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Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

1. September 2010

Naiver Brief zum schwelenden Nahost-Konflikt

Ab sofort werde ich mich unregelmäßig zu gesellschaftlichen oder politischen Themen äußern. Günter Grass’ Befehl ist Befehl. Meine Gedanken zu den Sarrazin’schen Thesen folgen frühestens in der nächsten Woche, vielleicht auch nie. Statt dessen soll ein naiver offener Brief an den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu den Anfang machen. Erschreckend ist, dass ich ihn vor knapp einem Jahr für einen Wettbewerb verfasst habe und sich seitdem wenig getan hat, zumindest in der Wahrnehmung eines durchschnittlichen Lesers der westlichen Presse. Die Zwei-Staaten-Lösung muss her! Scheiterten die angebahnten Verhandlungen auch dieses Mal, sähe ich keinen glimpflichen Ausweg aus dem Dilemma. Blutige Auseinandersetzungen im Nahen Osten stünden ins Haus…

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Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Netanjahu,

ich wende mich an Sie mit einem Anliegen, welches Israel, den Palästinensern und Ihren Nachbarn die Chance auf dauerhaften Frieden eröffnete: Die Wiederbelebung des stockenden Friedensprozesses im Nahen Osten.

Nun denken Sie, wie frech von einem jungen Deutschen, sich zu Wort zu melden. Und ich pflichte Ihnen bei, von existenziellen Fragen, die über Leben oder Tod entscheiden, verstehe ich wenig. Not, Gewalt und ein ständiges Gefühl der Gefahr erfuhr ich nie und kenne ich nur aus den Medien oder Erzählungen älterer Menschen wie meiner Großeltern.
Und dennoch, seit zehn Jahren verfolge ich die Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt, die Hintergründe habe ich sorgfältig studiert, und sehe keinen Fortschritt. Die Namen der Handelnden und Initiativen wechselten und statt Frieden entfaltete sich der Hass. In der Vergangenheit mag Härte notwendig gewesen sein, um Ihr Land und Volk zu schützen, doch es ist an der Zeit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Vor kurzem drang an die Öffentlichkeit, dass hochrangige Israelis getagt hatten, um die Alternativen zum Aufhalten des iranischen Urananreicherungsprogramms zu bewerten. Ihre Landsleute schlüpften in die Rollen der israelischen sowie internationalen Interessengruppen und erörterten vorurteilsfrei die Situation. Ich wünschte mir eine ähnliche strategische Simulation zur Palästinenserfrage mit offenem Ausgang.

Ich bitte Sie eindringlich, beenden Sie mit Ihrer Regierung den Siedlungsausbau und entwerfen Sie einen neuen Verhandlungsplan. Gehen Sie mit Ihrer Regierung auf die Vorschläge des US-Präsidenten Obama ein. Ihr Volk, die Palästinenser und viele Menschen auf der Welt blicken auf Sie und sehnen diesen ersten Schritt hin zu einer friedlichen Lösung herbei.

Mit freundlichen Grüßen verbleibt
Sonning Strauß

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