mama wurde von den Alten nur zarte Wurzel genannt, was sich auf ihre Erscheinung als Fohlen bezogen haben musste. Mittlerweile hatte sie den Hintern eines Brauereipferdes, was daran liegen mochte, dass sie bis zu Roswithas Geburt für eine Brauerei gearbeitet hatte.

Tagsüber tobte Roswitha unter den wachsamen Augen ihrer Mutter über die Koppel. Warf Schülerinnen ab. Erschlug Bremsen mit ihrem Schweiß oder ließ sich von einem Stallburschen ordentlich striegeln. Nachts lag sie im Stroh ihrer Box und träumte vom edlen Schimmel, der den weißen Ritter abwarf, und sie zu seiner Stute machte. Stellte sich vor, wie sie kleine weiß-braune Fohlen gebar. Oder vom stolzen Rappen, der sie aus dem Stall entführte, um mit ihr über mondbeschiene Lichtungen zu traben. Gemeinsam über umgestürzte Bäume zu springen und ausgelassen durch Felder und Wiesen zu galoppieren.

Derweil verlief das Leben des männlichen Protagonisten holpriger:
Paul war ein fauler Gaul mit vorlautem Maul. Sein Vater, ein abgehalfteter Holsteiner, hatte seine Mutter, ein sprödes Springpferd namens Wendy, auf einem Ponyhof entdeckt. Sie gedeckt und befleckt, ehe sie es gescheckt, und war kurz darauf an einem verschimmelten Bündel Stroh verreckt. Wendy war zu Tode erschreckt, wurde von den anderen Stuten geneckt und gab den kleinen Paul weg.

An einen Zirkusclown, der Unterstützung für einige Sketche suchte. Paul lernte jonglieren, Teller auf den Hufen balancieren und wie ein Araber zu wiehern. Doch die Bezahlung war mau, Paul hielt sich für schlau und sagte dem Clown, er wolle studieren. Da jagte der Clown ihn wie ein pummeliges Pony vom Hof, was nicht ganz abwegig war, denn Paul war ein pummeliges Pony und kein Manegenstar. Paul galoppierte in die große Stadt, um Fuhrwerkspferd zu werden. Doch an der Station teilte man ihm mit, er solle wiederkehren, wenn er lange Beine und einen schlanken Körper hätte, also nie. Aber das zwang Paul nicht in die Knie. Er bewarb sich beim Militär und erfuhr nach einer gründlichen Musterung, die Pferdestaffel gab es nicht mehr. Der Gaul Paul hätte kotzen können, leider klappte es selbst in dieser Geschichte nicht.

Ein kalter Winter brach an und Paul sprach bei den Reiterhöfen im Umland vor. Erfolglos versteht sich, mehrfach wurde er abgewiesen. Im vorletzten Stall putzte ihn eine matronenhafte Mähre runter, doch Paul hatte keine Augen und Ohren für sie. In der anderen Ecke des Stalls richtete sich nämlich Roswitha auf, schürzte ihre vollendeten Lippen und blies Luft durch ihre neckischen Nüstern. Roswitha sah, dass sich ihre Mutter mit einem popeligen Pony unterhielt und trabte spielerisch an ihr vorbei in die beheizte Reithalle. Pauls verfettete Herzkammern verkrampften sich und er entbrannte in Liebe für diese sündige Stute.

So folgte er dem Rat von Roswithas Mutter und verdingte sich auf dem verbliebenen Reiterhof als Stundenpony. Dort krabbelten drei verschiedene Gruppen von Kindern aus seinen Rücken: Dicke Kinder, dumme dicke Kinder und stinkende dumme dicke Knirpse. Das störte Paul nicht, denn er hatte sein Auskommen und während Roswitha nachts in ihrer Box lag und vom Rappen oder Schimmel ihres Herzens träumte, schwelgte Paul in der Erinnerung an Roswithas Rücken, Fesseln und Rachen. Er ersann einen meisterhaften Plan, um das Herz seiner Liebsten, der er bis an den Oberschenkel reichte, zu gewinnen. Paul wollte ihr eine der seltenen Winterblumen ans Zaumzeug heften und ihr dann seine Liebe gestehen. So brach Paul an einem klaren Winterabend auf. Leider merkte er nicht, wie wenig er sich auskannte. Paul irrte die halbe Nacht durch den Forst und zitterte schon am ganzen Körper.

