Mir ist in den letzten Tagen eine Frage durch den Kopf gegangen wie sich als aufmerksamer Leser bereits anhand des Betreffs vermuten lässt: Wann kommt endlich ‘mal wieder Kohle ‘rein und füllt meinen arg strapazierten Jungpoetengeldbeutel Wie ist es eigentlich um die Umweltverträglichkeit von Dichtern und Jungpoeten wie mir bestellt? Mein zweimonatiges Jubiläum als freier Dichter und Denker nehme ich einmal zum Anlass, um diese Fragestellung etwas genauer zu untersuchen. Im nächsten Schritt könnte ich dann eine umfassende Bewertung des Dichterlebens mit der populärer werdenden Währung des virtuellen Wassers vornehmen.
Als Kind und Jugendlicher dürfte die einzige Auffälligkeit wohl in einem etwas höherem Papier- und Tintenverbrauch und im Gegenzug einem etwas niedrigeren CO2-Ausstoßes aufgrund der Außenseiter Stubenhocker bedingten, geringeren Atemfrequenz begründet sein.
Interessant wird es beim Erreichen des Erwachsenenalters. Der Verbrauch von Papier und Tinte, sei es in Form zu konsumierender Lektüre oder als Rohstoff des eigenen Schaffens, dürfte sprunghaft ansteigen. Heutzutage kommt der vom meist laufenen Rechner benötigte Strom und die daraus resultierende Emission hinzu. Die ökologische Bilanz der Unmengen an getrunkenem Wein und gerauchten Tabakprodukten dürfte ebenfalls verheerend sein. Stellt sich gar der lyrische Erfolg ein, wäre des Weiteren ein vermehrter Reiseaufwand mit wachsenden Emissionen der benutzten Verkehrsmittel verbunden. Jungpoeten leben mit Vorliebe in Altbauwohnungen oder später kleinen Häuschen am Meer, aufgrund schlechter Isolierung weitere Sünden an Mutter Natur. Dies wäre eigentlich der Zeitpunkt, sich für jegliche jemals verfassten Zeilen zu entschuldigen und das verwendete Schreibgerät tief in die eigene Brust zu rammen, um meiner schändlichen Existenz wenigstens ein ehrenhaftes Ende zu bereiten.
Doch es gibt ja das erprobte und stets erfolgreiche Mittel der Lobbyisten, die schmierige Gegenrechnung! Sollte ich mich an dieser Stelle über die Abwrackprämie oder laut Opelwerbung Ökoprämie auslassen - nein, zum Glück hat alltagsfantasien.de keinen politischen Anspruch und soll dem fortschreitenden Wahnsinn nicht vorbeugen. Dichter und Jungpoeten, wie ich mittlerweile bestätigen kann, haben oft einen schmaleren Geldbeutel und kaufen zum Beispiel wenig Fleisch ein, dies schont die Umwelt ungemein gemäß der recht neuen und schon erwähnten Berechnung des virtuellen Wasserverbrauchs eines Gutes. Das künstlerische Schaffen findet überwiegend in der Dichterstube, die ständigen Besucher im Szenecafé um die Ecke werden lieber geflissentlich verschwiegen, statt, wodurch keine unnötige Pendelei entsteht und selten ein Auto benötigt wird, endlich ein emissionsgetriebener Pluspunkt für die Lyrik!
