Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

5. November 2009

Fast alltäglicher Wahnsinn

Nähmen wir einmal an, dass einige Kinder kurze Geschichten verfassten und dann, ob nun aus Liebe oder wahrer Wertschätzung, von ihrer Mutter für diese Zeilen gelobt wurden. Vielleicht begaben sich auch schicksalshafte Begegnungen mit mit dem Deutschunterricht betrauten Lehrkräften die zwischen dem Werther und Grammatikübungen freiere Passagen einschoben, und nicht müde wurden, die niedergeschriebenen Texte einiger Schüler zu loben, die bereits eine erfolgreiche Vergangenheit als Kinderdichter aufwiesen. Manch einer fügte im frühen Erwachsenenalter Wort um Wort in gereimten Versen zusammen und vernahm ein mit zwei zugedrückten Augen hervor gepresstes “Das hast Du aber schön geschrieben!”. Wieder andere warfen sich nächtelang hin und her, grübelten am hellichten Tage vor sich hin und schenkten den sie umgebenden Menschen kaum Beachtung, bis sie ihren Entschluss verkündeten.

Zögen wir also Parallelen zwischen den erwähnten, sehr unterschiedlichen Menschen, dann könnte der Eindruck entstehen, dass sie sich für Schriftbegabte hielten und weil es erhabener klang als Schriftsteller bezeichneten.

Gingen wir nun davon aus, dass findige und in ihrem Leben nicht mit den obigen Erfolgserlebnissen bedachte Geister vor längerer Zeit Maschinen ersonnen hätten, die die Darstellung und Speicherung in beliebiger Reihenfolge zusammen gewürfelter Schriftzeichen und Symbole erlaubten. Fügten wir die kühne These von der durch eine dritte Gruppe von Menschen mit einer abweichenden Lebensprägung geschaffene Möglichkeit der Vernetzung der mittlerweile weiter verbreiteten Maschinen hinzu und räumten wir einigen nicht herausragend begabten, aber leidlich talentierten Angehörigen der ersten Gruppe Zugriff auf diesen verknüpften Maschinenbund ein, so ergäbe sich ein Riesenschlamassel an der Grenze zur Unverständlichkeit und Überflüssigkeit wie an rund 90 % der Inhalte dieser Seite deutlich wird Raum für schriftliche und miteinander über Ländergrenzen austauschbare Ausschweifungen und Fehltritte in Textform.

Käme schließlich einer der nur durchschnittlich schreibbegabten, aber organisationsfreudigen, sprachfähigen, aber nur des englischen mächtigen Nutzer der ersten Gruppe auf die Idee, einen Monat des Jahres viel Zeit mit dem getippten Geschichten erzählen zu verschwendenbringen, dabei wenig bis gar nichts zu planen und sich mit der Quantität bar jeder Qualität zu schmücken, so böte sich die Bezeichnung des Ganzen als “National Novel Writing Month” an. Und genau bei diesem absurden, auf 50.000 Wörtern beschränkten, plotfreien und für den November angesetzten Wahnsinn mache ich jetzt mit. Der erste Teil meines Einleitungskapitels füllt die Kategorie Romanfortschritt.

Kommentare

  1. Wenn ich, wie von Montag 0 Uhr bis Sonntag 24 Uhr üblich, alles hinsichtlich seiner relevanten Auswirkungen auf meine Person in natura, analysiere, könnte ich beim Eroieren des exquisiten Monatsabschnittberichts und des dazu in formvollendet ausschweifenden Zeilen kommentierenden Satzes sowie der als Replik gestalteten, wohlgeschmückten Frage, der Impression erliegen, mich als Element der 4. Gruppe atomar verbunden zu fühlen, muß mich jedoch zunächst ehrfürchtig vor diesen Zeilen verbeugen, wird meine intellektuelle Sublimität allein deshalb schon allzu unausweichlich, weil ich ihnen nicht bis zum einzigen und wohlverdienten, von mir verzweifelt herbeigesehnten Punkt voll umfassend und mit sicherer Überzeugung folgen konnte, bevor ich dann jedoch feststelle, daß meine nicht vorhandene Affinität zu Technik mich mit viel profaneren Hilfsmitteln wie einem Reimbuch zu 3,95€ bei Thalia vom Krabbeltisch in Konjunktion gebracht hat, dessen Gebrauch selbstverständlich nur nach wochenlangem Zermartern der noch nicht vom Alkohol zerstörten Regionen des Sprachzentrums, so es solche in meinem Gehirn noch geben kann, in Frage kommt und auch dann zu aus Scham unruhigen Nächten führt, weswegen ich den Jungpoeten dringend hingebungungsvoll darum anflehe, eine 6. Gruppe in seinen Kanon der maßlosen oder zumindest egomanischen Selbstüberschätzer aufzunehmen und zu beschreiben, der ich mich auch zugehörig fühlen kann, damit das emotionale Emeritentum ein Finale finden kann.

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