Plötzlich betrat er eine Mond beschienene Lichtung. Dort erhob sich ein majestätischer Strauch, der in einer herrlichen, blassblauen Blüte endete. Paul schlug erleichtert nach hinten aus. Ja, das war es. Das Pfand, mit dem er die Stute seines Herzens freien würde. Zärtlich stülpte er seine Lippen über den Stängel und trennte die Blüte ab. Süßlicher Duft stieg ihm in seine Nüstern und fast wie von selbst schoben seine Lippen das Unterpfand der Liebe Stück für Stück in sein Maul. Wie von Sinnen schlang Paul die Blüte herunter. Liebestrunken und berauscht vom Blütenstaub irrte Paul einige Stunden durch den Wald bis er jämmerlich erfror. Ein Bauer fand das tiefgefrorene pummelige Pony Wochen später und ließ es zu Pferdewurst für den Weihnachtsmarkt verarbeiten.

Roswitha, das reinrassige Ross, geriet an einen reichen Rüpel, aber das war eine andere Geschichte…

10. Dezember 2010 Kommentare: 4

Namensfindung

(…)
Maria: “Die Prophezeiung besagt, dass er Jesus heißen soll.”
Josef: “Aber was ist mit Michael oder Thomas?”
Maria: “Nein Josef und fang jetzt bitte nicht an mit mir zu diskutieren”
Josef: “Na gut, aber was den Familiennamen angeht…”
Maria: “Nachname Davidson”
Josef: “Warum nicht Josefson?”
Maria: “Ach Josef, Du verstehst aber auch gar nichts!”
Josef: “Es ist mein Kind, dürfte ich vielleicht auch etwas mitbestimmen?”
Maria: “Nein. Unser Sohn soll Jesus Finn Christian Davidson heißen. Ende der Namensdiskussion”
Ende der Namensdiskussion.

4. Dezember 2010 Kommentare: 3

Wenn ich ein Hase wäre…

Bei Schnee bepuderten Straßen und Wegen, auf denen Füße und Räder dahin rutschen, bei klarer Luft, die sich in den Lungen drängt, beim adventlichen Sog, der sich langsam aller bemächtigt, fielen mir posierlichste Tiergeschichten ein…

Wenn ich ein Hase wäre, hoppelte ich fröhlich über’s Feld. Hielt meine putzigen Löffel in die Höhe und ließe den Wind an meinen Härchen spielen. Mümmelte den ganzen Tag saftiges Gras und bestiege meine Häsin. Genösse mein Leben und dächte nicht an morgen. Bis sich ein Schatten am Himmel zeigte und ein Habicht hinab stürzen würde und mich schlüge. Oder ein Rascheln im Unterholz lockte und mich dort ein Füchslein vernaschte.

Wenn ich ein netter Mensch wäre, schriebe ich keine bösen Geschichten.

Wenn ich eine Großstadtkatze wäre, tobte ich durch die Wohnung meines Frauchens und striche mit meinen Krallen über den Dielenboden. Zur Freude der Nachbarn und Nachmieter. Spielte fangen mit einem Wollknäuel oder den Ohrläppchen der Menschen. Verschwände durch die Katzentür über die Katzenleiter im Park. Schliche dort durch die Büsche zum Apfelbaum. Spielte mit meinen Freunden den Vögeln und durchbohrte ihr Federkleid dann mit meinen Krallen. Bis mich eine junge Mutter mit ihrem Golf überfahren würde oder ich in die Hände einer brutalen Jugendclique fiele, die mich folterte.

Wenn ich ein Charmeur wäre, käme ich bei all den tollen Frauen im Saal gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Ladies, Ihr habt Euch heute ‘mal wieder umwerfend zurechtgemacht. Süßes Oberteil. Tolle Haare und was bist Du hier vorne erst für ein Augenschmaus. Zum Glück zählen die Inneren Werte und auf all das kommt es nicht an.

Wenn ich ein Choleriker wäre, regte ich mich jetzt richtig auf: Über die hohen Steuern, die ich nicht zahle und deren Verwendung durch unfähige Politiker nicht nachvollziehbar ist. Elbphilarmonie, Hafencity im allgemeinen, die HSH-Nordbank, Schutz der Atomtransporte durch übermüdete Polizisten vor harmlosen Bürgern, Stuttgart 21. Ach, da weiß man gar nicht mehr, wo man anfangen und aufhören soll. Wo es angefangen hat und ob es jemals wieder aufhören wird. Ob es überhaupt angefangen hat und wieder aufhören kann. Früher war sowieso alles besser, — die Jugend von heute und — die da oben. Und immer die anderen, nie ich! Leider weiß ich, dass das Leben aus Graustufen statt Schwarz-Weiß-Malerei besteht.

Wenn ich ein gut erzogener Mensch wäre, hülfe ich alten Menschen über die Straße. Begegnete Fremden freundlich und unvoreingenommen. Aber Ich schubse sie lieber zur Seite, jeder ist sich selbst der Nächste.

