Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

10. September 2010

Mechanismen des Alltags

Essen kochen, Kaffee aufsetzen, Hemden bügeln, Putzen, Geschirr abwaschen, Einkaufen, Staub saugen, Duschen, Zahne bürsten, Schuhe säubern, Wäsche waschen, Fließen schrubben, Boden wischen, Geschirrspüler einräumen, Waschmaschine ausräumen, Trockner anstellen, Wäsche aufhängen, Fleisch braten, Haare waschen, Creme auflegen, Politur auftragen, Fenster putzen, Bettwäsche wechseln, Schminken, Hände waschen, Wohnung aufräumen, Spinnweben entfernen, Essen wegwerfen, Müll ‘rausbringen, Haushaltslisten aufstellen, Flecken einweichen, Parkett wienern, Lampen auswechseln, Rasieren…

Manchmal frage ich mich, ob sich hinter all der Körper- und Sachpflege mein Leben versteckt. Irgendwo muss es doch zu finden sein. Menschen brauchen Routine, Aliens wie ich nicht. Ich auch. Wäre nicht der schmale Grad zwischen rettender Routine und maledeiter Monotonie, das Leben könnte schön sein. Nicht auszudenken, wie sich allein erziehende Mütter und Väter (ja, ihre Zahl steigt - Rechtsprechung im Wandel) ab zwei Kindern fühlen. Ständige Nahtod-Erfahrung durch erschöpfende, sich wiederholende Tätigkeiten. Sachen sauber machen, die sofort wieder dreckig werden. Ordnung schaffen, damit das Chaos losbrechen kann. Ein fünfter Grund, keine Kinder zu zeugen. Geschweige denn, sie alleine großzuziehen. Die Monotonie freien Alternativen sind übersichtlich:
Auf der Straße leben (unangenehm), “WG” mit einem weiblichen Putzteufel (unangenehm), Haushälterin oder Diener beschäftigen (angenehm, aber zu teuer unangenehm), zurück zu Mama (verlockend unangenehm), den Kram liegen lassen (unangenehm). Also den Kram liegen lassen, regelmäßig zetern und langsam versumpfen. Mein Ansatz seit Jahren. Bei Interesse böte ich Messi-Wohnungsführungen oder Demotivationsseminare an. Zu überteuerten Preisen und so unprofessionell wie möglich, alles gut verpackt unter dem Stichwort Immobilienvermittlung.

Jetzt zur Illustration am Otto-Normalbürger namens Peter Müller (früher mag Otto Maier der häufigste Männername in Deutschland gewesen sein, heute ist es Peter Müller. Der Vater von Rico M., meinem verstoßenen Alterego, heißt Hans-Peter Müller, eine erstaunliche Extravaganz mit vier Buchstaben). Die Struktur eines beliebigen Montags Dienstags Mittwochs Donnerstags Freitags Lebenstages ließe sich wie folgt beschreiben:

8,0 Stunden schlafen
0,5 Stunden essen
3,5 Stunden fernsehen
0,2 Stunden pinkeln/scheißen
0,2 Stunden Zähne putzen
7,0 Stunden arbeiten/Hartz IV empfangen/Rentner sein/Urlaub machen
0,5 Stunden Bildzeitung lesen (davon 80% Titelblatt unten)
2,0 Stunden Auto fahren
0,5 Stunden reden (Wettervorhersage, Fußballergebnisse)
0,5 Stunden masturbieren (oder überlegen, es zu tun)
0,2 Stunden furzen
0,2 Stunden rasieren
0,2 Stunden Sport treiben (Gang zum Kühlschrank)
0,0 Stunden Hausarbeit (mit Putzteufel verheiratet)
0,X Stunden verdampfen

Wenn das vollkommene Lebensglück nicht so aussieht, dann weiß ich auch nicht, wonach es zu streben gilt…

Kommentare

  1. 11. September 2010 - Jenny D aka HS

    Yeah!!!

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