19. Juli 2011 Kommentare: 0
Endlich Urlaub!
Ich nehme mir eine Woche frei, Details anbei…
Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.
19. Juli 2011 Kommentare: 2
Ich bin überarbeitet, sollte ‘mal ‘raus
hinaus zu fernen Orten in der Welt,
normalerweise bleibe ich zu Haus,
keine Sorge, es liegt nicht am Geld.
Skandinavien ist schön, ohne Frage,
da verbringt man ungestörte Tage,
doch als Kind wurde ich dorthin verschleppt,
jedes Jahr von meinen Eltern gekidnappt,
drei Wochen Langeweile,
entspannen, ausruhen, bloß keine Eile.
Ich war jung, wollte ‘was erleben,
das hat ein Dänemark-Trauma ergeben.
Frankreich, Sehnsuchtsland für viele,
weckt in mir keine großen Gefühle,
verstehe die Sprache nicht,
habe kein französisches Lieblingsgericht.
Ja, ich weiß, wir Nachbarn sind Treiber der Integration,
auf dem Weg zu einer europäischen Nation.
Aber das sollen die Politiker machen,
ich will in den Urlaub und über sie lachen.
Mein Fazit zur Cote d’Azur,
da bin ich eher gegen als für.
In Italien war ich auf Klassenfahrt,
wem blieb das erspart?
Pizza esse ich jede Woche,
falls ich nicht gerade Penne koche.
Italiener haben Stil und gute Laune,
dunkle Haare und ‘ne zu beneidende Bräune.
“Ich kenne dort alles”, kommt mir in den Sinn,
da fahre ich nicht in den Urlaub hin.
Spanien oder Portugal,
ist eigentlich egal.
Für mich klingen beide Sprachen ähnlich,
Bettenburgen am Strand finde ich dämlich.
Mallorcas schöne Seiten sollen andere entdecken,
an den Stränden der Algarve kann man sich auch nicht ausstrecken.
Nee, nee, Südeuropa ist nicht meine Sache
und in Griechenland steht jetzt der Pleitegeier Wache.
Die Lage im Nahen Osten und auf dem Balkan,
erscheint mir als Zeitungsleser zu verfahr’n.
Außerdem habe ich alles von Karl May gelesen,
bin überzeugt, so ist es gewesen.
Osteuropa, hm, wie wäre es mit Polen?
Wurde mir von einem Freund empfohlen,
doch dann hat man meinen Prospekt gestohlen.
Bulgarien, Rumänien, Tschechien, keine Ahnung,
Urlaub heißt für mich gute Planung.
Ich kapituliere aus Unwissenheit,
tut mir für all die tollen Reiseziele leid.
Benelux, Du bist eine Krux,
Holländer locken mit Kiffen im Wohnwagen,
Belgier mit traumhaften Schokoladen,
Luxemburg will sich nur mit reichen Säcken abplagen.
Ich verzichte, um mein Gewissen nicht zu beladen.
Russland ist teilweise zu gefährlich und wild,
da werden Schreiberlinge wie ich noch gekillt.
Die Türkei hat Probleme mit sich und anderen Staaten,
muss deswegen auf meine Reisebuchung warten,
futtere stattdessen extra scharfe Döner für die ganz Harten.
Die USA oder Südamerika sind mir zu weit weg,
bewege mich zu Hause auch kaum vom Fleck.
Afrika und der mittlere Osten sind unsicheres Terrain,
ich bin ängstlich und fürchte mich nicht gern.
Asien beunruhigt und fasziniert mich zugleich,
mit himmelschreienden Gegensätzen zwischen arm und reich.
Jahrtausende alte Kulturen,
fremde Religionen und ihre Spuren.
Ach lieber nicht, nachher werde ich Opfer von Industriespionage
oder ende als lüsterner Greis in einer Thai-Oase.
Also geht’s jedes Jahr an die Ostsee,
im Auto erfreuen mich Rapsfelder und ein vorbei hüpfendes Reh,
am Strand schneidet mir eine Miesmuschel in den großen Zeh,
im Wasser brennt die Wunde wie Feuer und tut höllisch weh,
bin abends froh, wenn ich lebend das Hotelzimmer seh‘,
Wieder im Büro lobe ich meine Ferienreise über den Klee.