Wenn ich ein Gentleman wäre, verkniffe ich mir die folgenden, an meine Ex-Freundin gerichteten Worte: Also Beate, ich bin echt froh, dass es aus ist. Du bist eine Niete im Bett, selbst Bügeln war spannender als Sex mit Dir. Das Einzige, was an Dir gut roch, war Deine frisch gewaschene Kleidung. Du bist mindestens genauso nervig wie Deine Mutter. Ich hasse Hunde, mag keine Kinder und einmal die Woche treffen reicht mir generell, sonst war ich aber ehrlich zu Dir. Übrigens, Du hattest noch Deine Stutzstrümpfe, Schlafmaske und weiteres Zeug bei mir herumliegen. Brauchst den Mist nicht mehr abzuholen, habe ich bis auf die Leggings weggeschmissen. Die Dinger passen mir ganz gut.

Wenn ich ein Feigling wäre, stünde ich nicht hier.

Wenn ich ein reicher Mensch wäre, kaufte ich mir immer sofort alles, was ich haben will. Führe ein dickes Auto, wohnte in meiner Traumwohnung, unternähme teure Urlaubsreisen. Spräche mit meinen Freunden viel über Geld und Dinge, die man damit machen kann. Und wäre wahrscheinlich keinen Deut glücklicher als jetzt.

Wenn ich ein Macho wäre, machte ich klare Ansagen an die Frauen: Du, Du und Du, Ihr drei bewegt Euren süßen Hintern nachher in den Backstage-Bereich. Den Schampus könnt Ihr selbst mitbringen. Groupiesex und Toiletten putzen ist angesagt, entscheidet Euch, wer was macht.

Wenn ich ein böser Mensch wäre, ergötzte ich mich an all dem Leid und Elend in der Welt. Hunger, Krieg, Krankheit, Elend – alles ist im Angebot. Einfach den Fernseher oder Rechner anschalten und genießen.

Wenn ich ein zufriedener Mensch wäre, fände ich mein Leben schön. Freute mich morgens nach dem Aufstehen auf den Tag. Träfe tagsüber nette Leute und hätte bei der Arbeit halbwegs Spaß. Und abends fiele ich erschöpft und glücklich ins Bett. Moment, ich merke gerade, dass ich zufrieden bin.

Wenn ich ein Narr wäre, gäbe ich meinen gut bezahlten Job auf und verzichtete auf die sich abzeichnende Karriere. Tschüss Arbeitszeiten, Kollegen, Zwänge - hallo Freiheit, Ruhm, Selbstverwirklichung. Den eigenen Traum jenseits der Konventionen leben. Malen. Singen. Schreiben. Reisen. Sprachen lernen. Tanzen. Welch ein absurder Gedanke!

Wenn mein Leben normal verlaufen wäre, wohnte ich jetzt in einer Reihenhaushälfte. Hätte Nicole Vogel geheiratet und trüge jetzt den Doppelnamen Vogel-Strauß. Gäbe meiner Frau abends einen Wiedersehenskuss und spielte dann mit Laura-Shakira oder Finn-Amon. Genösse die mit Elternbesuchen, Familienausflügen und Kinderterminen vollgepackten Wochenenden. Ahh, da lobe ich mir doch das Singleleben. Die gesamte Freizeit so zu gestalten, wie man es will. Das ganze Sofa und Bett für sich haben. Mit niemandem reden müssen und seine Gedanken für sich selbst zu behalten. Ein Hoch auf die Einsamkeit!

Wenn ich ein ehrlicher Mensch wäre, behauptete ich jetzt, all das Gesagte Geschriebene ernst gemeint zu haben.

19. November 2010 Kommentare: 7

Zu gut, um schlecht zu sein - zu schlecht, um gut zu sein

“Aufhören!”, rief jemand aus der hinteren Ecke des unbeleuchteten Raumes. Neben mir wand sich ein dicklicher Mittdreißiger im erbarmungslosen Griff eines Lachkrampfes, der ihn abwechselnd glucksen und wimmern ließ. In Wellenbewegungen schwappte Gelächter durch den Raum, dann herrschte wieder Stille. Vereinzeltes Aufstöhnen. Und die mittlerweile an Schmerzen erinnernden Laute des Krampfopfers. Der blonde Mann auf der Bühne, dessen Gesichtszüge mich an einen Hasen gemahnten, fuhr unbeirrt fort. Seit fünf Minuten las er die Abenteuer dreier Hasenbrüder, die in fremde Wohnungen einbrachen und dort randalierten (Vasen umstoßen, Polster zerfetzen, Flächen voll ködeln), vor. Er war als Klaus aus Stade anmoderiert worden, was wunderbar ins Bild passte. Seine Hasengeschichte war schlecht, sehr schlecht sogar. Die einzig verbliebene Frage war, ob Inhalt oder Ausdruck die Zuhörer am meisten quälten. Der Hasenbandenepos rundete den Abend der zehn schlechtesten Geschichten ab und avancierte mit jeder Zeile zum “Favoriten” der Zuschauer. Dagegen erblassten selbst renitente Fahrkartenautomaten, Bockwurst-Junkies, Bäche von Scheidenflüssigkeit, gierige Dünen, Kokosbutter vom Bodyshop, verschwundene Traktorenschlüssel, ein Herz aus Asbest und Pseudo-Philosophisches ohne Sinn und Verstand. Wieder einmal wurde mir deutlich vor Augen geführt, dass ich zu gut war, um richtig schlecht zu sein, aber zu schlecht, um wirklich gut zu sein…

