Vor gefühlt einem Jahr habe ich mich an dieser Stelle über die verschiedenen Facetten meiner Dichtermetamorphose ausgelassen, Stichwörter waren Kette rauchen, Tippen in Zeitlupe und gebrauchtes Kord auf der Haut. Die angestoßenen Veränderungen haben jetzt Wirkung gezeigt und mich nachhaltig verwandelt. Ob zum Besseren (flatternder Schmetterling) oder zum Schlechteren (vertrocknete Raupe) sei dahin gestellt.
Unterdessen ereigneten sich Begebenheiten zur Selbstbewährung in freier Wildbahn, besonders in der Gegenwart potenzieller Gefährtinnen des Jungpoeten. Wenn man es auf den Punkt bringt, wenn man(n) ganz ehrlich zu sich selbst ist, wenn man auf eine sorgfältige Auswahl wissenschaftlicher Studien zurückgreift, dann wird deutlich, dass alles kreative männliche Schaffen nur zum Abschleppen von Babes der Steigerung des Ansehens bei relevanten Vertreterinnen des umworbenen Geschlechts dient. Dichter sind wenig Anderes als die Mensch gewordenen eitlen Pfauen der Literatur- und Sprachwelt. Wird dieser Gedanke weiter gesponnen, so könnte die unerhörte Vermutung der Erlahmung der lyrischen Schaffenskraft bei erfolgreicher Balz und Partnerwahl entstehen.
Warum sind eigentlich alle anderen liiert und stolzieren Seite an Seite durch die Gegend, während ich armer Tropf alleine in meinen vier Wänden versauere. Zum Glück bin ich noch nicht in diesem “seligen” Stadium angekommen und auf der Pirsch. Es geht also um eines meiner Lieblingsthemen, die Suche nach der Muse. Ja, das Schriftstellerleben ist ein nicht enden wollender AlpTraum und gewährt Freiräume, in denen man sich ausführlich mit Problemen beschäftigen kann, ohne über Monate auch nur einen Deut Fortschritt zu erzielen.
Langem verbalen Vorspiels spärlich vorhandener Sinn: Zur Erheiterung Verarbeitung möchte ich die letzten drei Gespräche mit zu mir entsandten Botschafterinnen der verehrten Damenwelt gemäß meiner ungemein subjektiven Wahrnehmung wiedergeben. Wie es zu diesen Begegnungen kam, soll mein Geheimnis bleiben… Ja, es war Geld im Spiel!
Erstens - Der Jungpoet in der Verlagsfalle
Diese Bekanntschaft ergab sich gänzlich uneigennützig, die Profession der Dame war mir anfangs nicht bekannt. Wir lernten uns über Freunde kennen, wie man so sagt. Uups, ich alter Geheimniskrämer… Gewisse Freunde von mir denken und äußern manchmal, wie gut diese oder jene Frau zu mir passte. So nett, fröhlich, charmant und blabla. Bei derartigen Charakterschönheiten werde ich natürlich hellhörig. Erkundige ich mich dann dezent nach dem Aussehen, gibt es meistens Ärger vom weiblichen Teil des befreundeten Paares - der skandalöse Vorwurf steht im Raum, dass ich zu oberflächlich sei. Nun denn, ich reiste mit einem Bus an, in dem saunaartige Temperaturen herrschten und der sich entschied, nicht an der normalen Haltestelle zu verharren. Dementsprechend musste ich zum vereinbarten Treffpunkt sprinten, die Frisur war dahin, das Hemd angeschwitzt und ich um rund fünfzehn Minuten verspätet. Gut, dass es nur um die inneren Werte ging. Die Dame war eine ausgemachte Landschönheit, etwas burschikos gekleidet und besaß eine ähm weibliche Figur. Höflich begrüßten wir uns und suchten ein Café auf, folgende Dialogfetzen mögen ausreichend sein, um das Bild abzurunden:
Landschönheit: Was machst Du denn?
Jungpoet: Ich bin Schriftsteller und arbeite an meinem ersten Roman.
