Alltagsfantasien.de

Alltagsfantasien.de ist das offizielle Blog des Schriftstellers Sonning Strauß aus Hamburg.

21. August 2010

Swallow this!

Man möge mir den furchtbaren Betreff (englisch, mehrdeutig, pfui) verzeihen, aber ich habe am gestrigen Freitag(abend) mehr über vermeintliche Erotik gelernt als an allen bisherigen Freitagabenden dieses Jahres zusammen.
1. Für Erotik bedarf es mindestens zweier Menschen - Geschlecht, Alter, Gewicht, etc. sind egal.
2. Die Pornographisierung der Gesellschaft scheint weit vorgeschritten und unaufhaltbar.
3. Eine Mittagspause am Gänsemarkt wirkt erotisierender als stundenlanges Betrachten von Aktfotos.
4. Meine Blumensex-Fantasien haben mit der harten Realität wenig gemein.
5. Je hübscher die Frau, desto dreckiger ihre Gedanken.

Dementsprechend bin ich mit folgendem Text bei einem erotischen Poetry Slam untergegangen, der Titel lautet “Am Strand”:

Erotik beginnt bekanntlich im Kopf. Deswegen möchte ich Euch bitten, die Augen zu schließen, auch wenn es Euch befremdlich erscheint. Vergesst diesen Raum und die Menschen um Euch herum. Die Gerüche und sonstigen Geräusche. Hört nur auf meine Stimme.

Kuschele Dich noch tiefer in das Sitzpolster. Vergiss die Arbeitswoche und anderen Dinge. Lass Dich von mir an einen Strand entführen. Einen einsamen Südseestrand.

Das Wasser des Meeres rauscht sanft vor sich hin. Sonnenstrahlen sorgen für eine angenehme Wärme auf Deiner Haut. Gierig saugst Du den Strandgeruch durch Deine Nase ein, Sand und Salz.

Vereinzelte Palmen spenden Schatten. Im Hintergrund erhebt sich ein urtümlicher Wald, der das Inselinnere vor Deinem Blick abschirmt. Der Sand ist wunderbar fein und weiß.

Du bist nicht alleine. Der Mensch, den Du heimlich begehrst, ist hier. Die Arbeitskollegin, der Du Dich nie offenbaren würdest. Der nette Typ aus der Bahn, den Du jeden morgen beobachtest. Oder die Freundin des guten Freundes, unerreichbar im normalen Leben. Du weißt genau, wen ich meine.

Er oder sie kommt langsam auf Dich zu. Lächelt Dich an wie jemand, der Dir sehr vertraut ist. Ihr müsst voreinander keine Scheu haben und Du musst Dich heute nicht verstellen. Du blinzelst gegen die Sonne und lächelst leicht zurück.

Du zögerst ein wenig, ob Du die Dir entgegen gestreckte Hand annehmen sollst. Aber niemand ist hier, vor dem Du Dich genieren bräuchtest. Er oder Sie nickt Dir aufmunternd zu.

Eure Fingerkuppen berühren sich ganz leicht. Ein feines Prickeln erfasst Deine Hand. Dann gleiten Eure Hände wie selbstverständlich ineinander. Die Haut Deines Gegenübers ist weich und duftet ungewohnt. Fruchtig und etwas herb zugleich. Mehrmals atmest Du tief ein und aus, genießt diese fremde Note.

Auf einen sanften Ruck hin lässt Du Dich von der Hand mitziehen. Richtung Wasser. Mehrfach treffen sich Eure Blicke für einen Moment. Übermut und Schalk blitzen in dem Augenpaar auf, dass Dich fasziniert. Und diese besondere Wärme zwischen Euch, die sich immer mehr in Deinem Körper ausbreitet.

Plötzlich umspült Wasser Deinen linken Fuß. Es ist warm und erfrischend. Ihr macht einige Schritte Richtung Meer und watet Knöcheltief ins Wasser hinein. Der Ausblick scheint endlos weit zu reichen. Über dem dunklen Blau des Meeres erstreckt sich das helle Blau des Horizonts.

Du widerstehst der Versuchung, Dich einfach ins Wasser gleiten zu lassen. Ihr entfernt Euch so weit voneinander, bis Eure Hände gerade in Kontakt bleiben.

Dann nähert Ihr Euch rasch wieder an, bis nur noch wenige Zentimeter Eure Gesichter trennen. Dein Gegenüber lächelt Dich an, führt den Mund an Dein Ohr und flüstert Dir etwas zu.

Du verstehst und nickst.

Bestimmt legen sich Hände auf Deine Hüften. Die rechte Hand Deines Gegenübers gleitet langsam über Deinen Rücken und Deine Wirbelsäule. Jetzt über Dein Schulterblatt. Sie ruht in Deinem Nacken. Nun zieht sie Deinen Kopf langsam zu sich. Du schließt die Augen und erwartest die Berührung der fremden Lippen.

Plötzlich packt die Hand unerwartet fest zu. Ein Unmutslaut entfährt Deinem Mund. Du schlägst die Augen auf und verziehst das Gesicht. Die Hand packt noch fester zu und reißt Dich weg vom Strand. Weg von dem Menschen, dem Du Dich gerade hingeben wolltest.

Diese Hand gehört der Bedienung, die schon etwas länger neben Dir steht. Du befindest Dich wieder im Stage Club. Auf der Bühne beendet gerade ein Dichter seinen Text.

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