6. November 2010 Kommentare: 6

Über One-Night-Stands & schlaffe Morgende

Ehrlich gewesen. Belohnt worden. Unehrlich gewesen. Belohnt worden. Drei Tage hintereinander vom Regen überrascht worden. Regenhosenkauf erwogen. Aus Imagegründen verworfen. Einen Knirps besorgt. Beim Gebrauch fast vom Fahrrad gefallen. Schmerzen gehabt. Stumm gelitten. Ziele verfehlt. Neue gesetzt. Eine Woche nur gearbeitet und gelesen. Es genossen. 24 Stunden mit niemanden geredet. Als 35. Tag des Jahres notiert. Weihnachtsgeschenke gesucht. Das Monatsbudget überzogen. Hunde gestreichelt. Katzen geschlagen. Mich Halloween als Vampiropfer verkleidet. Auf eine hübsche Blutsaugerin gehofft. Nur Massenmörder, Skelette und Zombies kennengelernt. Neun Stunden durchgeschlafen. Ich selbst gewesen. Adventskalender besorgt. Den 24. vorverlegt. Schimmel im Bad entdeckt. Dran geleckt. Mama angerufen. 30 gute Bücher gekauft. Ein schlechtes verschenkt. Zwei Kilo abgenommen. Zwei Kilo zugenommen. Schokodiät abgesetzt. Aufgetreten. Text vergessen. Einen Orgasmus vorgetäuscht. Die große Liebe nahe gewähnt. Drei imaginäre One-Night-Stands gehabt. Zwei schlaffe Morgende erlebt. Freunde vertröstet. Feinde verärgert. Gejammert. Geschämt. Getrauert. Gewusst, was zu tun war.

29. Oktober 2010 Kommentare: 4

Halloween für Arme

Bald ist Halloween. Ich habe ich mich mit Gruselgeschichten und Horrorfilmen beschäftigt…

Am Freitag, den 13., war ich bei meinem Kommilitonen Wilfried eingeladen. Seine Eltern bewohnen eine alte Villa außerhalb von Hamburg, umgeben von Wäldern und Wiesen. Ich nahm den Bus, meine Aufregung wuchs als der Busfahrer „Final Destination Bargteheide“ ansagte. Sofort nach dem Klingeln öffnete Wilfried mir. Sein Haar war in Alufolie verpackt und hinter den Ohren klebten ein paar Strohhalme. „Moin Digga, ich hatte Dir doch gesagt, dass das heutige Party-Motto „I was a teenage werewolf – Mord, Folter, Angst, Besessenheit, Voodoo, Pakte, Blut, Schmerzen, Hexerei, Flüche und was Euch sonst noch zu Hollywood-Horror einfällt – lautet, oder?“. Nein, hatte er nicht. Außerdem sah seine Verkleidung bescheuert aus.

Ich schob mich in die Eingangshalle. Wilfried schrie gegen die wummernde Musik an: „Das hier ist die Tanzfläche.“ Der weiße Hai wirbelte ein altes Weib mit Rabe auf der Schulter durch den Raum. Dracula tanzte eng mit einer Mumie. Ein Werwolf und ein Zombie bewegten sich abgehackt wie Roboter. Nur Frankenstein saß traurig in der Ecke. „Erinnert mich eher an Friedhof der Kuscheltiere für Arme als die Inkubationszelle des Bösen.“, schrie ich zurück. Mit einem Lächeln verließ Wilfried mich.