Landschönheit: Oh wie spannend! Wie muss ich mir das Ganze vorstellen?
Jungpoet schwärmte sich um Kopf und Kragen bezüglich seiner grandiosen literarischen Leistungen.
Landschönheit lauschte fasziniert und sagte circa 30 Minuten wenig bis gar nichts.
Jungpoet: Und was treibst Du, falls Du nicht gerade mit zukünftigen Literaturnobelpreisträgern ausgehst?
Landschönheit: Ich arbeite in einem Verlag und betreue dort Bonusprogramme…
Jungpoet wurde hellhörig.
Landschönheit: …viele Zeitschriftenabos werden nur noch abgeschlossen, um die Prämie zu sichern.
Jungpoet malte sich in Gedanken aus, welche tollen Sachen an sein Erstlingswerk geheftet werden könnten und wie ihm die Päckchen aus der Hand gerissen werden. Er sagte: “Welche Prämien gehen besonders gut?”
Landschönheit: Damenuhren und faltbare Koffersets sind der Renner und wunderbar günstig im Einkauf.
Hah, ertappt liebe Leserinnen und Leser! Jetzt wandern die Augen beziehungsweise Gedanken schon langsam an das Handgelenk, an dem die Uhr befestigt beziehungsweise zum Schrank, in dem das faltbare Kofferset verstaut ist, oder? Vielleicht platzt der Schrank auch vor hineingequetschter Damenuhren und faltbarer Koffersets? Ich verspreche an dieser Stelle hoch und heilig, dass die Käufer meiner Romane selbstverständlich weder das eine noch das andere erhalten werden. Das mühsame Gespräch mit Dame Eins wurde nicht mehr besser und wir beiden auch kein Liebespaar, aber ich hatte mir wichtige Erkenntnisse gesichert…
Zweitens - Das Modell und der Freak reloaded
Meine Lieblingsepisode. Nein, ich bin nicht das Modell. Unvorstellbares geschah und ich wurde auf eine Frau aufmerksam, die nicht nur die Männerherzen in Wallung brachte. Laut Foto hatte sie dunkle lange Haare und ein wunderschönes Gesicht. Wie nicht anders zu erwarten, konnte sie meinem Charme nicht widerstehen und wollte mich unbedingt kennenlernen. Wir fanden einen Termin und dieses Mal war ich wirklich sehr neugierig. Geschickterweise kam ich etwas verfrüht an und es gelang mir, am Ort des baldigen Geschehens eine Sitzposition einzunehmen, zu der sie nur über eine Art Laufsteg gelangen konnte. Nach kurzer Zeit erahnte ich ihre Gestalt in der Ferne und wahrlich, sie wusste sich zu bewegen! Mit raumgreifenden Schritten und lassiv kreisenden Hüften näherte sie sich mir und präsentierte beiläufig ihren perfekt trainierten Körper. Die angelegten Hotpants und das Leinenleibchen taten ein Übriges, in mir begann das Feuer der Leidenschaft zu lodern. Zwar stellte ich bereits bei der Begrüßung fest, dass sie zusätzlich über eine dunkel-erotische Stimme verfügte und die Chemie nicht im Ansatz stimmte, aber von solchen geringen Hindernissen sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Sie war ohne Untertreibung die heißeste hübscheste Frau, mit der ich in meinem bisherigen Leben ausgegangen war. Beflügelt besorgte ich uns Getränke und beobachtete mit einem Lächeln, wie sich die Hälse der anwesenden Männer nach meiner Begleitung reckten.
Jungpoet: Hier Dein Getränk - zum Wohl. Ich muss Dich einmal ganz offen fragen, bist Du ein Modell?
Modell: Ja, ich habe während des Studiums gemodellt.
Jungpoet machte innerlich die Säge: Wow, erzähle mir doch bitte ein wenig über diese schillernde Branche.
Modell erzählte und erzählte über das harte Geschäft.
Jungpoet: Und warum hast Du aufgehört, wenn Du gut im Geschäft warst?