2011 erspare ich mir die Aufregung
und brutzele in Balkonien bei guter Verpflegung.
14. Juli 2011 Kommentare: 0
Heute gab’s Chili con carne…
Ich liebe totes Fleisch,
am liebsten blutig und heiß.
Egal, ob knusprig oder weich,
meine Ernährung ist eiweißreich.
Die Tageszeit ist mir gleich,
morgens, mittags und abends gibt’s Fleisch.
Ich bin ein eingesperrtes Tier
und stille meine Gier
mit speckigem Steak bei billigem Bier.
Ich will kräftig zubeißen,
mundgroße Brocken rausreißen
und später genüsslich scheißen.
Ich möchte ja nicht prahlen,
doch meine Kiefer zermahlen
alles vom Knorpel bis Knochen,
zartem Kalb bis zähem Rochen.
Ich schlinge alles herunter,
vergesse dabei mitunter
Hunger, Anstand und Manieren.
Mit Fleisch im Mund kann man sich nicht blamieren.
Ob Hähnchen, Schwein oder Rind,
Alttier oder dreimonatiges Kind,
was interessiert mich Euer Leben?
Was zählt ist mein Streben
nach umfassender Sättigung.
Futtern zur Selbstbestätigung.
Ich bin ein leidenschaftlicher Jäger
und kein Hobby-Tierpfleger.
Wenn ich nicht die Truhe leer fege,
erlege ich meine Beute an der Theke.
An frostigen Tagen
wärmt mich mein Pelzkragen.
Ich trage gerne Leder,
wo’s herkommt, weiß doch jeder.
Bin weder postmoderner Salatblatt-Vermesser
noch gedanklicher Weltverbesserer,
sondern ein archaischer Fleischfresser.
Als höchster aller Säuger,
bezwang ich meine Verfolger,
errang die Krone der Schöpfung,
besiegte die Evolution,
wurde Meister der Schröpfung.
Die Spitze der Nahrungspyramide ist mein Thron.
Ich werde immer fetter,
hüte die Couch bei jedem Wetter.
Lebe in Saus und Braus,
wenn ich so weiter fresse,
stirbt noch die Milchkuh aus.
Man sagt „Liebe geht durch den Magen“,
da kann die Vernunft schon ‘mal versagen.
Mama, ich will Fleisch!
6. Juli 2011 Kommentare: 2
Auszüge des Protokolls der 1. Bilanzpressekonferenz des Jungpoeten Konzerns (im folgenden JPK genannt):
Einführende Bemerkung: Warum unser Geschäftsjahr jeweils die Zeitspanne vom 01. Juli bis 30. Juni des Folgejahres umfasst, können wir leider nicht mehr nachvollziehen.
Grußwort des Vorstandsvorsitzenden Prof.* Dr.* Sonning U. Strauß:
“Liebe Aktionärinnen und Aktionäre,
die Geschäftsjahre 2009/2010 und 2010/2011 hielten für JPK zahlreiche Herausforderungen bereit, konnten von uns insgesamt aber zufrieden stellend abgeschlossen werden. Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ohne deren halbherzigenunermüdlichen Einsatz dieser Erfolg nicht denkbar gewesen wäre. Ich kann Ihnen versichern, dass von Ihren Einlagen sogar noch ein kleiner Anteil übrig ist und dass alle handelnden Personinnen und Personen bei JBK mit dem verschwundenen Großteil diverse schöne Dinge gemacht haben und viel Spaß hatten. Schießen Sie gerne etwas nach, heutzutage sind die sicheren Anlagemöglichkeiten rar und man weiß kaum, wohin mit den Barmitteln.”
Herzlichst,
Ihr Sonning U. Strauß
Wesentliche Kennzahlen:

JPK im Überblick

Segmentberichterstattung des JPK

JPK-Jahresüberschuss
Weitere Termine 2011:
Juli 2011 Meditatives Nacktwandern
Okt 2011 Halloween-Monat
Ende 2011 Halbjahresbericht 2011/2012
1. Juli 2012 Bilanzpressekonferenz 2011/2012
Pressekontakt:
Link zur JPK-Abteilung Investor Relations
*) Die Promotions- und Habilitationsschrift wird samt den üblichen Gefälligkeiten nachgereicht. Alltagsfantasien-Ehrenwort.