Falls ich mich heute Abend nicht vollends blamieren wollte, musste eine Verkleidung her. Im Flur sprach mich ein süßes Mädel an: „Chucky will, dass Du ihn streichelst.“ „Wer ist Chucky?“, fragte ich. Sie reckte mir wortlos eine lädierte Puppe entgegen. „Ich spiele doch nicht mit Puppen“, fuhr ich sie an. „Chucky will, dass Du ihn streichelst, sonst wird er sehr böse“, wiederholte sie mit Nachdruck. Also legte ich zögerlich die Hand auf die Puppe und streichelte Chucky, während das Mädel zufrieden gurrte.
In der Küche bogen sich mehrere Tische unter dem üppigen Büffet. Zwei Typen in Jeans und Shirt schienen sich Teller aufzufüllen. Ich griff mir ein scharfes Messer von der Küchenplatte und schlich mich von hinten an sie heran. Holte aus und rammte die lange Klinge in den reifen Kürbis. Dann schnitt ich mir ein großes Stück ab. „Hey Jungs, freut mich, hier zwei Normalos zu treffen“, sagte ich. Die beiden fuhren herum und musterten mich. Der rechte holte eine Motorsäge unter dem Tisch hervor. „Wieso, ich bin der Typ aus Armee der Finsternis, der die ganzen Zombies wegschnetzelt.“ Ich zeigte auf den anderen: „Und Du?“. „Der Kannibale von Rotenburg“, sagte er und biss genüsslich in eine Frikadelle. Ich schluckte und war froh, dass sie sich von mir abwandten und den Raum verließen.

Hastig sah ich mich in der Küche um und begriff, welchen Stress der Hauptdarsteller eines Horrorfilms hatte: Was zog man an? Wen tötete man als nächstes? Lieber stumpfer Löffel oder Schaschlik-Spieß? Hinter der Tür hingen Schürzen. Ich band mir eine um und zerhackte mit dem Messer ein paar Tomaten, deren Fruchtfleisch ich mir auf Bauch und Brust verrieb. Dann stopfte ich mir zwei Frikadellen in den Mund, bis mir der Speichel über Lippen und Kinn herablief. Das Messer nahm ich auch mit.
Vor dem Badezimmer lief ich meiner Kommilitonin Christine in die Arme. Sie war weiß geschminkt und hatte ihre Haare hochdrapiert. „Siehst ja echt Psycho aus!“, sagte sie. „Ja –äh- soll den Schlachter des Todes darstellen. Und Du?“ „Eine niedere Vampirin aus Twillight: Biss die Fritten fertig sind.“ Wir tauschten noch die neuesten Geschichten aus der Gruft aus, bis ich unter dem Vorwand, das nächste Opfer zu suchen, weiterzog.

Plötzlich packte eine Hand meine Schulter. „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast.“, flüsterte mir eine Männerstimme ins Ohr. Ich zuckte zusammen und drehte mich zu Cujo um. Wir hatten letzten Sommer gemeinsam für die Statistikprüfung gelernt, der Drecksack hatte bestanden und ich nicht. Cujo war angetrunken und stammelte irgendetwas von einem Hostel in Bargteheide, in dem er abgestiegen sei. Ich ging weiter.

Wilfried unterhielt sich mit einer sinnlichen Schwarzhaarigen als ich mich wieder zu ihm gesellte. Er hob nur eine Augenbraue und zeigte auf seine Begleiterin, deren tiefer Ausschnitt ihre Rundungen nur spärlich verhüllte. „Das ist meine Cousine Carrie“, sagte er und ließ uns alleine. „Hallo, äh und was stellst Du dar?“, fragte ich stockend. Sie lächelte: „Die Wollust aus Sieben.“ Ich schluckte. „Und Du?“. „The Butcher aus Diablo“. Wir flirteten heftig mit Blicken, Worten, Gesten. Kurze Zeit später nahm sie meine Hand und führte mich hinaus in die kühle Nacht. Der Mond schien. Eine Eule schrie. Und Carrie hauchte mir düstere Legenden ins Ohr. Sie öffnete die Tür des Gartenhauses und zog mich hinein in die Dunkelheit. Stille umgab uns. Nur unterbrochen von unseren Atemgeräuschen und dem Pochen meines Herzens. Sie legte ihre Hand auf meine Brust und flüsterte: „Ich spiele noch ein wenig Resident Evil mit Dir, dann bringe ich Dich um.“

Und das war der Moment, in dem meine Sicherungen endgültig durchbrannten. Ich schaltete das Licht an und schleifte Carrie an den Haaren zum Gartenteich. „Wasch Dich solange, bis Du wieder bei Verstand bist und zieh Dir danach ‘was Ordentliches an“, schrie ich. Rannte zurück zum Haupthaus. Kaum drinnen, säbelte ich dem Weißen Hai die Flosse ab. Versenkte den Stoffraben der Hexe im Aquarium und drängelte die Mumie im Engtanz an die Wand, bis sie weinen musste. Rang Dracula nieder und zog ihm seine künstlichen Zähne. Sprang auf und zeigte Werwolf und Zombie, wie der Robotertanz richtig ging. Kitzelte Frankenstein kräftig durch. Schnappte die Motorsäge des Spinners und zerlegte das komplette Wohnzimmer. Zwang den Pseudo-Kannibalen, sich mit Salat und Keksen den Mund voll zu stopfen bis er spuckte. Würgte Christine ein wenig. Entriss dem Mädel Chucky und schlug ihn mehrfach gegen die Wand. Ließ Cujo die Wahrscheinlichkeit berechnen, mehrere Stiche eines Küchenmessers zu überleben. Zerschnitt ihm dann die Jeans, so dass er in Unterhose weiterfeiern musste. Riss Wilfried das Alupapier vom Kopf, um mir noch ein paar Frikadellen für den Rückweg einzupacken. Fuhr das Auto von Wilfrieds Eltern gegen den Familienbaum. Steckte zum Schluss die Gartenhütte an und gab der frierenden Carrie einen kräftigen Klaps auf den Po. So, da habt Ihr Euer Scheiß-Halloween mit allem Drum und Dran.

