…klügste, schönste und natürlich am besten riechendste viel versprechendste Jungpoet im ganzen digitalen Land? Selbstverständlich nicht ich. ;)
Aber was nicht ist, kann ja noch werden und als bekennender Freund mittelalterlicher Methoden liegt der Ausweg aus diesem kleinen Dilemma nahe: Dichterduelle und -wettstreite, wahre Recken werden nämlich für gewöhnlich im Feuer beziehungsweise Kampf gestählt. Aug’ in Aug’ mit gezogener Klinge, in verdreckter Rüstung und mit angespanntem Gesichtsausdruck äh mit galant geschwungener Feder, im frisch von Mama gebügelten LieblingsHemd und immer eine charmante Floskel auf den Lippen, das verspricht eine erfrischende Erfahrung zu werden.
Doch wo stecken sie, meine ehrenwerten und tapferen Kontrahenten? Die ausgesandten Kundschafter entdeckten wenig - ich scheine im deutschsprachigen Raum ziemlich alleine auf weiter Flur zu sein und mit großzügig gerundet zehn Artikeln und gefühlten 100 Kommentaren reihe ich mich solide ins vordere Mittelfeld der digitalen Jungpoetenbewegung ein. Ärgerlich, ich hatte mich schon so auf das Bad im Blut der unterlegenen Dichterinnen und Dichter gefreut, jetzt muss eine eingebildete Siegerdusche genügen.
In Anbetracht dieser durch und durch nichtigen erschütternden und Bahn brechenden Erkenntnisse hält es mich nicht mehr auf dem heimischen Poetenthron und zieht mich hinaus aus der Autorenkammer. Ich springe auf, murmele “Wenn der Feind nicht zum Jungpoeten kommt, dann…”, greife den für ein Werbegeschenk wirklich angenehm in der Hand liegenden Stift und einige bereits auf der Rückseite bedruckten Seiten vom Tausender Stapel meine Feder, Tinte und das Pergament und stürmte übermütig auf die Straße.
Hoch zu Drahtesel Ross bahne ich mir harsch einen Weg durch die Gassen, hin zum stark bevölkerten Marktplatz, mein Warnruf “Macht Platz für den Jungpoeten!” wirkt wieder Wunder. Dort schlage ich mein Lager auf und das Drama nimmt seinen schlecht gereimten Lauf lyrisch ausgehungerte Fussvolk stürzt sich förmlich auf mich.
Ich lasse meinen Blick schweifen und wende mich als Erstes an die alte, fest auf ihren Gehstock gestützte und resolut dreinblickende Dame.
Ich: “Gnädige Frau, wie wäre es mit einer kurzen lyrischen Konfrontation?”
Sie regt sich nicht.
Ich: “Nur nicht so schüchtern, sobald Ihre Zunge ein wenig gelockert ist, plätschern die Reime wie von selbst - vertrauen Sie mir!”
Sie regt sich immer noch nicht.
Ich: “Verstehe, ich gebe Ihnen gerne einen kleinen Vorsprung, vervollständigen Sie einfach diesen Halbsatz - heute ist ein schöner Tag,…”
Sie dreht sich um und geht weg.
Ich schnaufe und mein Blick fällt auf einen jungen Mann meines Alters mit sportlicher Figur und verschmitztem Grinsen - wenn in ihm nicht die Lyrik pulsiert, dann soll mich der Schlag treffen!
Ich: “Hey Du, Du siehst mir ebenfalls nach einem Liebhaber der Lyrik wie ich aus! Wie wäre es mit…”
Sein Grinsen verschwindet und er stößt hervor: “Bitte, was willst Du denn?”
Ich: “Ich will als Jungpoet der Lyrik frönen und mich mit Dir in einem kleinen Dichterstreit messen, um das Volk zu verwöhnen.”
Er: “Hau ab, ich bin nicht schwul!”
Ich schüttele den Kopf über diese ständigen, vollkommen unerklärlichen Missverständnisse. Plötzlich durchfluten neue Kräfte meinen arg strapazierten Jungpoetenleib und ich erblicke mit leicht geröteten Augen sie: Edle Gesichtszüge, lange, das Gesicht umschmeichelnde dunkle Haare, allenthalben wohl geformte Rundungen und schmale Fesseln! Mein Herz macht unvermittelt einen Satz, sollte ich an diesem beinahe unwirtlichen Ort gar meine Muse finden? Möglichst elegant deute ich eine Verbeugung an und flüstere dem äußerst anziehenden Wesen ins Ohr:
“Verzeihung, darf ich mich kurz vorstellen? Man nennt mich den Jungpoeten und Du hast mich im Nu betört. Gewährst Du mir einige Minuten, damit ich Deine Schönheit im gebührenden Maße preisen kann?”
Sie lacht und macht einen kleinen Knicks:
“Nur zu Jungpoet, ich hänge an Deinen Lippen!”