Modell: Ich wurde fertig mit meinem Lehramtsstudium und begann mein Refendariat an einer Harburger Hauptschule. Blabla
Jungpoet verschluckte sich beinahe vor Lachen: Wie bitte äh okay, klingt interessant! Welche Fächer unterrichtest Du?
Modell: Deutsch und Sport. Deutsch ist echt hart, da es viele Schüler mit Migrationshintergrund und Problemen gibt. Sport hingegen ist toll, da kann ich viele eigene Ideen einbringen und mache mit meinen Schülern z.B. Arobikstunden.
Jungpoet fiel fast vom Stuhl als er sich vorstellte, wie diese veritable Sexbombe vor Igor und Mehmet herumspringt, um sie zum Mitmachen zu animieren. Verdorben für’s Leben schon in so jungen Jahren…
Es folgte eine ernsthafte Konversation über die drängenden Probleme an der Schule, der Jungpoet zeigte sich erstaunlich gut informiert.
Jungpoet wollte zu seinem Spezialgebiet überleiten: Liest Du denn gerne, wenn Du Deutsch unterrichtest?
Modell: Naja, eigentlich nicht so viel. Abends nach der Arbeit bin ich meist zu müde. Ab und an eine Biographie oder einen Frauenroman. Und Du?
Jungpoet: Sehr gerne und ziemlich viel. Liegt natürlich in der Natur der Sache als Schriftsteller.
Modell: Echt, Du bist Schriftsteller - erzähl ‘mal!
Jungpoet begann mit der Schilderung und merkte nach zwei Minuten, dass das Modell nicht wirklich interessiert war.
Schließlich kam ihr riesiges Interesse für Reisen und Sport heraus, was mich bekanntermaßen nur mäßig begeistert. Die Chemie stimmte eh nicht, von daher wurde aus uns Beiden leider auch kein Liebespaar. Es blieb die Erinnerung an eine unvergessliche Begegnung.
Drittens - Charakterschönheit voraus!
Diese Begegnung ist schnell erzählt: Ich kam an, erkannte sie und ging - ich war nicht in Stimmung für weitere Stunden der Höflichkeit mit eindeutigem Ausgang, wir wurden ebenfalls kein Liebespaar…
wow…und all die dates hattest du in einer woche??? das ist so etwa mein durchschnitt in 3 jahren….. bin zu wählerisch;-)
bis samstag:-)
schnupfige urlaubsgrüüüße
Es war tatsächlich eine anstrengende Woche, wobei ich gerne gegen weniger Dates mit mehr Erfolg tauschte… ;)
“lassiv kreisende Hüften”? Wenn ich mal unterstelle, daß Du kein solcher Freak bist, daß Du Hundemodels datest, denen Du ein Napf Wasser spendierst, heißt das wohl, daß sie nicht wie Lassie über den Steg lief.
Was dann? Hattest Du Angst, das Cowgirl würde Dich mit ihrem Lasso einfangen?
Sorry, hab heut meinen schlechten Tag und wie immer den Duden neben dem Monitor.
@ Clem
Verbuchen wir es doch lassiverweise unter dichterischer Freiheit! ;) Wenn diese Seiten kein Ventil darstellen, dann hilft nur noch gekelterter Alkohol, aber damit kennst Du Dich ja ohnehin aus…
Und wir hatten extra unser Telefonat für das Date mit der Charakterschönheit beendet, und dann lässt Du es auch noch platzen. Shame on you! ;-)
@ TRS
Zeitverzögertes Missverständnis, diese Dame wird eventuell im dritten Teil erwähnt… ;)
allein der Begriff “Charakterschönheit” ist schon zum brüllen….. aber gut… um den Jungpoeten von dem evtl. ganz kurz aufflackernden schlechten Gewissen in Bezug auf Kandidatin Nr. 3 zu trösten… auch wir Frauen machen das schonmal so…. ähm…hüstel…. ja ja auch wir können oberflächlich sein und gucken auf das Äußere… ;-) LG aus Aachen ;-)
@ AK
Das beruhigt mich ungemein - jedes sehende Wesen ist eben ein klein wenig oberflächlich… ;)