22. Oktober 2010 Kommentare: 12

Auf Montage in Düsseldorf

“Sie haben keinen Anspruch, tut mir leid. Einen schönen Tag noch!”
Das saß. Abgeblitzt bei der ARGE, der Stätte, die sonst jeder Pilger gesegnet verließ. Von Enttäuschung war ich in Wut, von Wut in Verzweiflung verfallen. Wozu war ich 48 Monate Fördermitglied dieses Vereins gewesen, der mit seinem Modell der Pflichtmitgliedschaft noch jeden unschlüssigen Arbeitnehmer überzeugt hatte? Um arbeitslosen Sozialpädagogen die Umschulung, ausgemusterten Sachbearbeiterinnen den Computerkurs zu finanzieren? Mein Rettungsanker dümpelte fünf Meter vor mir in einer Cola-Pfütze, bedrängt von Erdnusshälften und Rotz strotzenden Taschentüchern. Eine Telefonnummer. Mein Hintereingang in das ARGE-Land, in dem H-Milch und Honig-Imitate flossen. Meine Verzweiflung schlug in Trotz um, meine Finger flogen über die Tasten.
“Ja, ich kann Sie in unsere Datenbank aufnehmen, Herr Strauß”
“Ja, meine Kollegen überweisen das Geld sofort”
“Nein, auf Eimsbüttel lässt sich Ihr Einsatzgebiet nicht eingrenzen, Herr Strauß”
“Nein, Fitnessstudios, Gärtnereien und Kindergärten werden nicht ausgeschlossen”
“Gerne. Einen schönen Tag noch, Herr Strauß”

Die Sonne als Alleinherrscherin am Himmel, der Poet als Ameisenarbeiter am Boden, dachte ich, schwieg aber. Der Vorarbeiter, Uwe, wünschte keine Unterhaltungen. Sein Lieblingsspruch lautete “Laber nicht, pack an”, gefolgt von “Pack an, laber nicht”. Diese und zwei weitere Lektionen hatte ich schnell gelernt: Auf dem Bau herrschten andere Sitten und Gott wachte über die Baustelle, dann kam lange nichts, dann Uwe. Er war ein Bär von Mann, modellte in seiner Freizeit wohl für Dirks Tattoo-Studio oder einen andersnamigen Laden mit dem gleichen Drecksangebot. Bilder schlechter Qualität, billig und schnell gestochen. Ab einem Quadratmeter zerstochener Haut gab’s ein barbusiges Frauenbild gratis. Am ersten Abend hatte ich mich über die Körperbilder der Jungs lustig gemacht. Am zweiten sie sich über meine schmächtige Statur. Am dritten hatte ich mir die Adresse des Tattoowierers geben lassen. Lieber das restliche Leben einen Teufel auf der Pobacke tragen als die Hilfsarbeiterstelle verlieren. Ich brauchte die Achtung der Jungs, vom Geld ganz zu schweigen. Respekt war in meinen Dichtermonaten die Währung geworden, in der ich mich schamlos bereichert hatte. Als Respekt-Millionär war man wer. Das musste sich in meinem neuen Bau-Brotjob fortsetzen. Wer weiß, ob sich die Plackerei eines Tages in Bauarbeiter-Lyrik ummünzen ließ, die zum unerwarteten Kassenschlager avancierte.

