Liebes Tagebuch,
niemand scheint mich richtig zu verstehen. Nicht einmal ich Du! Wäre ich vorgewarnt worden, wie viel Arbeit und Mühen das Dichterleben bereit hält und wie wenig Ruhm und Ehre sich im Gegenzug einstellt, dann hätte ich meine Entscheidung überdacht. Die Menschen wenden sich nämlich nur vordergründig dem Dichter zu, in Wahrheit rümpfen sie eher die Nase in Bezug auf diesen stigmatisierten Gesellen.
Sie spitzen die Ohren begleitet von Äußerungen wie “ein Schriftsteller, wie interessant!” oder “wirklich, ich wusste gar nicht, dass es so etwas heute noch gibt!”, fixieren mich mit dem Augen beim Stellen der Standardfragen “Warum?” - Antwort: “Eines Tages beim Aufstehen einfach Lust drauf gehabt.” und “Wie weit?” - Antwort: Ein geschickt umschriebenes “ganz am Anfang” und verabreden sich mit mir zu einem digitalen Rendezvous.
Daraufhin fiebere ich dem Treffen entgegen, mache mich hübsch, plustere mich auf und werde schließlich doch versetzt!
Wo sind die versprochenen Verehrerinnen, der handgreifliche, die Dichterpforte umlagernde Fanmob und die lukrativen Verlagsangebote, für die ich zugegebenermaßen etwas geleistet haben müsste? Weder vorhanden noch akut in Sicht! Ich will Groupies, Flashmobs in lyrischer Sache, mittels Romandebüt reich machende Verlagsverträge und zwar jetzt!
Nur dumm, dass sich literarischer Fortschritt gemäß den Altvorderen in Monaten oder Jahren bemisst! Zumindest bleibt mir viel Zeit für trübe Gedanken und den schamlosen Gebrauch des Ausrufezeichens…
Aber die Verehrerinnen sind doch da…. habe ich das noch nicht oft genug betont ….wie schändlich von mir ;-)
@ AK
Ein wenig Koketterie schadet nie! ;)