Ausgedehnte Urlaube kommen in Anbetracht der begrenzten finanziellen Mittel auch nicht häufig vor, außerdem ist das Dichterleben so spannend und vollgepackt mit grandiosen Momenten, dass es keiner großen exogenen - Zeit, sich mit diesem Unwort einmal als waschechter Kaufmann erkennen zu lassen - Reizflut bedarf. Die zunehmende Vergeistigung des Poetenseins kann fernerhin genutzt werden, um den Wasserverbrauch beim Waschen und sonstigen Pflegen des Körpers einzuschränken und größtenteils mit erfrischendem Regenwasser zu bestreiten. Der Gebrauch von Kleidung kann ebenfalls auf das Notwendigste beschränkt werden. Die inneren Werte zählen, Briefe und Buchseiten müffeln kaum und bei Lesungen wird es eh immer so heiß, dass die positive Wirkung der Morgentoilette sich im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auflöst. Zeitsprung um ein paar Jahrzehnte: Und falls das Dichterleben sich einmal zum Ende neigt, dann stirbt man oft in Armut und Einsamkeit (siehe unten), es wird kein pompöses Grab beansprucht. Somit sind nur selten Verwandte gezwungen, sich auf den mühsamen Weg zum Friedhof (Emissionen!) zu machen, gar Blumen (skandalöser Umgang mit virtuellem Wasser!) mitzubringen oder die vorhandenen zu wässern (ökologisch gesehen einwandfrei, aber nervig).
Genauso tragisch, aber dennoch gewichtig ist die folgende, messerscharf kausal abgeleitete Feststellung: Jeder Mensch bis auf wenige militante Ökofanatiker und Schrate schadet der Erde mehr als er ihr nützt. Am besten wäre es also, wenn die Menschheit langsam von der Erdoberfläche verschwände oder durch wie auch immer geartete, leider nicht vorhandene Fressfeinde wieder in die vorgesehene ökologische Nische zurückgedrängt wird. Dort böte sich nämlich nicht mehr die Gelegenheit, unseren Lebensraum Stück für Stück genüsslich zu vernichten. Hier jetzt der positiv angehauchte Einwurf von meiner Seite: Dichtet mehr beziehungsweise fangt endlich überhaupt damit an! Dichter und Jungpoeten leben ein unbeständiges und kürzeres Leben, sind oft gefangen im Dreieck des Misserfolgs, Mittelmangels und der Schwermut. Zusammengenommen ein idealer Nährboden, um früher als Lieschen Müller oder der Ottonormalverbraucher zu sterben sowie keine Kinder zu haben und die Umwelt nicht durch weitere kleine Lyriker zu belasten. Ist es nicht wunderbar, wie nahe die Lösung liegt?
Im Endeffekt bin ich erleichtert über die sehr strukturierte und überzeugende, sprich gelungene Beweisführung und kann mit gutem Gewissen weiter dichten!
Wenn erst mal dein Buch gedruckt wird, dann ist es mit der Umweltverträglichkeit eh vorbei!
Aber auch für diesen Fall wird es eine gute Gegenrechnung geben, oder nicht? ;)
@ Hanjo
Du kennst mich doch, dann geht es eh nur noch ums Geld, ein größeres Auto fahren, Urlaub, etc.!
Werter Herr Jungpoet,
Ihre Rechnung mag rein logisch Sinn machen (oder auch nicht), aber Sie vernachlässigen ja völlig den gigantomanisch hoch anzusiedelnden geistigen Wert Ihres Schaffens und dieser stinkt doch wohl locker gegen alle Emissionswerte und anderen ökologischen Bedenken an!!!! Also trotz ungesundem Lebenswandel, mangelnder Hygiene, merkwürdiger Kleidungsideen und sonstigen Merkwüdigkeiten Ihrer Kaste im allgemeinen wünsch ich ein langes Leben und das besagte Häuschen am Meer….;-)
@ AK
Naja, aber wenn es keine Erde mehr gibt, nützte auch aller Geist nicht mehr viel. Entgegen teilweise verbreiteten Annahmen benötigt der Geist doch einen irdischen Wirt…
Was allein dieser Blog hier - von ideellen Werten in dieser Betrachung einmal abgesehen - an Umweltschäden allein durch den Serverbetrieb verursacht, mag ich mir gar nicht erst ausmalen. Zum Glück lassen sich ideelle Äpfel nicht mit real existierenden Birnen vergleichen und virtuelles Wasser nicht mit Milch und Honig. Chapeau!
@ TRS
Du hast natürlich Recht, manche Aspekte werden geflissentlich ignoriert, sonst hülfe wieder nur das tief Hineinrammen des Schreibgeräts…