“Rudi, komm mal mit hoch in die Chefetage”, sagte Paul. Rudi, so nannte man mich hier. Mein eigentlicher Vorname war schwierig auszusprechen, besonders für die osteuropäischen Handwerker. In der Chefetage erwartete uns Uwe vor einem Stapel Zementsäcke. “Die müssen runter, Falschlieferung”, sagte er trocken und wandte sich ab. Abends fiel ich wie tot auf mein Bett. Die Federn der durchgelegenen Matratze stachen in meinen Rücken. Meine Rücken- und Schulterpartie spürte ich seit dem Anheben des zweiten Zementsacks nicht mehr. Im Etagenbett über mir machte sich Paul breit, die Namen der anderen beiden, mit denen wir uns den Baucontainer teilten, konnte ich mir nicht merken. Unser Schweißgeruch mischte sich mit den in der Toilettenecke gesammelten Ausdünstungen. Welcher Innenarchitekt hatte die glorreiche Idee gehabt, das Klo mit einem Vorhang von dem Schlafbereich abzutrennen? Nachts lag ich lange wach und schreckte aus diffusen Träumen hoch, sobald einer der drei zu schnarchen begann. Oder sich knirrschend auf der Matratze umdrehte. Die Sonnenstrahlen bahnten sich ab sechs Uhr ihren Weg zu meiner Wange, verwandelte den Container in eine Herrensauna. Meine drei Mitbewohner reagierten mit Gelassenheit auf die widrigen Umstände. Sie trugen Hausschuhe und Unterwäsche, stellten Fett und Muskeln zur Schau. Ich hatte weder das eine noch das andere vorzuweisen. Ein untergezogener Rollkragenpullover verlieh meinem Oberkörper männliche Breite. Nach Kaffee und Stulle begann das Elend. Wenigstens sparte ich mir das Fitnessstudio und musste keine Fragen beantworten, wie weit ich mit meinem Roman gekommen war.

Mittags gewährte uns Uwe eine halbe Stunde Pause. “Und das ist noch Luxus”, gab er uns jedes Mal mit auf den Weg zum Grillimbiss. Zur Auswahl standen Currywurst Pommes oder ein halbes Hähnchen, natürlich mit Pommes. Das schrie nach einer Strategie. Bewahrung des kulinarischen Genusses in der Ferne. Paul aß die beiden Gerichte im Wechsel, Jirchy vier Tage Currywurst, dann einmal Hähnchen, um den Freitag als kleinen Feiertag hochzuhalten. Ich entschied mich nach Tageslaune. Heute brauchte ich Wurst. Das Zeug schmeckte immer gleich gut. Geschmacksverstärkern und der Lebensmittelchemie sei Dank! Donnerstagabend hatten wir im Fernsehen einen Bericht geguckt, in dem eine New Yorker Künstlerin über ihr Experiment sprach: Das Cheeseburger-Fotoexperiment. Seit sieben Jahren fotografierte sie am letzten Monatstag denselben Cheeseburger, den sie bei McDonald’s gekauft hatte. Der Burger war ein wenig in sich zusammengefallen, schimmelte und stank aber nicht. Wie viele unverdaute Cheeseburger wohl in meinem Darm herumspukten? Dies war kein Ort der einprägsamen Gerüche, Geräusche, Gefühle. Zwei Tage später schmiss ich hin und stieg in den Zug nach Hamburg. Sollten meine Nachfolger das Hyatt im Medienhafen fertig bauen und sich die Taschen vollmachen. In Eimsbüttel Nägel in die Wand zu schlagen und Regale aufzubauen zog ich dem Monteurleben vor…

18. Oktober 2010 Kommentare: 5

Kleines Künstler-Einmaleins

Die Schlacht war geschlagen. Die Wunden verbunden. Die Worte stumpf. Der Applaus verebbt. Die Menschen verschwunden. Das Ergötzen an der Beute hielt an. Ein Wassertropfen glitt vom silbrigen Hals der Sektflasche hinab. Umschmeichelte kurz ihre schlanke Taille und ließ sich auf der Rundung ihrer gläsernen Hüfte nieder. Mit der Zungenspitze küsste ich den Tropfen weg, legte die linke Hand langsam auf den Flaschenhals und drückte zu. Nicht zu fest, um das zarte Geschöpf ernstlich in Gefahr zu bringen, nicht zu lasch, um es spüren zu lassen, wer gerade sämtliche Kombattanten in die Flucht geschlagen hatte. Sie sollte einen würdigen Platz neben der Statuette bekommen. Sie, die aus schwarzen Holz gefertigt, von meinem ersten Triumph zeugte. Mit bebenden Händen zerriss ich das Papier der Tüte, trennte “Sonn” vom “ing”. Die Münzen sprangen heraus, verteilten sich wie Herbstlaub auf dem Holz meines Schreibtisches. Ich massierte jede Einzelne, wienerte an matten Stellen mit einem Tuch nach. Bis sie wieder blitzten und blinkten wie bei ihrer Geburt. Ich zählte einmal, zweimal, dreimal. Stapelte, trennte. Häufte auf, trug ab. Warf Edelmetall in die Höhe und ließ es klirrend auf der Tischfläche landen. 9,46 Euro. Die Frucht von vier halben Tagen und zwei vollen Abenden der Arbeit. Eine Ahnung der Möglichkeiten. Die Monatseinkünfte eines niederen Hartz IV-Adligen in greifbarer Nähe. Nur 154 halbe Tage und 77 volle Abende entfernt. Wie viele Tage hatte ein Monat? Wie viele Abende die Woche? Fragen eines kleinen (Rechen)Künstlers an die Welt…

1. Oktober 2010 Kommentare: 7

Erholung!