**) Wir mussten uns leider von einigen langjährigen Mitarbeitern trennen, seitdem laufen die Geschäfte blendend.
***) Fotos des Betriebsausflugs nach Fukushima und des Seminarwochenendes in Budapest (Schwerpunkt nicht-medizinische Sauna- und Massagebetriebe) folgen.
****) Kleine Delle bedingt durch Lieferschwierigkeiten.
*****) davon 45% JPK-Mitarbeiter, 17% Konstantin Neven DuMont, Rest Fremde und Freunde
P.S. Satire.
28. Juni 2011 Kommentare: 8
Drei Tage vor der Zeit ist des Jungpoeten Pünktlichkeit.
Beschlossen, ein weiteres Jahr als selbsterklärter Schriftsteller dranzuhängen. Entschlossen, die fast in Vergessenheit geratene Tradition der Wochenberichte demnächst wieder aufleben zu lassen. Beschlossen, keine Groupies mehr an der Tür abzuweisen. Entschlossen, eine Balkan-Tanzgruppe in Hamburg-Niendorf ins Leben zu rufen. Beschlossen, nur noch glückliche Monate zu verleben. Entschlossen, in jedem Monat, der sich auf Sonning reimt, ein Kind zu zeugen. Beschlossen, doch nicht als Flitzer der Mönckebergstraße Schlagzeilen zu schreiben. Entschlossen, als Ausgleich exotische Spinnen im riesigen Kellerraum zu züchten. In Freihaltung versteht sich.
Happy Zweijähriges allerseits!
28. Juni 2011 Kommentare: 0
Achtung Erotik! Ein kleiner Gruß an alle anwesenden und verhinderten Teilnehmer und Zuschauer des letzten Erotik Slams Deluxe:
Ich erinnere mich an unsere erste Begegnung als wäre es gestern gewesen. Die Tür des Musikraums schwang auf und Du betratst die Klasse. Und mein Leben. Du nahmst auf dem Stuhl direkt gegenüber von mir Platz und warfst mir fortan in jeder Unterrichtsstunde diese Blicke zu. Blicke, die ich in meiner Unerfahrenheit nicht recht zu deuten wusste. Woche um Woche verging und der Sommer brach an, in dem ich mein sechszehntes Lebensjahr vollenden sollte. Woche um Woche, in denen uns nur ein paar Meter und doch eine gefühlte Unendlichkeit voneinander trennten. Ich wusste Deine Avancen weder zu erkennen noch zu erwidern. Wenn sich unsere Finger zufällig beim Xylophonspiel streiften, zog ich meine Hand zurück. Wenn Du mich mit einem Nicken ermuntertest, lauter zu singen, verstummte ich. Wenn Du mich anlächeltest, schaute ich zu Boden.
Eines Tages batest Du mich, am frühen Nachmittag zum Musikraum zu kommen. Ich hatte große Angst. Warst Du mit meiner Analyse der Westside-Story, die Du uns als Hausaufgabe aufgegeben hattest, so unzufrieden oder sollte ich Dir das Musikstück der letzten Stunde erneut auf dem Xylophon vorspielen?
Ich klopfte an der Tür und sprach: „Hallo Frau Müller, hier bin ich.“
Du öffnetest und sagtest: „Ah Sonning, schön, dass Du da bist. Komm doch herein.“
Hinter uns fiel die Tür ins Schloss. Dein üppig wogender Busen und Dein Birnenpopo schwangen im Takt Deiner Schritte als Du mich zum Lehrerpult führtest. Verschüchtert sank ich auf einem der zahlreichen, im Kreis stehenden Stühle nieder und sah Dich an.
„Sonning, ich ertrage es nicht mehr“, sagtest Du.
Ich schwieg.
„So kann es nicht weitergehen mit uns beiden.“, setztest Du nach.
Ich schluckte schwer.