Ich straffe mich und hebe zum Sprechen an als…
…die Katze in der Wohnung über mir kräftig auf den Boden springt und mich unsanft aus meinem Mittagsschlaf reißt. Ich sende einen klagenden Blick an die Wohnungsdecke in den Himmel, seufze Herz erweichend, schlage die kuschelige, meine Beine wärmende Decke zur Seite und vertrete mir dann in der Wohnung die Beine, um auf andere Gedanken zu kommen…
Diese Intoleranz der Menschen ggü. schwulen Jungpoeten, traurig, traurig. Mein Mitgefühl sei Dir gewiss.
Hast Du eigentlich schon eine Idee, wie Du das Stilmittel des
Durchstreichensin klassischer Buchform unterbringen kannst?@ TRS
Haha! ;) ‘Mal sehen, ob sich das Stilmittel irgendwie portieren lässt bzw. ob dies überhaupt noch gewünscht sein wird…
Das Durchstreichen ist auf jeden Fall gewünscht - und wenn du es persönlich in meinem Buch vornehmen musst!
@TRS: Sie scheinen sehr hungrig nach den Worten dieses Jungpoeten zu sein. Dem stehe ich in Nichts nach. Nur belieben Sie immer einen Kommentar voraus zu sein. Warum?
Gibt es da Verbindungen / Kreise in die ich aufgenommen werden sollte?
@ Hanjo
Ay ay! ;)
Mein steter Vorsprung ist einzig und allein meiner dem Jungpoeten entgegengebrachten Ergebenheit geschuldet. Nur böse Zungen würden mir eine übertriebene Präsenz vor den Browsern dieser Welt und den unlauteren Einsatz einer Geheimtaste mit dem Code F5 unterstellen…
Aber ich gelobe Besserung und werde mich beim nächsten Mal in Desinteresse und Geduld üben und mich dann artig ins Mittelfeld der Kommentatoren einreihen.
Ich musste den Text mehrfach lesen, um ihn zu verstehen. Insofern hat der Junpoet schon einmal ein Minimalziel erfüllt … ich habe mich mit den literarischen Ergüssen vom Poetenthron eingehend auseinandergesetzt ;)
Hey Sonning!
Ich bin ja mehr der Ich-lese-ein-Buch-weil-es-mich-unterhält-und-nicht-weil-es-mich-klüger-macht-Typ, aber bei dir kann man sowohl etwas lernen als auch Spaß haben. Zumindest lernt man etwas über die Psyche eines leicht durchgeknallten und utopischen und ebenso liebenswerten Jungpoeten. Weiter so!
Nur deine Sprache stehe ich kein ganzes Buch durch, weil ich doch grundsätzlich am liebsten vor dem Einschlafen lese, ;-)
Lieben Gruß, Bek
@ George & Bek
Vielen Dank Ihr Beiden, vielleicht wird der nächste Beitrag ja schlichter… ;)
Ich denke, man braucht einen Bart, um als Poet erstgenommen zu werden. Es heißt nicht umsonst: Beim Barte des Poeten!
@ ab
Naja, für einen Jungpoeten dürfte auch ein schmieriger Mehr-Tage-Bart reichen und der ist mittlerweile vorhanden… ;)
Die Mitte der Woche wäre dann auch schon wieder erreicht… Wie wäre es mit einer Rubrik “Wochenzwischenbericht”?
@ TRS
Eminenz, Ihr habt ja so recht. Die Rubrik “Wochenzwischenbericht” wird natürlich sofort umgesetzt, sobald die Technik etwas Luft hat! ;)
ein Wochenzwischenbericht….jaaaaaaa meine gebete wurden erhört…. ach mist ich bin ja gar nicht gläubig…. egal…. also her damit…. wie es scheitert an der Technik (wofür ist das ein Codewort….???? DAS kann nicht sein bei Ihrer “ersten Karriere” ;-) )
Puh, da müsste ich ja Vollzeit schreiben - viel zu anstrengend! ;)
Ich hasse Katzen, die einen um den wohl verdienten Schlaf bringen… Wo’s doch grad so spannend war. Zu gern hätt ich gewusst, mit welch geschliffenen Reimen du der holden Maid Schönheit preist… War es vielleicht gar die lang ersehnte Muse?! Ich bin gespannt, wie deine Geschichte weitergeht. - Die Mails sind abonniert ;)
@ Rumpelstilzchen
Die geschliffenen Reime sind nicht verloren und werden eines fernen Tages erneut aufblitzen. Unterdessen verlege ich mich wie gewohnt auf profanere Zeilen und ergötze mich an Deinem jüngst geweckten Interesse… ;)
Dessen kannst du dir gewiss sein… so schnell wird man - äh, Jungpoet, mich nicht los. Da bin ich hartnäckig.
@ Stilzchen
Wunderbar, die Ausweitung meiner Lesergemeinde ist bekanntlich mein vornehmstes Begehr!