Ob Schriftsteller, Sachbearbeiter oder Vertriebler, eines ändert sich wohl nicht: Sobald der erste Urlaubstag anbricht, kratzt der Hals und das Näslein läuft.

P.S. Bin vorerst onffline…(Fieberbedingter Rechtschreibfehler, Anm. der Red.)

23. September 2010 Kommentare: 5

Tage des Abschieds

Die Wärme eines Spätsommertages erfüllte den Raum, der mir als Büro diente. Auf dem Schreibtisch stapelten sich die Seiten halbfertiger Geschichten und Gedichte für meine nächsten Auftritte. Unter der “Ode an die IT”, einer düsteren Utopie unseres technisierten Alltags, lugte das Blatt hervor, auf dem ich vor zehn Monaten das Vorwort meines Romans notiert hatte und mit dem ich seitdem keinen entscheidenden Schritt weitergekommen war. Immer kam etwas dazwischen wie die Begegnung mit der vermeintlichen Liebe meines Lebens oder ein depressiver Schub. Mir machte der Exodus meiner Freunde zu schaffen. Martin hatte sich für den Job in Hannover, nein, gegen Hamburg entschieden. Gegen mich. Meine gute Bekannte Manuela, der Altona endgültig zu hektisch und laut geworden war, war nach Rellingen geflüchtet. Unter Kennern galt Rellingen als eine dieser Speckgürtel-Idyllen, in denen leere Wohnungen auf Mieter mit niedrigem Einkommen warten, eine in Hamburg unvorstellbare Konstellation. Manuela und ich trafen uns jetzt nicht mehr jeden zweiten Donnerstagabend auf ein Bier. Eigentlich trafen wir uns überhaupt nicht mehr. Die Fahrt nach Rellingen dauerte eine Stunde ohne Auto. Meine Hemmschwelle für Fahrten zu Menschen lag bei 30 Minuten, eine von meinen Erlebnissen als Fahrschüler (zum Gymnasium pendelndes Schulkind) herrührende Neurose. Bei mehr als 30 Minuten Fahrtzeit musste es sich um wirklich gute Freunde, die ich länger nicht gesehen hatte, oder sehr attraktive Frauen handeln, die ich häufiger sehen wollte. Beides traf auf Manuela nicht zu.

In den August und September hatten sich fünf meiner Freunde (Martin nicht mitgezählt) entschlossen, Hamburg den Rücken zu kehren. Die örtliche Freundesdichte sank und sank. Ich schwankte, ob ich meine gesammelten Umzugserfahrungen als Wink des Schicksals zu deuten hatte. Sollte ich mein Glück in der Umzugsbranche versuchen? Beratende Freiberufler fanden sich an jeder Ecke, dichtende Möbelpacker (”Die Glocke” auf den Lippen wuchteten sie das Klavier durch’s Treppenhaus) waren rarer gesät. Die Phase der puren Poesie faserte aus. Bisher hatte ich noch alle zwei Jahre die Stelle gewechselt und fühlte mich zu jung, um in einer beruflichen Nische sesshaft zu werden. Hatte ich mich etabliert, hielt ich es für geboten, sich nach einer neuen Herausforderung umzusehen. An die Fülle des geschriebenen, in Schweigen eingehüllten Wortes knüpfte die Fülle des fließenden, von Skrupellosigkeit umhüllten Geldes an.

Schwerer fiel mir der Abschied vom Sommer. Er, der im Norden ein flüchtiger Bekannter war und nach an den Fingern der beiden Hände abzuzählenden Wochen in Richtung des Äquators floh. Die Erinnerung an sechs Schweiß treibende Wochen war in sechs windigen und verregneten Wochen verblichen. Rund 30 Wochen Tristesse standen den tapferen Nordlichtern bevor, unterbrochen nur von einigen klaren Wintertagen und den Ahnungen des neuen Frühlings. Die Zeit der dampfenden Teetassen, übergeworfenen Decken und kratzenden Rollkragen brach an. Triefende Nasen, denen allein mit Feuer beizukommen war, schlotternde Gestalten, die sich in den Glasverschlägen der Haltestellen drängten, billige Schokoladenberge, die sich unter funkelnder Aluminiumfolie im Supermarkt verbargen. Ganz zu schweigen von den Bräuchen und Gewohnheiten, die über die Bewohner der Städte und Dörfer hereinbrachen und sich in der Weihnachts- und Silvesterzeit zu christlich-heidnischen Ritualen aufbauschten, denen sich kaum ein Heide oder Atheist zu entziehen wagte. O Du seliger Herbst und Winter, ich umarme Dich schon jetzt!