Dann, wie eine ausgehungerte Vampirin in der Nacht auf den blassen Jüngling stürztest Du Dich im Halbdunkel des Musikraums auf mich. Sprangst so heftig ab, dass das Lehrerpult wankte und Stühle zu Boden gingen. Ich purzelte vor Schreck auf den Boden und halb sitzend, halb liegend landetest Du auf mir. Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen uns beiden, sondern Brunft und Wahnsinn ab dem ersten Akkord. Wie bei einem Duett zweier begabter Musiker schwangen unsere Körper im Gleichklang. Ich glitt wie ein schlanker und strammer Geigenbogen über Deinen ausladenden Kontrabass-Leib. Wir begannen mit einem langsamen, gefühlvollen Auftakt der sich über die erste und zweite Strophe zum Refrain hin steigerte. Du offenbartest Dich auch hier als strenge Lehrerin, die mich ständig Stellen wiederholen ließ.
Unerbittlich gab das von Dir aufgestellte Metronom den Takt vor, indem sich unsere Hüften zu bewegen hatten und unsere Schöße miteinander rangen. Wir vergaßen alles um uns und liebten einander in einer Heftigkeit bis die Vorderfüße des Klaviers brachen, der Flügel des Flügels gesprengt, die Trommeln zerborsten und die Tuba verbogen war. Und jeweils im Schlussakkord bäumtest Du Dich auf mir hockend auf und schraubtest Deine Stimme ein letztes Mal in die obersten Sopranhöhen, diese den meisten unbekannten Gefilde wahrer Körpermusik.
Ich erlernte von Dir die Leichtigkeit des Oktavsprungs, wenn sich Fleisch und Geist der Liebenden vereinen. Du konzentriertest Dich auf das hohe C, ich aufs tiefe. Unser mehrstimmiger Gesang füllte jeden Winkel des Raumes aus. Doch kein Laut drang durch die gut gedämmten Wände des Musiktrakts und der Schulflur lag in der Stille des Nachmittags.
Umschlossen Deine Querflöten gestählten Lippen meinen ausgeklappten Notenständer, entlocktest Du mir die vollständige Tonleiter der Lust. Feuertest Du mich an: „Richte Dich auf, mein prächtiger Papageno“, gehorchte ich. Verlangtest Du ein Ritardando der Leidenschaft oder ermahntest mich „Crescendo, mein junger Adept, Crescendo“, befolgte ich Deine Anweisung wie es sich für einen braven und fleißigen Zehntklässler gehörte. Ich war Dir vollends verfallen und gefangen in dieser tückischen Triangel der Gefühle, Liebe und Triebe.
Die Wochen vergingen, dienstags bis freitags wankte ich am späten Nachmittag gezeichnet von den Anstrengungen unseres Einzelunterrichts nach Hause. Suchte die von unserem Schweiß durchtränkten Notenblätter vor den Augen meiner Mutter zu verbergen und erfand immer neue Lügen, was wir jenes Mal durchgenommen –Verzeihung- geübt hatten.
Und so ward ich ein Gefangener der Sinfonie des Fleisches. Begeisterte mich oberflächlich übermäßig für achtel, viertel, halbe und ganze Noten. Nicht zu vergessen die Pausen dazwischen. Doch lange ließest Du mich nie zur Ruhe kommen. Dieser harmlose Raum voller blecherner und hölzerner Instrumente war kein Musikzimmer mehr, sondern unsere Kammer der Hingebung und körperlichen Erlösung.
Du erwähntest manchmal Dein schlechtes Gewissen, mich um meine musikalische Ausbildung gebracht zu haben. Doch welch Geschenk war die umfassende physische Aufgabe, mit der Du mich in diesen prägendsten Monaten meines Lebens umfingst?
Dies ist also die Geschichte wie ich zwischen Xylophon und Rassel meine Unschuld verlor. Wie ich in der Blüte meiner Jugend stehend leiblicher Zeuge der fordernden Leidenschaft einer Frau mittleren Alters, die sich ihrer Bedürfnisse ganz bewusst war, wurde. Und wie ich im Gegenzug Momente der Ekstase erlebte, die ich hernach oft entbehren sollte.
Fragt mich heute jemand, ob ich ein Instrument spiele, druckse ich herum. Ich sei früher leider sehr faul gewesen und habe ein Problem mit meiner Musiklehrerin gehabt…
Mit Dank für die vielfältige Inspiration an alle Beteiligten der Frasier-Folge “Der letzte Tango in Seattle”.
23. Mai 2011 Kommentare: 0
Letztes Jahr begab es sich, dass ich auf einer privaten Halloweenparty launige Gruselgeschichten las. Dieses Jahr wird das verbale Massaker von langer Hand geplant und dann eiskalt ausgeführt werden. Die blutrünstige Jenny und meine nicht minder morbide Wenigkeit werden an unserem ganz privaten Schauerabend am Montag, den 31. Oktober 2011, Angst und Schrecken verbreiten. Tieropfer, Flüche, Hexentänze, Sukkubusküsse, Massenmord, Geisterrituale, Vampire, Zombies, Werwölfe und ein unscheinbares Pony dienen uns als Stichworte.
Wir suchen noch hübsche Jungfrauen und willige Jünglinge als OpferMitwirkende und Zuhörer. Wo, wann und wie geben wir zur rechten Zeit bekannt. Bitte vormerken!
17. April 2011 Kommentare: 8
Die Menschenschlange setzte sich hinter der Hausecke fort. Buki hatte uns gewarnt. Vor dem Andrang, dem Durchschnittsgast (schlecht deutsch sprechende Frauen auf Männerjagd, schlecht deutsch sprechende Männer auf MännerFrauenjagd) und dem, was später folgen sollte. So musste sich das Einkaufen in einer sozialistischen Gesellschaft mit reglementiertem Markt in der Zerfallsphase anfühlen. Nicht, dass ich etwas Vergleichbares je erlebt hätte. Menschenschlangen bildeten sich in Norddeutschland selten, die namensgebenden Reptilien waren noch seltener. Die letzte Blindschleiche hatte ich als Kind auf dem Dorfweg gefunden. Der Kiefer zermahlen vom großprofiligen Autoreifen eines Jeeps, in dem eine tierliebende Mutter ihre tierliebende zehnjährige Tochter gerade zum Reiten gefahren hatte. Es starben einfach zu viele Schlangen auf deutschen Feldwegen und Hauptstraßen. Igel, Nachtfalter, Krokodile und Kühe sowieso. Aber in diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher herbei als einen Jeep, dessen Fahrerin auf der Reeperbahn die Kontrolle über ihren Wagen verlor, und nicht verhindern konnte, dass das motorisierte Ungeheuer in eine Nebenstraße hineinglitt und gnadenlos eine Schneise in die Grüppchen von Nachtschwärmern, Junkies, Drogenhändlern, Dorftrotteln, Bankkaufleuten und Yuppies mähte, die alle Nebenstraßen Hamburgs vermeintlich sündigster Meile jede Samstagnacht verstofften. Und mir den Weg versperrten, nein, die Last aufbürdeten, mich hinten in der Menschenschlange anzustellen. Für die Balkannacht wohlgemerkt, von der ich bereits vor ihrem Beginn wusste, wie sie für mich enden würde. Nämlich mit 3 1/2 miesen Stunden Schlaf und fünf Stunden tänzerischen Verrenkungen in den Knochen sowie Dutzenden Bildern von prallen Dekolletés und einladenden Hinterteilen feister Balkan Bitches im Kopf, die mich tagelang im wahrsten Sinne des Wortes umtrieben. Und so stand auf meinem Grabstein der für Außenstehende unverständliche Sinnspruch: “Und nächtlich grüßte der Balkan.” Denn plötzlich schoss der Jeep heran, walzte erst die Straßenlaterne vor mir und dann mich nieder, schleifte drei weitere Balkanesen in spé die verbleibenden sieben Meter über den Rasen mit, bis seine Motorhaube mit einem Kreischen in der Hauswand des Grünspans zum Stehen kam. Dabei wurden zwei über die Stadtviertelgrenzen berühmte Graffitis, die in pinken Farbtönen gestaltete Aufforderung “Fuck the norm!” des Szenesprayers Johnny G. und die fleischfarbene Pobacke, von einer weiblichen Künstlerin erschaffen und an Arnold Schwarzeneggers Hintern in guten Zeiten gemahnend, zerstört. Und ich war sofort tot. Das heißt nein, ich wäre sofort tot gewesen, hätte es den Jeep gegeben. Doch hätte es den Jeep gegeben, so wäre ich dank meines hervorragenden Gehörs auf den heran rauschenden Fünf-Tonnen-Metalltorpedo mit Reifen aufmerksam geworden und hätte mich mit einem Sprung auf den Rasen in Sicherheit gebracht. Die vordere Stoßstange und die Kotflügel des roten (Blut hatte sich in mehreren Schichten über die ursprüngliche Farbe gelegt) Jeeps hätten reiche Ernte in der Menschenschlange halten können. Aber kein Jeep kam und das Kreischen einer vielleicht 21-jährigen Schönheit mit langen dunklen Locken und perfekten Balkanmaßen riss mich aus meinen mörderischen Gedanken. Egon und Buki diskutierten darüber, dass Affen die neuen Drachen seien. Was sich sowohl auf Tattoos als auch Schulterschmuck beim Fasching oder Karneval bezog. Ich verstand nicht, worauf sie hinaus wollten. Statt dessen begann ich mit dem Taschenrechner meines Nokia-Knochens zu berechnen, wie lange die exakte Wartezeit betrug, bis die Menschenschlange vor uns vollständig in den Club gekrochen war. Hoffentlich wurden mehrere der größeren Männergruppen, die sich in die Schlange gemischt hatten, auch an der Tür abgewiesen, so bliebe mehr Balkananschauungsmaterial für nette Akademiker wie mich.
Zehn Euro knöpfte mir das Kassiermädchen am Eingang ab. Darin mussten zehn Klappse auf beliebige, einladende Hintern fremder Frauen einfach enthalten sein. Gegen Wucher begehrte ich bei jeder Gelegenheit auf.
(…)
Frauen drehten sich wie kleine Ventilatoren, bei stabilem Rumpf vollführten ihre Oberkörper schwungvolle 360° - Bewegungen. Eine Traube von 50 Frauen drängte sich auf einem Podest, welches für 20 Tänzerinnen zugelassen war, um den gockelhaften DJ, der sich abwechselnd hinter sein Pult stellte und auf den Plattentellern räkelte. Dabei intonierte er Lautreihen, die von den Balkan-Hundertschaften nachgesungen, nein nachgeschrien und -gehechelt wurden.
(…)
Erst zaghaft, dann mit Nachdruck brüllte ich die erlösenden Worte in den Raum: “I wanna be your disco boy!”.
To be continued / completed…
19. Februar 2011 Kommentare: 4
In der Rubrik “Auftritte” finden sich jetzt die weiteren Termine des Slams Deluxe im Stageclub, den ich mindestens bis Ende 2011 moderieren werde. Ich beschränke mich nicht auf die Moderation, sondern dehne meine Redezeit deutlich durch das Vortragen eigener Texte aus. Es besteht also die Chance, mich in der Doppelrolle Künstler/Moderator zu erleben. Auf zwei der Veranstaltungen möchte ich besonders hinweisen:
Der nächste Slam Deluxe findet am 21. April statt, also mitten im beginnenden Frühling - für reichlich Frische auf der Bühne dürfte gesorgt sein und wie ich die Dichterinnen und Dichter kenne, werden die Frühlingsgefühle ebenfalls bedient werden…
Als Höhepunkt des Jahres wirft der Slam Deluxe “Erotik spezial” am 23. Juni bereits seinen Schatten voraus. Normalerweise sind die Dichterinnen leider in der Unterzahl, doch bei diesem Thema drängen sich die Damen scharenweise auf die Bühne und im Publikum ist das schöne Geschlecht ebenfalls in der Mehrzahl. Von Romantik über Fetisch bis hartem Sex wurde letztes Jahr alles in den Texten abgearbeitet. Der Saal tobte und die Zuschauer haben Tränen gelacht. Diesen an- und aufregenden Abend sollte sich niemand entgehen lassen…
Bitte nicht vergessen, die beiden Termine im Kalender grün oder rot anzustreichen!
2. Februar 2011 Kommentare: 10
Kein Auge zugedrückt. Wie im Fieber fantasiert. Mich innerlich radikalisiert. Die Nacht der Entscheidung(en) überlebt. Angefangen, die xte Liste zu schreiben. Bei 30 Einträgen aufgehört. Prioritäten neu gesetzt. Qualität in den Vordergrund gerückt. Die Wochenberichte hiermit ausgesetzt. Eine Schaffenspause eingelegt. Dauer unbestimmt.